London A-Z

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Müde trank ich meinen vierten Becher Kaffee an diesem Tag, während ich mich durch die Gänge des Museums schleppte. Nachdem John, Sherlock und ich die ganze Nacht über Bücher sortiert und durchgeschaut hatten, war ich am Morgen extra früh ins Museum gefahren, um Andy abzufangen. Ich hatte vorgehabt ihm von Soo Lin zu erzählen, musste dann aber von Mrs. Aquash erfahren, dass die Polizei schneller gewesen war. Man hatte die Direktorin noch in der Nacht über die Tote unterrichtet und sie hatte Andy informiert und ihm für den Tag frei gegeben.

Ich hatte mich daher an die Arbeit gemacht und Mary, der aktuellen Kunsthistorikerin, geholfen eine Ausstellung vorzubereiten. Zumindest hatte ich es versucht, allerdings war ich zwei Mal fast im Stehen eingeschlafen und hätte dabei beinahe eine antike Vase fallen gelassen.

So war es keine wirkliche Überraschung für mich als Mrs. Aquash mich auf den Weg nach Hause abfing und in ihr Büro rief.

„Miss Watson, ich war ein wenig überrascht, als Mary mir von Ihrer Arbeit heute berichtete", fing sie auch sofort an, kaum war die Tür hinter mir zu gefallen. „Nachdem Marge so begeistert von Ihnen war, hatte ich damit gerechnet, dass Sie in Ihrem Fachbereich glänzen würden. Tatsächlich musste ich jedoch erfahren, dass dem nicht so war."

„Mrs. Aquash", unterbrach ich sie höflich, aber bestimmt. „Ich entschuldige mich natürlich für meine schlechte Arbeit heute. Das ist tatsächlich nicht meine Art und alles was ich zu meiner Entschuldigung vortragen kann ist, dass ich letzte Nacht wachgehalten wurde."

„Ich weiß, dass Sie noch nicht lange in London sind, Miss Watson. Hinzu kommt, dass Sie jung sind, aber ich würde es doch lieber sehen, wenn sie solche Aktivitäten aufs Wochenende beschränken würden."

Überrascht klappte mir der Mund auf. Dachte Mrs. Aquash ernsthaft ich wäre feiern gewesen und würde das nun als Entschuldigung vorbringen? Ich war kurz davor ihr an den Kopf zu werfen, dass ich wach gewesen war, weil wir Soo Lin Yao zu spät gefunden hatten und das hätte verhindert werden können, wenn die Museumsdirektorin Andy ernst genommen hätte, doch ich ließ es bleiben. Auch wenn die Holmes-Brüder recht hatten und ich diesen Job nicht mehr wollte, noch fehlte mir eine Alternative und so lange wollte ich mich gut mit der Direktorin stellen.

„Ich verspreche Ihnen, es wird nicht wieder vorkommen."

„Gut. Normalerweise würde ich Sie bitten heute länger zu bleiben, weil Sie während der Arbeit geschlafen haben, aber ich sehe schon, dass heute nichts mehr mit Ihnen anzufangen ist. Sie kommen morgen dafür eine Stunde früher."

„Ja, Mrs. Aquash", stieß ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und verließ das Büro.

Langsam fragte ich mich, wie diese Frau Direktorin geworden war. Durch Sympathie und Verständnis sicher nicht.

Hoffentlich kam ich tatsächlich über Scotland Yard an einen anderen Job.

~~~

Als ich zuhause ankam, fand ich Sherlock noch immer über den Büchern brütend vor.

„Haben Sie zwischendrin mal eine Pause gemacht?", fragte ich überrascht und bahnte mir einen Weg zwischen den Kisten hindurch.

„Was? Natürlich nicht", kam sofort die Antwort und der Consulting Detective sah mich überrascht an. „Ich verstehe auch nicht, wie John und Sie eine Pause machen konnten, bei so viel Arbeit."

„Sherlock, John und ich haben keine Pause gemacht! Wir haben Jobs, bei denen wir anwesend sein müssen!", erwiderte ich ein wenig wütend. „Und ganz nebenbei bin ich dabei fast eingeschlafen. Nochmal so eine Aktion und meine Probearbeit ist vorzeitig beendet!"

„Und?", fragte Sherlock gelangweilt und zog erneut Bücher aus den Kisten hervor. „Sie wollen den Job doch sowieso nicht."

„Das ist nicht der Punkt", setzte ich an, wurde jedoch vom Klingeln meines Handys unterbrochen.

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