„Entschuldigen Sie bitte?", sprach ich die Polizistin am Informationsschalter in Scotland Yard an. „Mein Name ist Breanna Watson. Ich bin mit Detective Inspector Dimmock verabredet. Könnten Sie ihm sagen, dass ich da bin?"
Die Polizistin nickte und griff nach einem Telefon, während ich mich in der Eingangshalle des Yard umsah.
Heute würde ich mich mit dem stellvertretenden Leiter von Christie's treffen und ich war verdammt nervös. Ich hatte es mir nicht eingestehen wollen, aber mir war der Job doch sehr wichtig.
Trotzdem hielt ich auch an meiner Entscheidung fest für mich selbst einzustehen. Deswegen hatte ich heute auch auf meine schicke Bluse und den schwarzen Blazer verzichtet. Stattdessen trug ich eine schwarze Jeans und eine blaue Karo-Bluse. Meine kupferfarbenen Haare hatte ich geflochten und meine grünen Augen hatte ich mit ein wenig Kajal betont.
Es war ein seltsames Gefühl, ohne die schicken Business-Kleidung zu dem Gespräch zu erscheinen, aber ich fühlte mich zum ersten Mal wie ich selbst.
„Miss Watson? Dimmock ist leider beschäftigt, aber er schickt einen Kollegen", informierte mich die Polizistin am Schalter und reichte mir einen Gastausweis.
„Danke", meinte ich und befestigte den Ausweis an meiner Hosentasche, ehe ich durch die Schranke ging.
Ich brauchte nur einige Minuten zu warten bis ein grauhaariger Polizist mich ansprach: „Sie müssen Miss Watson sein. Mein Name ist Greg Lestrade. Ich bin Detective Inspector bei der Mordkommission."
„Hallo", begrüßte ich den Polizisten und schüttelte ihm die Hand. „Nett, dass Sie mich abholen."
„Ehrlich gesagt bin ich dabei nicht ganz selbstlos", erwiderte Lestrade, während wir zu den Aufzügen gingen. „Dimmock hat mir erzählt, dass Sie die Schwester von John sind und dass Sie bei ihm und Sherlock wohnen. Als ich das hörte, musste ich Sie einfach kennen lernen."
„Ach ja, John hat Sie erwähnt", erinnerte ich mich lächelnd. „Sie waren auf der Jagd nach dem Taxi-Serienkiller und haben Sherlock und meinen Bruder um Hilfe gebeten."
„Richtig", bestätigte Lestrade und wir stiegen in den Aufzug. „Jetzt erzählen Sie doch mal, wie ist es so mit Sherlock Holmes als Mitbewohner? In seinen letzten Fall hat er Sie ja schon hineingezogen."
„Äh ja", gab ich zu. „Fragen Sie mich nicht, wie das passiert ist, aber Sherlock ist als Mitbewohner eigentlich gar nicht so schlimm. Zumindest nicht, wenn er mit einem Fall auf Trapp gehalten wird. Ich befürchte allerdings, dass sich das jetzt ändern wird. John hat mich gestern schon davor gewarnt, dass wir unsere Küche vermutlich wieder zweifelhaften Experimenten zur Verfügung stellen müssen. Dabei haben wir gerade erst alle Leichenteile beseitigt."
„Bevor wir gleich durchs Yard spazieren, sollte ich Sie vermutlich vorwarnen", schmunzelte Lestrade. „Seit wir von Ihnen gehört haben läuft hier eine Wette wie lange Sherlock braucht, um Sie zu vergraulen."
„Ist das Ihr Ernst?", fragte ich perplex und sah den Detective Inspector an.
„Ja und bevor Sie fragen, ich habe auf zwei Monate gesetzt", antwortete er mir schulterzuckend. „Allerdings werde ich das wohl noch mal erhöhen, jetzt wo ich Sie kenne."
„Sehr schmeichelhaft", lachte ich und verließ hinter Lestrade den Aufzug. „Allerdings sollten Sie wissen, dass die Baker Street nur eine Übergangslösung ist, bis ich Geld habe, um mir etwas Eigenes in London leisten zu können."
„Na dann hoffe ich, dass Sie heute den Anfang dazu machen können", erwiderte der Polizist und blieb vor einer Tür stehen. „Wir haben für Sie und Mr. Route den Konferenzraum freigehalten. Er ist bestimmt schon da."
