»Soll ich wieder gehen? Ich kann draußen warten. Oder unten. Wenn dir das lieber ist.« »Das ist ja das Problem! Ich will nicht, dass du gehst.«
Julia Wentworth hatte nicht vor, sich zu verlieben, als sie nach drei Jahren Studium in Oxford an New Yor...
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Ich wusste nicht, was unangenehmer war. Zusammen mit Heather, Grayson und Beth an einem Tisch zu sitzen und so zu tun, als wäre alles in Ordnung oder der Fakt, dass mein Herz in einer schmerzhaft verkrampften Position gegen meine Rippen schlug, seit es Grayson erblickt hatte und ich rein gar nichts dagegen tun konnte.
Verdammt nochmal, es konnte doch wirklich nicht so schwer sein, für zehn Minuten nicht in seine Richtung zu schauen, oder? Er war doch nicht die Sonne, um die sich all meine Gedanken drehten! Wo war meine Würde geblieben? Allem Anschein nach hatte ich sie zuhause vergessen, denn ich schaffte es nicht einmal eine halbe Minute lang ihn nicht anzuschauen und seinen Anblick in mich aufzusaugen wie ein trockener Schwamm das Wasser.
Obwohl mein Kopf sehr wohl wusste, dass er sich damit nichts Gutes tat, lenkte mein Herz meinen Blick immer wieder zu diesen bescheuerten grünen Augen, dem bescheuerten süßen Grübchen und dem bescheuert umwerfenden Lächeln. Mein Magen machte Saltos wie Artisten im Zirkus. Ich hasste es. Und ich liebte es. Ich hasste, dass ich es liebte.
Es war beschämend. Das Gefühl war mir so vertraut, dass es mir Angst machen sollte, stattdessen wurde ich merkwürdig ruhig. Ich wollte so nicht fühlen, vor allem nicht in seiner Nähe, vor allem nicht wegen ihm. Auch wenn es sich verdammt gut anfühlte. Es war falsch, durch und durch.
Alle Bemühungen meinerseits, das Offensichtliche zu ignorieren, endeten anscheinend darin, dass mir die Wahrheit umso vehementer um die Ohren geschlagen wurde.
Ich hatte mich – geringfügig! – in Grayson verliebt und meine unbedeutende Schwärmerei würde nur dann vergehen, wenn ich einen Schlussstrich zog. Eine Schlussstrich, der jeglichen weiteren Kontakt zu William Grayson Cavendish unterband. So einfach war das. Punkt.
Ha ha, am Arsch. Er war ja nur der Verlobte meiner Schwester und würde den Rest meines Lebens an ihrer Seite verbringen. Der Rest meines Lebens war mir bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren eindeutig zu lange hin.
Obwohl ich den Abend bis dahin sehr genossen hatte, wünschte ich mir jetzt, dass ich Beths Vorschlag nie zugestimmt hätte.
Das stetige Summen der Gespräche um uns herum, war in den Hintergrund gerückt. Unruhig bewegte ich mich auf meinem Platz hin und her, in der Hoffnung, eine bequeme Position zu finden. Es misslang mir kläglich.
Heather sah mich schon die ganze Zeit so komisch von der Seite an und ich wurde das unbehagliche Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Ahnte sie etwas? Wobei, stopp! Es gab nichts, das mir unangenehm sein sollte. Wir hatten absolut nichts falsch gemacht. Wir waren ... Ja, was waren Grayson und ich überhaupt?
Als flüchtige Bekannte konnten wir uns nicht bezeichnen, aber Freunde waren wir auch nicht wirklich. Und würden es auch nie sein. Den Stich Bedauern, den ich bei diesem Gedanken verspürte, ignorierte ich. Dabei war das doch genau der Plan. Mein Masterplan gegen ein offensichtlich gebrochenes Herz. Schlussstrich. Kein Kontakt. Nicht weiter darüber nachdenken.