Chemischer Defekt

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Nervös lief ich in dem großen Raum auf und ab, während draußen die Sonne unterging und somit das letzte Licht des Tages verschwand. Irgendwann blieb mir nur noch das Kaminfeuer, welches ein Bediensteter angezündet hatte.

Mycroft hatte mich auf seinem Weg nach draußen hier abgesetzt und mich gebeten zu warten. Worauf, wusste ich nicht so genau, nur dass es mit Irene Adler und Sherlock zusammenhing.

Sherlocks Bruder war bereits seit einer Stunde weg und seit gut zwanzig Minuten tigerte ich durch den Raum und versuchte mich von meinen Gedanken abzulenken.

Schließlich hielt ich neben einem kleinen Tisch mit verschiedenen alkoholischen Getränken und schenkte mir ein Glas Whiskey ein. Ich war niemand, der aus Stress trank, doch in diesem Moment konnte ich nicht anders.

Es dauerte noch eine weitere halbe Stunde, bevor sich Schritte der Tür nährten. Ich hatte mich inzwischen in einen der Sessel vor dem Kamin gekauert und starrte in die Flammen.

Als die Tür jedoch aufging, sprang ich auf und drehte mich um.

Mycroft betrat den Raum und hielt dann die Tür für Sherlock und die Frau offen.

„Was machen Sie hier?", fragte Sherlock, kaum dass er mich vor dem Kamin entdeckt hatte.

„Sie ist deinetwegen hier", erwiderte Mycroft gelassen und sah ebenfalls zu mir. „Wie ich sehe, haben Sie es sich gemütlich gemacht."

Peinlich berührt sah ich zu dem Whiskeyglas in meiner Hand und stellte es schnell auf einem der Beistelltische ab.

„Sie haben mich ja auch ganz schön lange warten lassen", sagte ich und setzte mich wieder.

„Können wir jetzt zum Geschäftlichen kommen?", warf die Frau ein und schritt zu dem langen Konferenztisch am Ende des Raumes.

Irritiert sah ich sie an, denn ihr Verhalten hatte sich komplett verändert. Jegliches Spiel war aus ihrer Mimik und aus ihrer Stimme verschwunden. Sie sprach mit kühler Berechnung und das gefiel mir noch weniger als ihr übliches Flirten.

Mycroft folgte ihr langsam und man sah ihm an, dass er sich auf das kommende Gespräch nicht gerade freute. Sherlock stand noch eine Weile im Raum, bevor er sich ebenfalls in einen Sessel vor dem Kamin fallen ließ.

Misstrauisch sah ich zu meinem Mitbewohner und versuchte zu erahnen, was in ihm vorging. Er wirkte resigniert und irgendwie geschlagen.

„Was ist los?", fragte ich ihn leise, doch Sherlock schüttelte nur mit dem Kopf und starrte in die Flammen des Kaminfeuers.

Im Hintergrund fingen Mycroft und Irene Adler an zu verhandeln. Offenbar ging es um ihr Handy, welches sie gut gesichert hatte, so dass man nicht gefahrlos an die Daten herankam und bisher hatte nicht einmal Sherlock den Code herausgefunden.

„,Ich sage das jetzt nur äußerst ungern, aber wir haben Mittel und Wege die Informationen aus ihnen heraus zu bekommen'", erklärte Mycroft schließlich und entsetzt sah ich in seine Richtung. Drohte er gerade mit Folter?

Irene Adler schien jedoch wenig beeindruckt, als sie in unsere Richtung schaute und nur nach Sherlock rief.

„,Selbst wenn sie dir einen Code sagt, wüsstest du nie, ob es der Richtige ist. Es gibt sicher noch einen, der die Sprengladung im Handy auslöst und damit wäre ein zweiter Versuch überflüssig'", erklärte der Consulting Detective mit abwesender Stimme.

„,Ist er nicht klug?'", lächelte Irene und sah kurz zu mir. „,Ich sollte ihn an der Leine führen.'"

Schnell sah ich wieder zum Kamin. Das war die Irene Adler, die ich kennen gelernt hatte. Die provozierte und manipulierte indem sie mit den Gefühlen anderer spielte.

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