Die Traumhochzeit

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Die Trauung von Mary und John war eine absolute Traumhochzeit, bei der kein Auge trocken blieb. Sogar Harry, die neben mir saß, kramte irgendwann ein Taschentuch hervor. Auch ich spürte das Wasser in meine Augen steigen, vor allem als mein Bruder und Mary ihre Eheversprechen austauschten.

Trotzdem musste ich auch hin und wieder die Luft anhalten, um nicht laut zu lachen. Der Grund dafür war Sherlock.

Als Johns Trauzeuge stand er die ganze Zeit hinter meinem Bruder und ich konnte ihn wunderbar beobachten. Während der Predigt des Priesters war die Mimik des Detektivs schließlich von gelangweilt zu ungläubig gewechselt und ich war mir sicher, dass seine Lippen lautlos die Worte Was für ein Schwachsinn geformt hatten.

Schließlich sprach der Priester jedoch die alles entscheidenden Worte: „Ich erkläre Sie hiermit zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut küssen."

Das ließ sich John nicht zweimal sagen. Lächelnd nahm er seine Frau in die Arme und teilte mit ihr einen innigen Kuss.

Sofort setzte Applaus in der ganzen Kirche ein und John und Mary lösten sich mit einem glücklichen Lächeln auf ihren Lippen voneinander. Von den einsetzenden Kirchenglocken und unserem Klatschen begleitet, liefen die Beiden nach draußen. Ihnen folgten die Brautjungfern und Sherlock, um die ersten Fotos des frisch vermählten Paares zu machen.

Kurz darauf verließen auch wir den sakralen Bau, um uns ebenfalls mit dem Brautpaar ablichten zu lassen.

Nachdem der Fotograf mich mit einem Nicken erlöst hatte, hielt Mary mich noch einmal am Arm fest und lächelte mich an. „Ich hoffe du bist mir nicht böse, dass ich dich nicht zu einer meiner Brautjungfern gemacht habe."

Ich verkniff mir ein Augenverdrehen, denn diese Unterhaltung hatte ich mit Mary in den vergangenen Monaten häufiger geführt. „Natürlich nicht, Mary. Du kennst die drei deutlich länger als mich und genau genommen gehöre ich ja auch mehr auf Johns Seite. Ich habe für deine Entscheidung also absolut Verständnis."

Meine frischgebackene Schwägerin sah mich erleichtert an, wurde im nächsten Moment jedoch von etwas in meinem Rücken abgelenkt. Ein Schmunzeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Ich glaube, du solltest mal unserem guten Sherlock zur Seite eilen. Er scheint eine Rettung gerade nötig zu haben."

Neugierig suchte ich in der Menge hinter mir nach dem hochgewachsenen Detektiv und entdeckte ihn bei Marys erster Brautjungfer.

Auch wenn ein kleiner Teil von mir beim Anblick der Beiden, wie sie so nah beieinanderstanden, eifersüchtig zusammenzuckte, musste ich trotzdem in Marys Lachen mit einstimmen. Was auch immer die Frau, wenn ich mich richtig erinnerte, war ihr Name Janine, Sherlock gerade erzählte, es sorgte dafür, dass ihm sämtliche Gesichtszüge entgleisten und er sie nur mit offenem Mund anstarrte.

„Ich glaube du hast Recht", grinste ich und überließ Mary den übrigen Gästen.

Während ich mich Sherlock und Janine nährte, schien er sich jedoch wieder zu fangen. Sein Blick schweifte wieder routiniert über die versammelte Menge und an der Geschwindigkeit, in der sich seine Lippen beim Sprechen bewegten, konnte ich erkennen, dass er mal wieder am Deduzieren war.

Da das die Leute in seiner Umgebung normalerweise verprellte, war ich überrascht als ich Janine sagen hörte: „,Mr. Holmes, Sie werden für mich noch unglaublich nützlich sein.'"

Sherlock sah erneut irritiert aus und so entschied ich mich dazu ihn zu erlösen, in dem ich mich leise räusperte und an seine Seite trat. „Sherlock, ich habe dich schon gesucht."

Mein Freund lächelte mich erleichtert an, legte einen Arm um meine Taille und gab mir einen kurzen Kuss auf den Scheitel, bevor er sich wieder an Janine wandte. „Kennst du schon Breanna, Janine? Sie ist Johns Schwester."

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