»Soll ich wieder gehen? Ich kann draußen warten. Oder unten. Wenn dir das lieber ist.« »Das ist ja das Problem! Ich will nicht, dass du gehst.«
Julia Wentworth hatte nicht vor, sich zu verlieben, als sie nach drei Jahren Studium in Oxford an New Yor...
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Der Raum der Security lag im Keller und war nicht viel größer als eine Abstellkammer. Dafür über und über mit Technik vollgestopft. An der länglichen Seite war eine Reihe Schreibtische angeordnet und an die zehn hochauflösende Bildschirme bepflasterte die Wand davor. Schwarz-weiße Bilder flackerten auf ihnen und warfen den Raum in ein düsteres Licht. Allein dadurch fühlte ich mich wie in einem Agentenfilm.
»Sie haben zehn Minuten«, sagte der Mann im Türrahmen, den ich gerade mit zweihundert Dollar bestochen hatte, seinen Überwachungsposten vorrübergehend zu verlassen.
Mein Bruder schien voll und ganz in seinem Element zu sein. Überrascht verfolgte ich, wie flink seine Hände über die Tastatur flogen. Er war schon immer der Technikbegeisterte von uns gewesen, doch in den letzten Jahren schien er sein Wissen weiter ausgebaut zu haben. So schnell, wie er Befehle eingab und Dateien sichtete, realisierte ich nicht einmal, was genau er da tat.
»Wollen wir doch mal sehen, was wir hier finden«, murmelte er, während Julia sich auf einen der Schreibtische setzte und die Beine baumeln ließ. Sie verzog kurz das Gesicht, als der Schmerz offenkundig durch ihr verletztes Bein zog. Der Anblick des weißen Verbandes schickte einen Schauer durch meinen Körper. Das wäre nicht passiert, wären die Sicherheitsvorkehrungen besser abgestimmt gewesen. Es wäre nicht passiert, hätte ich nur besser aufgepasst.
»Wer ist dieser Mann? Worauf hat er es abgesehen? Und wie ist es ihm überhaupt gelungen, hier reinzukommen?«, zählte Beth an einer Hand ab.
»Er steht jedenfalls nicht auf der Gästeliste. Beim Personal konnte ich ihn auch nicht finden in der kurzen Zeit. Die Gäste haben Lunte gerochen und wollten raus. Wir konnten sie nicht aufhalten, ohne zu erklären, was wirklich los ist.«
Julias sanftes und verständnisvolles Lächeln war zu viel für mich. »Ich weiß, dass du keine andere Wahl hattest. Du trägst keine Schuld daran.«
Und doch machte ich mir die größten Vorwürfe. Wir wussten von Anfang an, dass das Risiko bestand, dass Narbengesicht heute hier auftauchen würde und trotz meiner Bemühungen, das Personal zu überwachen, war es nicht genug gewesen. Es war nie genug.
»Ich brauche einen Drink.« Julia massierte sich den Nasenrücken.
»Das, was du brauchst, ist ein kühler Kopf«, entgegnete Henry, ohne den Blick zu heben.
»Warum?« Julia warf die Hände in die Höhe. »Es ist sowieso vorbei. Er ist uns immer einen Schritt voraus.«
Julia war nicht umhingekommen, ihrer Schwester die Wahrheit zu sagen und zu beichten, dass sie schon länger verfolgt wurde. Dass ihr Verfolger sie bereits im Penthouse ihrer Eltern überrascht hatte, hatte Beth kalkweiß werden lassen.
Es war die halbe Wahrheit. Mich hatte sie mit keinem Wort erwähnt. Nach ihren Worten war ich erst vor kurzem in die Bedrohungslage eingeweiht worden.
»Nichts da.«, protestierte Beth ungehalten. »Sein einziger Vorteil war, dass deine Maßnahmen mehr oder weniger passiv waren. Du hättest mir schon viel eher sagen müssen, was da läuft.« Unter ihrem mahnenden Blick senkte Julia den Kopf. »Er hat sich reingeschlichen. Wie hat er das geschafft? Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm hoch. Wie soll sich da jemand reingeschlichen haben, ohne dass es jemandem auffällt? Er hatte Komplizen, mindestens einen«, warf Beth ein.