»Soll ich wieder gehen? Ich kann draußen warten. Oder unten. Wenn dir das lieber ist.« »Das ist ja das Problem! Ich will nicht, dass du gehst.«
Julia Wentworth hatte nicht vor, sich zu verlieben, als sie nach drei Jahren Studium in Oxford an New Yor...
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»Ich ... Ich verstehe das nicht.« Henrys Blick war stumpf auf den Bildschirm gerichtet, welcher die Aufnahme von ihm und meinem Verfolger in Dauerschleife zeigte. Immer und immer wieder. Wortkarg gehörte normalerweise nicht zu meinem Wortschatz, doch in diesem Moment war ich wahrlich sprachlos.
In meinem Kopf ratterte es und die Schmerzen strahlten in meinen Nacken. Was ich brauchte war ein gute Portion Schlaf. Und das am besten, bis dieser Alptraum vorbei war. Ein Schauer lief über meine Haut, während ich Henrys lächelndes Gesicht auf dem Display mit seinem geschockten Pendant direkt vor mir verglich. Seine Augen schauten flehend zu mir auf.
Ich sah Grün. Das gleiche Grün, das mich schon so oft angesehen und mir Gänsehaut bis in die Tiefen meines Herzens bereitet hatte. Nachdenklich, amüsiert und ... liebevoll. Dieses Grün, das Grayson-Grün, konnte nicht lügen. Doch in diesem Grün lag noch etwas anderes. Schmerz, Überforderung und Kraftlosigkeit. Die Ausstrahlung einer gebrochenen Seele.
»Was soll der Scheiß?«, grummelte Grayson, trat einen Schritt vor und errichtete so eine Barriere zwischen mir und seinem Bruder. Als befürchtete er, dass er sich innerhalb der nächsten Sekunden auf mich stürzen könnte.
»Was hat das zu bedeuten, Henry?« Heather blinzelte angestrengt und starrte ihren älteren Bruder gleichermaßen fassungslos und irritiert an. Der fand noch immer keine Worte und sah genauso verloren aus, wie ich mich fühlte. Beth war kreideweiß geworden.
»Ich ... Ich verstehe das nicht«, wiederholte Henry schließlich und blickte uns der Reihe nach an. »Das ist der Kerl, der dich verfolgt?«
Seine Stimme war viel zu perplex um gespielt zu sein. Noch bevor ich zu einer Antwort ansetzen konnte, polterte Grayson blind los.
»Was hast du mit ihm zu schaffen, Henry? Geht es um Geld? Was ist es?« Er packte seinen Bruder so harsch an den Armen, dass ich zusammenzuckte. »Sag es mir!« Er schüttelte ihn ungehalten, als käme er so der Antwort einen Schritt näher. In Henrys Augen blitzte etwas auf. Etwas Beunruhigendes. Er packte Graysons Hände und hielt sie fest, so stark, dass seine Knöchel weiß hervortraten.
»Ob es um Geld geht? Spinnst du? Glaubst du ernsthaft, ich hätte etwas damit zu tun und helfe euch dann auch noch? Zu deiner Information, ich hatte gerade alle Zeit der Welt, um die Aufnahmen einfach aus dem Archiv und von der Festplatte zu löschen. Ich hätte nur behaupten müssen, dass es kein Material gab und irgendwer uns zuvorgekommen ist. Ihr hättet es doch nicht einmal bemerkt«, spie er aus und eine Gänsehaut kroch meine Arme hinauf.
In dem Punkt musste ich ihm recht geben. Schon nach kurzer Zeit hatte ich die Augen abgewandt, weil das schnelle Flackern sich in meine Netzhaut gebrannt hatte.
»Ich kenne diesen Typ nicht, okay?«, stellte er klar.
»Und wie nennst du das bitte?« Grayson schlug gegen den Bildschirm und das Bild darauf flackerte kurz. Unweigerlich machte ich einen Schritt zurück und stieß dabei gegen einen Stuhl. Die Stuhlbeine schabten über den Boden und hinterließen ein quietschendes Geräusch. Kälte lag über den Brüdern und breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus.