„Ich komme am 10. September direkt nach der Arbeit, wenn es dir passt?", fragte ich und tippte das Datum in meinen Laptop ein.
„Das passt schon", erschallte die Antwort aus dem Lautsprecher meines Handys, welches neben mir auf dem Bett lag. „Allerdings fliege ich sonntags nach Italien für einen Vortrag an unserer Partneruni in Teramo und das sehr früh."
„Kein Problem, dann fahren wir zusammen zum Flughafen", erwiderte ich und klickte mich durch den Ticketkauf für den Flug.
„Alles klar. Jetzt aber mal was viel Wichtigeres. Weißt du schon was du heute Abend anziehst?"
Schmunzelnd sah ich auf mein Handy und schüttelte innerlich über Karen den Kopf.
„Das ist also wichtiger als mein Besuch in drei Wochen?", fragte ich amüsiert.
„Klar. Immerhin gehst du mit einem Mann ins Theater."
„Karen", stöhnte ich. „Will ist ein Arbeitskollege und wir machen das nur, weil meine Probezeit rum ist. Außerdem kommt Caroline mit ihrem Mann ebenfalls."
„Du kennst doch sicher den Begriff Doppel-Date, oder?"
„Ich wusste, dass ich dir nicht von Will hätte erzählen dürfen", lachte ich. „Du hattest schon immer den Drang mich zu verkuppeln."
„Kann sein", gab Karen zu. „Aber auch nur, weil in deiner Umgebung immer die süßesten Typen auftauchen."
Verwirrt hielt ich inne und dachte über diese Aussage nach. „Magst du mir vielleicht mal auf die Sprünge helfen?"
„Naja... Will, Sherlock..."
„Sherlock würde ich jetzt nicht gerade in die Kategorie Süß einordnen", erwiderte ich langsam.
„Stimmt. Er ist eher heiß", kicherte Karen und ich verdrehte die Augen.
Ich hätte ihr auch niemals von Johns Blog erzählen dürfen. Seit mein Bruder ein Foto von Sherlock dort hochgeladen hatte, war Karen quasi besessen von meinem Mitbewohner und fragte mich jedes Mal über ihn aus. Dass er der ganzen Welt mit seiner Art auf die Nerven ging, ignorierte sie geflissentlich.
„Wie läuft es eigentlich zwischen euch beiden?", stellte sie schließlich die Frage, auf die ich schon seit dem Anfang des Gesprächs wartete.
„Keine Ahnung", sagte ich nachdenklich.
Die Sache mit Moriarty war nun fast fünf Monate her und ich hatte mich noch am selben Abend bei Sherlock für meine harten Worte vom Vortag entschuldigt. Der Detektiv hatte das alles jedoch nur mit einem Nicken hingenommen und war in seinem Zimmer verschwunden. Ich hatte gehofft, dass damit wieder alles gut war zwischen uns, doch wenn überhaupt möglich, war Sherlock noch distanzierter zu mir geworden. Wir lebten zwar nach wie vor zusammen in der Baker Street, doch redete er nur noch das nötigste mit mir und es kam hin und wieder vor, dass ich ihn mehrere Tage nicht zu Gesicht bekam. Auch zu den Fällen, an denen er wie immer fleißig mit meinem Bruder arbeitete, hatte er mich nicht mehr hinzugezogen und ich wusste nicht so Recht, was ich davon halten sollte. Ich hatte zwar nun einen ruhigen, geregelten Tagesablauf, aber irgendwie vermisste ich den Nervenkitzel ein wenig und vermutlich sollte mir das ernsthafte Sorgen bereiten. Die einzigen positiven Dinge der letzten Monate waren nur, dass Moriarty nicht mehr aufgetaucht war und dass ich mich mit Will und Caroline immer besser verstand. Umso mehr freute ich mich auf den heutigen Abend, an dem Will, Caroline, ihr Mann und ich gemeinsam ins Theater gingen.
„Er redet also immer noch nicht mit dir?", brachte Karen meine Gedanken zurück zu Sherlock.
„Nein."
