116 - Suite des Brautpaars

101 17 8
                                        

„Cress."

Cress schreckte in die Höhe, wie eine Frau, die aus einem Albtraum aufwachte. Sie dachte für einen Moment, sie wäre im Hauptquartier der Hearts. Dachte, es war der Joker der Herzdame, der über ihr stand. Doch sie wurde nicht mit kaltem Wasser geweckt oder an den Füßen aus dem Bett gerissen. Julian hatte sich neben sie gesetzt. Er sah auf eine erschöpfte Art hellwach aus. Als hätte er drei Nächte nicht geschlafen, aber viel Koffein intus.

„Wie geht es deinem Kopf?"

Cress richtete sich im Ehebett des Prinzenpaares auf. Seidenbettlaken glitten auseiandner. Sie war die Einzige, die darin schlief. Cress sah wieder etwas besser, aber sie hatte immer noch dröhnende Kopfschmerzen und von ihrem Gesicht wollte sie gar nicht erst anfangen.

„Geht."

Julians Knie federte auf und ab. Sonst machte er nie eine unwillkürliche Bewegung.

„Wir müssen los. "

Er zog sie auf die Beine. Cress trug immer noch den Anzug, in dem sie über die Dächer gerannt war, aber das Blut hatten sie ihr aus den Haaren gewaschen.

„Julian."

Renés Stimme war kühl, aber bestimmt. Sie stand im Vorzimmer in einem Feld aus blauem Licht. Für Cress Augen sah es aus wie Magie. Es dauerte eine Weile, bis sie die Stadt erkannte, die um die zukünftige Königin her das Zimmer erfüllte. Blaue Dächer, Türme, hohe Häuser und Flugplätze. Zahlen, die in der Luft schwebten und für Cress keinen Sinn ergaben. Julian trat in den Türrahmen.

„Soll Lukrez beginnen?"

Julian ging zu ihr hinüber und lief dabei durch Häuser aus blauem Licht.

„General."

„Trajan", grüßte eine Stimme aus dem Nichts.

Der Name, den Cress auch in den Narben gehört hatte. Julians Alias.

„General, ich verlasse mich auf Ihre Diskretion."

Cress konnte nicht einmal sagen, wo die Stimme des zweiten Mannes herkam. Nur, dass er deutlich älter klang als Julian.

„Leise wie die Wüstenfüchse, Hoheit."

Cress war nun neben Julian angekommen. Bei der Bemerkung zuckte einer seiner Mundwinkel.

„Soll ich die anderen auch aus dem Bett werfen?", fragte René ungehalten. „Und wenn ja, wie viele?"

Julian nickte.

„Alle."

„Davensted. Harrings. Vicense."

„Alle."

Es lag eine Anspannung in der Luft, die mit diesem Befehl zuzunehmen schien.

„Sonst schicken wir sie wieder schlafen", sagte er beschwichtigend, als er Renés Gesicht sah. Sie tippte zweimal auf eine runde Kugel auf dem Tisch und die Zahlen um sie her gerieten in Bewegung.

„Was ist passiert?"

Cress verfluchte sich dafür, dass sie geschlafen hatte. Es konnten nur ein paar Stunden gewesen sein, aber etwas entscheidendes hatte sich bewegt in dieser Zeit und sie hatte den Anschluss verloren.

„Wir sind uns nicht sicher."

Julian reichte ihr ein Glas Wasser. Cress kippte es hinunter.

„Maya sollte Rya vergiften, aber soweit wir wissen, lebt die Hohe noch. Dafür ist Will schwer verletzt. Wir tracken die Vitalwerte von ausgewählten Soldaten und seine sind abgestürzt. Laut GPS Tracker ist er auf dem Hügel des Heiligtums. Dort, wo Maya sein sollte."

Skythief - Gestohlene Sterne [neue Version]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt