31 | Truth Part III

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The truth is out.

harry

Ich mochte behaupten, der glücklichste Mensch in diesen Minuten gewesen zu sein. Denn ich hatte zuvor wirklich Panik gehabt, dass Valerie meine Frage verneinen würde.

Wenn ich mit ihr den Rest meines Leben verbringen wollte musste ich ihr blind vertrauen. Auch wenn es mir noch immer schwer fiel. Valerie sollte jedes Kapitel meiner Geschichte kennen. Ich wollte, dass ihr bewusst war, wen sie da heiraten würde.

Für manche mochte es kein richtiger Liebesbeweis sein aber ich wusste, wie viel es Valerie bedeutete. Und das war es, was mich dazu verleitete ihr alles erzählen zu wollen.

„Meine Mutter hat viel Alkohol und Drogen konsumiert. Sie war mir gegenüber gewalttätig. Ich habe immer versucht Brian und Becky möglichst von ihr fernzuhalten. Ich wollte nicht, dass sie dieses ganze Drama in Erinnerung behielten. An einem Tag vor drei Jahren war es dann komplett eskaliert. Ich hatte mit Becky in der Küche gesessen und mit ihr die Hausaufgaben gemacht. Brian hatte ich angeschnauzt, weil seine Versetzung gefährdet war."

„Mir war es wichtig, dass die Beiden einen guten Schulabschluss haben würden, damit sie nicht das Leben führen mussten, wie ich es gelebt hatte. Deshalb war ich auch so wütend auf ihn, weil er das nicht verstehen wollte. Dann kam meine Mutter, alkoholisiert und unter Drogeneinfluss, zurück in die Wohnung. Samt zwei Freunden. Einen davon kannte ich. Aaron. Er war zu dem Zeitpunkt schon öfters da gewesen aber war nicht so übel wie meine Mutter."

„Der andere Mann hingegen war das männliche Gegenstück meiner Mutter. Ich hatte ihr gesagt, dass sie nicht wieder eine Saufparty veranstalten und in der Wohnung rauchen sollte. Mein Widerstand gegen ihre Aufforderung die Wohnung zu verlassen hatte sie wütend gemacht. So wütend, dass sie ein Küchenmesser in den Holztisch vor mir gerammt hatte", erzählte ich und musste schwer schlucken.

„Im Raum herrschte komplette Stille als meine Mutter das Messer wieder herausnahm. Aaron hatte sich getraut etwas zu sagen. Ich kannte meine Mutter zu gut, um zu wissen was sie vorhatte als sie mit dem Messer auf Aaron zugelaufen war. Ich habe selbst so eine böse Seite in mir, die manchmal unfreiwillig die Kontrolle übernimmt. Dann komme ich mir selbst vor wie ein Monster. Und in diesem Moment war meine böse Seite, dieses innere Monster, zum Vorschein getreten. Es hatte mich gestürzt und fest im Griff gehabt."

„Ich hatte sie von hinten angeriffen, wodurch sie auf den Boden geprallt war. Sie hatte Aaoron nicht getroffen. Doch dann hat sie zurückgeschlagen als ich wieder auf meinen Beinen stand. Ich war durch den Schlag wenige Schritte zurück getorkelt. Und in diesen Sekunden geschah es. Sie hat ihn erstochen. Nicht ein- oder zweimal."

„Sechs Mal hat sie auf ihn eingestochen. Ich hatte all meinen Mut zusammengekratzt und hatte sie von ihm weggeschubst, sodass sie mit dem Kopf gegen das Tischbein gestoßen war. Ich war so auf Aaron fokussiert, dass ich ihren Hinterhalt nicht bemerkt hatte. Danach war für ein paar Minuten alles schwarz. Ich wurde jedoch wach als ich mehrere Stimmen und Sirenen hörte. Als ich mich mühsam aufgerafft hatte sah ich nur noch Aaron, der blutüberströmt und tot auf dem Boden lag."

„Meine Mutter und der fremde Kerl hatten sich verpisst. Erst als die bewaffneten Polizisten vor mir standen bemerkte ich das Messer in meiner Hand mit dem Aaron abgestochen wurde. Sein Blut klebte nicht nur mehr an dem Messer sondern auch an meiner Hand. Ich hatte sie unter Tränen angeschrien, dass ich ihn nicht ermordet hatte. Doch sie hatten mir nicht geglaubt."

„Bis ein Polizist in Zivil dazustieß und den maskierten Polizisten, der mir die Handschellen angelegt hatte, weggeschickt hatte. Er hat gesagt, dass er mir glaubt. Er hat mich um sein Vertrauen gebeten, das ich ihm aber nicht geschenkt hatte. Als ich abgeführt wurde standen Brian und Becky weinend im Flur. Ich durfte nicht mit ihnen reden oder mich gar verabschieden.

Der Polizist in Zivil hatte mir versprochen auf meine Geschwister aufzupassen. Er hat keine leeren Versprechungen gemacht. Denn er hat sich um meine Geschwister gekümmert. Er hat sich für mich eingesetzt als ich bei Gericht für Mord verurteilt werden sollte. Letzlich sprachen die Fakten gegen mich. Ich hatte keinen Zeugen oder der Gleichen. Ich musste ins Gefängnis für einen Mord, den ich nicht begangen hatte. Doch dieser Polizist- Er hat seine Worte eingehalten. Keine Ahnung wie er es geschafft hat aber ich durfte dank ihm bereits nach drei Jahren heraus aus dieser Hölle."

„Mein Aufenthalt dort war der blanke Horror gewesen. Alle wussten was ich angeblich getan hatte und haben mich auch so behandelt. Ich war oft in Prügeleien und der Gleichen verwickelt. Der Polizist hat mich öfters besucht und mich auf den neusten Stand gebracht. Er hat mir Bilder von Becky gegeben, die sie für mich gemalt hatte."

„Trotz das er das alles für mich getan hatte- Ich war ihm gegenüber nie dankbar. Stattdessen hatte ich ihn angelogen und gehasst. Erst als ich wieder draußen war habe ich realisiert wie dankbar ich ihm sein sollte. Er hat sein Job für mich riskiert. Er war der Einzige, der mir geglaubt hat. Der mich nicht für verrückt erklärt hat. Und dieser Polizist ist Ben. Dadurch kennen wir uns. Nur deswegen ist er ein Teil meines Lebens geworden."

„Heute würde ich sagen, dass es mein größtes Glück ist Ben zu haben. Ohne ihn würde ich noch immer im Knast sitzen", kam ich zum Ende meiner Geschichte und jedes dieser Wort war nur schwer über meine Lippen gekommen. Zu grausam waren die Erinnerungen daran.

Valerie war sprachlos, was erstmal zu einer bedrückten Stille führte. Doch zu meinem Erstaunen wirkte sie nicht beängstigt darüber. Sie schien irgendwie erleichtert.

„Das ist schrecklich und ich kann mir vorstellen, dass es für dich eine enorme Überwindung war mir das zu erzählen. Trotzdem bin ich auch froh darüber, weil ich jetzt weiß, dass du es wirklich ernst meinst", sprach Valerie schließlich, was mir ein Lächeln entlockte. „Verrätst du mir auch was mit deinem leiblichen Vater passiert ist?", fragte ich Valerie zögernd, woraufhin sie einen Moment schwieg.

„Wir waren zusammen im Urlaub in Portugal. Wenige Wochen zuvor war meine Oma gestorben. Von ihr hatte ich ein Paar Ohrringe, die mir eben viel bedeutet hatten. Auf einer Wanderung war einer dieser Ohrringe verloren gegangen. Mein Vater wollte zurück zu der Hütte bei der wir Rast gemacht hatten, um nach meinem Ohrring zu suchen. Wir wollten ihn davon abhalten aber er ist trotzdem gegangen. Und nie wieder zurückgekehrt."

„Er ist einfach verschwunden?", resümierte ich leicht geschockt. „Ja. Seit zwei Jahren gilt er offiziell als tot. Dennoch habe ich das Gefühl, dass er immer noch lebt. Das klingt verrückt, oder?", meinte Valerie, wobei sich erneut Tränen in ihren schönen braunen Augen bildeten. „Nein, das klingt nicht verrückt", widersprach ich ihr und wischte mit dem Daumen ihre Tränen weg, „Das würde jedes Kind sagen, das seinen Vater liebt und vermisst."

„Mein Vater hat immer gesagt, dass ich sicher mal eine tolle Mutter werde, wenn ich so bleibe wie ich bin", lachte Valerie leicht auf und spielte mit meiner silbernen Kreuzkette, die ich um den Hals trug, „Aber jetzt habe ich Zweifel daran." „Wieso?" „Weil ich mir nicht vorstellen kann ein Kind zu lieben als ob es mein eigenes wäre", schluckte Valerie schwer und meidete den Augenkontakt zu mir.

„Oh, glaube mir das ist möglich. Sieh dir nur mal Brian und Becky an, die in Ben und Anne ihre neuen Eltern gefunden haben. Klar, gibt es irgendwo einen Unterschied aber auch nur wenn du es zulässt", erwiderte ich ihr mit einem aufmunternden Lächeln.

„Was?", kommentierte ich Valerie's Lachen. „Naja, ich kann mich dich irgendwie nicht mit einem kleinen Kind vorstellen", gestand Valerie mir prustend aber schenkte mir sogleich einen entschuldigenden Blick.

„Sei nicht so frech", fing ich an sie zu kitzeln, weshalb Valerie lachen musste. Gerade hatte ich das Gefühl, dass alles gut werden würde.

Eure Meinung zum Kapitel?🍃

Was sagt ihr zu Harry's Vergangenheit?

Und werden Valerie und Harry sich ihren Wunsch von einer Familie erfüllen können?

- sari🌸

In My Blood | h.sGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt