Er legt seinen Kopf in den Nacken und lacht: „Ja. Deine Zimmergenossinnen haben mich gebeten mit dir zu reden, da du ihnen wohl nichts erzählen willst. Also was ist los?"
Tolle Zimmergenossinnen. Aber ehrlich gesagt, bin ich froh, dass er hier bei mir ist. Ich fühle mich nicht mehr ganz so alleine gelassen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich ihm nicht egal bin.
„Matthew, er hat mich angeguckt und ist weiter gegangen, als wäre nichts gewesen. Als wollte er nichts mir von mir wissen", beginne ich zu erzählen. Sofort steigen mir die Tränen in die Augen. Ich will nicht schon wieder weinen, weswegen ich mir die Hände vor die Augen halte und sie zu drücke. Beschützerisch legt er seinen Arm um meinen Rücken und zieht mich näher zu sich heran: „Es ist nicht so einfach. Ich bin für dich da, okay? Immer wenn du reden willst, kannst du zu mir kommen." Bei seinen Worten muss ich leicht lächeln. Er gibt mir einfach so eine große Fürsorglichkeit, die ich selten von jemanden gespürt habe.
Ich lehne mich an ihn: „Warum tut er das? Weißt du, wie das weh getan hat?" Sein Zitronen-Duft schleicht sich in meine Nase. Ich atme ihn tief ein und genieße seine Nähe.
Seine Hand streichelt über meinen Rücken: „Tsch... Es wird alles gut. Er war sicher selbst aufgeregt und Menschen, die im Krieg waren, sind häufig anders, wenn sie zurückkommen."
An der Aussage könnte etwas dran sein. Er wird schlimmes erlebt haben, aber trotzdem erklärt das nicht, dass er mich nicht sehen will. Mein Körper bebt von den Schluchzern, die ich nicht zurückhalten kann. Grundsätzlich heule ich mich nicht bei jemanden aus, den ich erst kurze Zeit kenne, doch bei Matthew ist es etwas anderes. Man hat nicht das Gefühl, dass er einem nur zuhört, damit er es später gegen einen verwenden kann. Er tut es, weil er mir helfen möchte und diese Bedingung erfüllt er alleine mit seiner Anwesenheit. Ich kann nicht beschreiben, was er bei mir auslöst. Es könnte eine tröstende Ausstrahlung sein. Es mag sich komisch anhören, doch wer ihn kennt, weiß was ich meine. Er ist besonders.
Ich richte mich langsam auf und sehe ihm in seine wunderschönen Augen, die nur so funkeln. Ich mag dieses Funkeln. Nicht viele Jungs besitzen es. Nur zu gut kann ich mir vorstellen, dass sie ihn darum beneiden. Gerade Mädchen mögen dieses Glitzern. Zumindest kenne ich keins, die es nicht nur ein stückweit süß findet.
Ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen, das auf mich übergeht.
„Danke, dass du hier bist."
Seine Hand legt sich sicher auf meine.
„Du musst dich nicht dafür bedanken. Es ist selbstverständlich."
Warum ist das selbstverständlich? Ich finde es ist alles andere als das. Wie aus dem Nichts komme ich in dieses Camp und er kümmert sich um mich, als würde es nichts geben, das wichtiger wäre. Dafür mag ich ihn. In der Schule wäre es jedem egal, wie ich mich fühle. Sie sehen es ja nichtmal. Machmal bezweifele ich, dass sie mich überhaupt als Person sehen. Andererseits bin ich froh darüber. Auf deren gefälschte Freundschaften habe ich auch relativ wenig Lust.
„Geht es dir besser?", fragt er mit so viel Gefühl in der Stimme, dass es mir Gänsehaut bereitet.
Ich nicke: „Ja."
„Sehr gut." Er nimmt meine Hand in seine und steht auf: „Na komm. Ich wette, dass ich schneller bin, als du."
Ich stehe gezwungenermaßen auf, was daran liegen könnte, dass er schon losgerannt ist, meine Hand jedoch nicht loslässt. Ich gebe mir Mühe, dass ich hinterherkomme. Er ist echt schnell und ich will mithalten. Ab und zu wirft er einen Blick zu mir, um zu sehen, wie ich mitkomme.
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Inexcusable
RomantiekCharlie Bennett, ein Mädchen, das hautnah erfahren muss, wie es sich anfühlt sein ganzes Leben lang mit einer Lüge aufzuwachsen, muss in ein Camp, um dort die Wahrheit über ihre gesamte Geschichte zu erfahren. >> Es war wie ein Schlag direkt ins Ges...
