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Lucas lief durch die Straßen. Links und rechts flankierte ihn je ein bewaffneter Mann. Beide trugen einfache, nicht mehr gerade saubere Kleidung, die sie ungepflegt und rau wirken ließen.

Von links wehte ihm ein unangenehmer Geruch nach Schnaps entgegen. Lucas verzog leicht das Gesicht. Aber es wunderte ihn nicht. In dieser Lage hätte wohl jeder zur Flasche gegriffen.

"Du weißt aber schon, wo du hin musst, oder?", kam es von rechts. Die Stimme des Bewaffneten triefte nur so vor Misstrauen und Skepsis.

Lucas' Schultern spannten sich an. Er presste die Zähne fest aufeinander, schluckte die Antwort hinunter, die ihm auf den Lippen lag. Auch wenn ihm sehr nach einem bissigen Kommentar war, es waren zwei Waffen auf ihn gerichtet. Streit war gerade keine gute Idee.

Natürlich wusste er es. Schließlich hatte er eine ganze Nacht lang darüber gebrütet, wo die besten Punkte für diese verdammte Barriere waren. Doch wie sollten sie Menschen das auch wissen.

"Halt die Klappe, Mike", entgegnete der Mann links von ihm. Seine Stimme war rau, die Zunge schwer von billigem Schnaps.
"Wenn er uns verarscht, erschießen wir ihn."

Lucas deutete an der nächsten Ecke nach links und bog dann ab. Sie hatten den nächsten Punkt fast erreicht. Zum Glück. Das nervöse Zucken der Waffen bereitete ihn zunehmend Unbehagen, stellte ihm die Nackenhaare auf.

Dazu kam noch Luciens Energie, die durch seinen Körper kroch. Heiß, brennend, wie Lava. Sie fühlte sich falsch an. Wie ein Fremdkörper, ein Störfaktor.

Er hatte nicht darum gebeten, wollte seine Hilfe nicht. Schon allein weil es wieder ein Mittel für Lucien war, um vor Sam zu glänzen. Der Held zu sein.

Lucien war unberechenbar und er tat bestimmt nichts aus reiner Nächstenliebe.

An den Überresten einer Mauer, die wohl mal einen Innenhof abgegrenzt hatte, blieb Lucas stehen.
"Hier", sagte er knapp und zog die Kreide aus seiner Jackentasche.

Sofort spürte er den Lauf der Waffe in seinem Rücken. Er bohrte sich schmerzhaft zwischen die Schulterblätter des Hexers.

"Schön langsam", drang Mikes Stimme an sein Ohr.

Lucas hielt den Atem an. Er begann zu zeichnen. Linie für Linie ganz langsam, fast in Zeitlupe. Seine Hände waren schwitzig und zitterten leicht.

Schließlich zog er den letzten Strich und legte die Hand auf die Rune. Energie schoss durch ihn und brannte schmerzhaft in seiner Hand. Die Rune leuchtete auf. Eine Spur zu hell. Zu stark. Luciens Energie...

Verdammt.

Er zog die Hand weg. Die Rune leuchtete grünlich, doch anders als die anderen war sie von orangenen Linien durchzogen.

Lucas knirschte mit den Zähnen.

"War das alles?", lallte der Angetrunkene und betrachtete die Rune skeptisch.

"Eine fehlt noch", antwortete Lucas trocken.

Der Mann starrte weiter auf die Rune, hob die Hand, um sie zu berühren.

"Spinnst du, Rick", rief Mike ohne die Waffe von seinem Rücken zu nehmen.
"Du weißt nicht, was das Ding macht."

Der Mann senkte die Hand wieder, wich zurück.

"Also wirklich. Hast du dir dein Hirn weggesoffen oder was?"

Rick funkelte ihn finster an, schwieg aber.

"Wie geht es jetzt weiter?", fragte Mike an Lucas gerichtet.

Der Hexer atmete scharf ein.
"Noch eine, zwei Straßen weiter", antwortete er.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 31 ⏰

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Nephilim - Verfluchte HerkunftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt