Skeptisch betrachtete ich die Häuserreihe vor mir und versicherte mich mit einem Blick aufs Handy, dass ich auch wirklich an der richtigen Adresse war.
Sherlock hatte mir keine halbe Stunde zuvor eine Nachricht geschrieben, dass ich aus der Baker Street verschwinden und ihn hier treffen sollte.
Natürlich ohne weitere Erklärungen.
Schritte, die sich mir nährten, ließen mich herumfahren und ich musste schwer an mich halten, damit ich nicht laut loslachte.
Sherlock und mein Bruder kamen im Eilschritt auf mich zu und hielten dabei Händchen.
„Muss ich eifersüchtig sein?", schmunzelte ich und kam den beiden ein Stück entgegen.
„Sehr witzig", antwortete John mir schnippisch und zog seine Hand aus Sherlocks Umklammerung, was jedoch nicht so ganz funktionierte, da die zwei nach wie vor aneinandergekettet waren. „Schön, dass wir dich belustigen können."
Ich zuckte nur grinsend mit den Achseln und wandte mich an Sherlock. „Also, was ist das hier für eine Adresse? Wohnt hier jemand, den wir kennen?"
„Kitty Riley."
Ungläubig sah ich Sherlock an. „Ist das dein Ernst? Die Reporterin, die uns im Gericht aufgelauert hat?"
„Genau die."
„Und was genau willst du von ihr?"
„Sie bringt eine große Enthüllungsstory über mich heraus und ich wüsste gerne, woher sie ihre Informationen hat. Laut der Zeitung von einem Richard Brook."
Nachdenklich sah ich zurück zu dem Reihenhaus und seufzte. „Also klingeln wir jetzt?"
„Sie ist noch nicht zuhause", meinte Sherlock gelassen und ging zur Tür. Mein Bruder zog er dabei einfach mit sich. „Aber das sollte kein Problem sein. Kann ich eine von deinen Haarnadeln haben?"
„Du willst doch nicht in ihr Haus einbrechen?", fragte John ihn angespannt.
Ohne zu zögern, löste ich meinen Pferdeschwanz und reichte dem Detektiv die kleine Haarklammer, mit der ich das Haargummi fixiert hatte.
„Breanna!", protestierte John entsetzt.
„Du hast diese Kitty Riley noch nicht getroffen", antwortete ich meinem Bruder und zuckte mit den Schultern.
Sherlock hatte in der Zwischenzeit die Tür aufgesperrt und zog nun John einfach über die Schwelle. Ich folgte den zwei grinsend und schloss die Tür wieder hinter mir.
„Und jetzt?", fragte ich, als wir durch einen schmalen Flur ins Wohnzimmer traten.
„Wir warten", erwiderte Sherlock gelassen und setzte sich aufs Sofa. Da mein Bruder nach wie vor an ihn gekettet war musste er sich notgedrungen ebenfalls setzen, zog dabei jedoch eine Miene, die zum Ausdruck brachte, wie sehr das alles gegen seine Moral ging.
„Könnten wir bitte diese verdammten Handschellen loswerden?", fragte er auch direkt.
„Wenn Sherlock mir die Haarnadel gibt, kann ich versuchen euch zu befreien", meinte ich und hielt dem Detektiv meine Hand hin.
„Woher weißt du denn wie man ein Schloss knackt?", fragte John irritiert.
„Ich habe es ihr beigebracht", antwortete Sherlock und ließ das Metallstück auf meine Handfläche fallen.
„Warum bringst du meiner Schwester so etwas bei?"
„Ich dachte sie könnte es mal brauchen."
„Wenn du dich jetzt beschweren willst, John", warf ich grinsend ein. „Dann lass ich dich eben an Sherlock gekettet."
Abwartend sah ich meinen Bruder an, der einen Moment noch mit sich zu ringen schien. Dann hielt er mir jedoch mit einem ergebenen Seufzen sein Handgelenk mit der Handschelle hin. Grinsend beugte ich mich über das Schloss und keine zwei Minuten später schnappte es auf.
