»Soll ich wieder gehen? Ich kann draußen warten. Oder unten. Wenn dir das lieber ist.« »Das ist ja das Problem! Ich will nicht, dass du gehst.«
Julia Wentworth hatte nicht vor, sich zu verlieben, als sie nach drei Jahren Studium in Oxford an New Yor...
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Ich hatte nicht geglaubt, dass ich mich von der bloßen Dekoration in einem Raum erschlagen fühlen konnte - doch genauso erging es mir, als ich neben Julia in den Saal trat, in dem wir vor kurzem den Maskenball veranstaltet hatten und der jetzt für eine Hochzeit vorbereitet wurde.
»Ach du Scheiße!«, spie Julia hervor und sprach mir damit aus der Seele.
»Da seid ihr ja endlich!« Beth stürmte mit der Energie einer Löwin auf uns zu, die ihre Jungen vor allem Übel bewahrte. Sie schloss Julia in eine feste Umarmung und schlang ihre Arme dann auch um mich. Unbeholfen klopfte ich ihr auf den Rücken.
»Uns geht's gut«, sagte ich und meine Augen suchten nach Julias, die ihren Kopf jedoch weggedreht hatte. Sie biss sich auf die Unterlippe und in mir verkrampfte sich etwas. Ein schlechtes Gewissen? Bedauern? Beides?
Beth schlug mir spielerisch gegen den Oberarm. »Das sollte es besser auch! Ich bin hier tausend Tode gestorben und hätte euch beinahe das halbe NYPD auf den Hals gehetzt!«
Ich grinste schwach, weil es genau das war, was Julia mir auf dem Weg in die Bronx heraufbeschworen hatte.
»Gut, dass du es nicht getan hast. Wir hätten sonst ein paar Schwierigkeiten gehabt.«
»Die habt ihr doch sowieso schon. Konntet ihr denn etwas rausfinden?« Beths Augen sprangen von mir zu ihrer Schwester und wieder zurück. Sie nickte grimmig. »Ihr habt etwas herausgefunden.« Keine Frage dieses Mal, eine Feststellung.
»Und wir werden dir alles berichten. Nur nicht jetzt und nicht hier«, sagte Julia und sah sich verstohlen um. Sie hatte recht. Bis auf ein paar Angestellte, die die Tische deckten und Blumenarrangements von einem Ort zum anderen trugen, waren wir allein, aber wir konnten schließlich nicht wissen, wer von ihnen vielleicht zuhörte. Keine Ahnung, wann ich so paranoid geworden war, aber es schien mir in diesem Fall die bessere Variante zu sein, als unbeschwert zu riskieren, dass wieder etwas passierte – etwas, was womöglich schlimmer war als unsere vergangenen Begegnungen mit Warren Stevens.
Als keiner von uns Einwände erhob, widmete Julia sich stattdessen dem Saal. »Was ist hier überhaupt passiert? Gab es einen Rosensonderschlussverkauf? Wer hat sich denn das ausgedacht?«
Mit »das« waren die etwa 50 Blumengestecke gemeint, die mit Rosen in den unterschiedlichsten Farben auf den runden Tischen verteilt waren. Rote, blaue, gelbe, weiße Rosen waren in einer unvorteilhaften Mischung scheinbar wahllos zusammengesteckt worden und der schwere Duft juckte mir in der Nase. Der Anblick schmerzte meine Netzhaut. Beth rümpfte ebenfalls die Nase.
»Das entspricht auch nicht meinem Geschmack, ehrlich. Aber Mrs Smith meinte, die Aufteilung wäre bei unserer Hochzeit ähnlich.«
Da war sie wieder. Die knallharte Realität, die sich mit einem Wort zu einer Faust ballte, ausholte und in meinem Magen vergrub. Hochzeit. Das Wort davor war wie ein erneuter Zuschlag. Unsere. Unsere Hochzeit. Mein Mund wurde trocken und machte damit der Sahara deutlich Konkurrenz. Beth erwartete nicht, dass ich etwas sagte, abgesehen davon, dass ich sowieso nicht in der Lage war zu antworten, weil sich alles in mir vehement dagegen wehrte.