Mit verschränkten Armen stand ich vor John und Marys Hochzeitslocation und wartete auf Lestrade.
Der Polizeiinspektor war auf Sherlocks Bitte hin losgefahren, um den Fotografen zurückzuholen und ich hatte mich dazu bereit erklärt, auf deren Ankunft zu warten, um sie direkt zu Sherlock zu bringen. Was genau er von dem Fotografen wollte, war mir allerdings noch nicht ganz klar.
Mary und John kümmerten sich derweil um ihre Gäste, die sich langsam von Sherlocks Auftritt erholt hatten und sich nun auf die bevorstehende Party vorbereiteten. Der Major war leider nicht unter ihnen. John hatte ihn zwar fachmännisch versorgt, trotzdem hatten wir ihn in ein Krankenhaus bringen müssen, da der Stich in seinen Rücken zu tief gewesen war.
Ich lehnte mich an die Wand des Gebäudes und zog meine Jacke enger um mich. Auch wenn es ein schöner Frühlingstag gewesen war, jetzt wo die Nacht hereinbrach wurde es doch etwas kalt.
Ich bemühte mich nicht an den warmen Raum hinter der Tür zu denken, neben der ich stand. Im Moment wollte ich dort sowieso nicht sein, denn Janine war dort und übte tanzen. Mit Sherlock.
Die Brautjungfer war plötzlich aufgetaucht, hatte sich an Sherlock gehängt und ihn dazu gedrängt, ihr noch einige Tanzschritte zu zeigen. Woher sie wusste, dass Sherlock tanzen konnte war mir ein Rätsel, aber ich tippte stark auf Mrs. Hudson.
Obwohl ich mich bemüht hatte, die beiden zu ignorieren warf ich nun doch einen kurzen Blick durch das kleine Fenster in der Tür und stellte zu meiner genugtun fest, dass Janine wenig graziös Sherlocks Führung hinterher stolperte. Wenigstens war sie neben ihrem guten Aussehen auch nicht noch mit einem übermäßigen tänzerischen Talent gesegnet.
Ich schüttelte über meine eigene Eifersucht den Kopf, als Lestrades Wagen vorfuhr und mich damit aus meinen Gedanken holte.
„Haben Sie ihn eingeholt?", fragte ich den Polizeiinspektor, sobald er ausgestiegen war.
„Ja, er war schon fast zuhause, aber ich konnte ihn überzeugen noch einmal her zu kommen", erklärte Lestrade und öffnete die Beifahrertür.
„Ich hoffe Sie haben für diesen ganzen Aufstand einen guten Grund", meinte der Mann und sah mich fragend an.
„Den haben wir", sagte ich und öffnete die Tür neben mir. „Zumindest hat Sherlock einen Grund."
„,Sherlock, hier ist jemand für sie'", meinte Lestrade und schob den Fotografen ins Innere. Ich folgte den Beiden und stellte fest, dass auch John in dem kleinen Raum aufgetaucht war.
„,Ah, der Fotograf'", erkannte Sherlock mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. „,Ausgezeichnet. Danke. Ähm, darf ich mal einen Blick auf Ihre Kamera werfen?'"
„,Worum geht es denn? Ich war schon halb zuhause?'", fragte der Fotograf und gab Sherlock seine Kamera.
„,Sie hätten schneller fahren sollen'", erwiderte Sherlock ruhig und fing an die Bilder auf dem kleinen Display durchzugehen. „,Ah, ja. Sehr gut. Da sehen Sie? Perfekt.'"
„,Was ist denn? Sagen Sie es uns?'", fragte Lestrade ungeduldig.
„,Hier, sehen Sie selbst'", meinte Sherlock und überreichte dem Inspektor die Kamera.
John und Janine stellten sich auf die eine Seite von Lestrade, während ich neben den Fotografen trat, um einen Blick auf die Bilder zu erhaschen. Doch im nächsten Moment zog mich Sherlock sanft, aber bestimmt von dem Fotografen weg und an seine Seite, so dass ich keine Chance hatte die Bilder zu sehen.
„,Ist der Mörder etwa auf den Fotos zu sehen?'", fragte mein Bruder schockiert.
„,Es geht nicht darum was drauf ist, sondern was nicht drauf ist'", erwiderte Sherlock. „,Und zwar auf keinem.'"
