Julian kannte sein Gegenüber gut genug, um zu wissen, dass er es nicht allzu einfach haben würde, die Wahrheit aus ihm herauszukitzeln. Mayas Bruder war eine beeindruckende Gestalt, hochrangig, respektiert im Orden. Will hatte erzählt, dass er im Atheneum bei diversen Simulationen besser gewesen war, als er selbst. Schneller gewonnen hatte, entschiedener vorgegangen war. Aday Adelen war niemand, der leere Versprechen oder unnötige Worte machte. Sie hatten nicht oft gesprochen, aber er war einer der Gründe, wieso Julian Maya ungern angeworben hatte. Die Gefahr, dass sie es ihrem Bruder sagte, oder dass er von selbst dahinterkam, war ein Risiko für seine Pläne. Der Ordensmann setzte sich Julian gegenüber, ein stoisches Gesicht auf und wartete. Doch Julian war geduldiger. Er hatte drei Jahre auf diesen Moment gewartet. War in Katania unter freiem Himmel gelegen und hatte Rachepläne geschmiedet, in denen Männer ohne Gesicht bluteten. Die Dunkelheit dieser Nächte hatte sich über das Atheneum gesenkt. Die flackernde Kerze auf dem Tisch tat wenig, um sie zu bannen. Julian musterte sein Gegenüber und sagte den Satz, den Politiker immer sagen, wenn sie ihrem Gegenüber eigentlich an die Kehle gehen wollen:
„Eine Freude, Sie endlich wieder zu treffen."
Aday schwieg. Besser war es, denn das war alles an Höflichkeit, die Julian noch übrig hatte.
„Ihr werdet das Mädchen, für das ihr hergekommen seid, nie wiedersehen."
Julian hörte seinen Vater in seiner Stimme. Die Grausamkeit, derer er sich bediente, klang nachlässig, obwohl sie alles akribisch vorbereitet hatten. Ich bin dir überlegen, sagte sein Ton. Dein Leben trägt meine Unterschrift.
„Die Kolonien sind weit weg, Prinz", sagte der Ordensmann. Was er eigentlich sagen wollte, war: Mord hat in der Hauptstadt seinen Preis. Er hatte Recht. Julian hatte den Bericht über die Hinrichtung des Assassinen gelesen, die sein Vater angeordnet hatte. Man hatte ihn ebenfalls bezahlt, um Nico umzubringen, aber das wussten die wenigsten.
„Ihr habt versucht, meinen Cousin umbringen zu lassen", sagte Julian, während er seine Signatur unter den Brief setzte, den er soeben zu Ende geschrieben hatte. „Mehrmals. Ist das korrekt?"
Aday schwieg, doch das tat nichts zur Sache. Wenn Julian keine Beweise hätte, säße er nicht hier. Beweise, die weit über den bemitleidenswerten Mordauftrag gegen Nico hinausgingen, der nur das Produkt totaler Verzweiflung sein konnte.
„Gebt mir den Namen", sagte Julian ruhig. „Wen auch immer ihr beschützt, ich bin mir sicher er hat es nicht verdient."
Er legte seinen Füller zur Seite und pustete die Tinte trocken.
„Ihr habt mich ausgetrickst."
„Ja, und ihr habt eine Affäre mit einer Dienstbotin, aber das sind wohl jeweils die kleinsten unserer Sünden."
Er gab sich mit der Tinte zufrieden, faltete das Papier und ließ es in einen Umschlag gleiten.
„Ihr könnt mich bedrohen, so viel Ihr wollt. Ich weiß nichts, was für Euch von Belangen sein kann. Die Hohe wird sich allerdings dafür interessieren, wie ich hierher zitiert wurde."
„Hm", machte Julian. „Wenn Ihr mich einschüchtern wollt, sorgt dafür, dass Ihr mehr meiner Geheimnisse kennt, als andersherum. Ich habe euren kleinen Geist."
Er sah auf, um die Reaktion seines Gegenübers abschätzen zu können. Das Atheneum hatte sie alle gelehrt, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten. Doch Julian war gut darin, das Flackern von Angst zu erkennen, bevor es erlosch. Wie jetzt.
„Beantwortet meine Frage."
Aday biss sich auf die Wange. Julian hatte ihn genug verunsichert, dass er zu denken begann, anstatt ihn abzublocken. Er wettete darauf, dass als nächstes die Lüge kam.
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Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]
Science Fiction"Ich habe dich geliebt, wie Zerstörung Königreiche liebt." In den Narben, tiefen Schluchten am Rande der Hauptstadt des Imperiums, ist Cress Cye gefürchtet. Die alten Monster, die dort in den Tiefen leben, kennt sie gut. Als eines davon so viel Scha...
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