54. Kapitel

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»Meinst du, wir hätten Beth und Julia Bescheid geben sollen?«, fragte Henry im Flüsterton, als wir von der misstrauischen Barkeeperin durch die Räume in den hinteren Bereich geführt wurden

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»Meinst du, wir hätten Beth und Julia Bescheid geben sollen?«, fragte Henry im Flüsterton, als wir von der misstrauischen Barkeeperin durch die Räume in den hinteren Bereich geführt wurden.

»Ganz bestimmt nicht.« Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, was dann geschehen wäre. Julia und Beth hätten darauf bestanden, mitzukommen und sie hätten nicht lockergelassen. Und eine von beiden (ich war mir nicht sicher, wem von beiden ich es eher zutraute, vermutlich Julia) hätte bestimmt auch Heather aufgehetzt. Zu fünft wären wir nicht einmal an der Security vorbeigekommen. Ganz gleich mit wie vielen Scheinen ich vor ihrer Nase gewedelt hätte.

»Besser wir klären das ... in Ruhe.« Mein Verhalten war schrecklich bevormundend, ich wusste das. Ich wusste auch, dass Julia mir meine Vorgehensweise übelnehmen würde, sobald sie davon erfuhr. Doch es hingen schon zu viele Menschen in der Sache mit drin und ich vertraute ihnen nicht, die Sache rational anzugehen. In der Hinsicht vertraute ich nicht einmal mir selbst, aber Henry allein loszuschicken war auch keine Option. Obwohl ich zugeben musste, dass er die Situation mit der Barkeeperin gut gelöst hatte. Immerhin befanden wir uns auf dem Weg zu Mr Perrys Büro.

Eine Treppe verborgen hinter einer unscheinbaren Holztür mit der Aufschrift »Privat« führte in die oberen Geschosse. Durch die Fenster sah ich eine Feuertreppe und einen gedrungen wirkenden Innenhof, in dem sich die Müllcontainer aneinanderreihten. Wir folgten der Barkeeperin in einen Gang, der eine ebenso dunkle Atmosphäre ausstrahlte wie der Gastraum selbst. Die Porträts an den Wänden schienen uns mit den Augen zu verfolgen und ich war mir sicher, dass hinter einigen Porträts Kameras installiert waren, die jeden unserer Schritte aufzeichneten.

»Nach Ihnen.« Ich nickte der Blondine zu, als sie eine Tür aufstieß und den Blick auf die Büroräumlichkeiten von B. Perry freigab. Das goldene Schild an der Tür glänzte im schummrigen Licht und ich fragte mich, was Perry für eine Art Typ war. Von Henry hatte ich erfahren, dass er eine Menge krummer Dinge am Laufen hatte - der luxuriöse Club eingeschlossen. Gefälschte Pässe, Drogen, Schmuggel, so was eben, allerdings alles nur Vermutungen. Ansonsten war B. Perry für mich wie ein Phantom, das sich nicht blicken ließ und das wusste, wie man sich aus größeren Schlagzeilen heraushielt.

Die Einrichtung war auch hier eher bedrückend und ich fragte mich instinktiv, ob das gewollt war. Dunkles Holz, dunkelrote Vorhänge und wenig Licht. Nebelschwaden hingen in der Luft, allerdings stammten sie nicht von Zigaretten oder Pfeifen, sondern von Duftstäbchen, die einen schweren Rosenduft im Raum verteilten. Der Duft kitzelte in meiner Nase.

B. Perry war anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er war ein gedrungener Mann, Anfang 60, grau meliertes Haar und trug einen Anzug, der seine besten Jahre bereits hinter sich hatte. Er stand vor einem vollgepackten Bücherregal, als wir eintraten, und zog die Schultern hoch, als würde er sich vor einem Schlag ducken.

Ich hatte ihn mir eleganter und eindrucksvoller vorgestellt, wenn ich ehrlich war. Jemand der gefälschte Pässe besorgte und eine zwielichtige Bar wie das Golden Hour führte, sollte selbstbewusster, herrschaftlicher und ... größer wirken. Mr Perry war das komplette Gegenteil. Klein, schwächlich. Wenn er könnte, würde er sicher den Kopf einziehen wie eine Schildkröte, die sich in Gefahrensituationen in ihren Panzer zurückzog.

Me Because Of YouGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt