Das erste Date

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„Willst du mich eigentlich für irgendetwas bestrafen?", stöhnte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was habe ich dir getan?"

Sherlock, der in seinem Sessel saß, sah irritiert von seinem Handy auf. „Ich habe keine Ahnung wie du darauf kommst?"

„Weil du mir nicht sagen willst, wo wir am Donnerstag hingehen", erklärte ich. „Findest du nicht, dass ich auch wissen sollte, wo unser erstes Date sein wird?"

„Nicht wirklich. Du hast es mir bei unserer ersten Verabredung auch nicht verraten. Ich musste es selbst herausfinden."

Einen Moment lang starrte ich Sherlock verwirrt an. Schließlich wurde mir klar, dass er von dem Theaterbesuch mit Will und Caroline sprach.

„Also Punkt eins: Ich wollte dich damals gar nicht dabeihaben, deswegen habe ich nichts gesagt", erklärte ich mit einem Seufzen. „Punkt zwei: Du willst mir nicht einmal verraten, was ich anziehen darf!"

Mit einem leichten Lächeln stand Sherlock auf und gab mir einen Kuss auf die Wange, ehe er antwortete: „Ich kümmere mich um alles. Du musst dir nur den Donnerstagabend freihalten."

Während Sherlock in die Küche lief, setzte ich mich schnell in seinen Sessel. Ich wusste, dass er sich nur eine neue Tasse Tee einschenken wollte und hoffte ihn so zumindest ein bisschen zu ärgern.

John, der die ganze Szene schweigend von seinem Sessel aus beobachtet hatte, kicherte leise. „Ihr zwei seid unverbesserlich."

Ich warf ihm nur einen säuerlichen Blick zu und angelte nach dem Buch auf dem Beistelltisch neben mir. Während ich so tat als würde ich lesen, fiel ein Schatten auf mich und mit einem unschuldigen Blick sah ich zu Sherlock auf. „Ist etwas?"

„Ich wollte nur wissen, ob das Buch interessant ist."

„Sehr sogar."

„Das überrascht mich", antwortete Sherlock grinsend. „Ich wusste gar nicht, dass du dich für Polymere interessierst."

Überrascht sah ich mir das Buch an und musste feststellen, dass ich eins von Sherlocks Chemie-Büchern erwischt hatte. Ich merkte, wie ich rot anlief, während ich das Buch zur Seite legte.

„Okay, du hast gewonnen", stöhnte ich und stand wieder auf, um mir eins von meinen Büchern zu holen. In der Tür blieb ich jedoch nochmal stehen und drehte mich mit einem misstrauischen Blick zu Sherlock um, der bereits wieder in seinem Sessel saß. „Ich muss aber am Donnerstag nicht herausfinden, wo wir hingehen, oder? Dann befürchte ich nämlich, dass du den Abend allein verbringst."

„Nein, keine Sorge. Ich will dir nur nicht die Überraschung verderben", lachte Sherlock.

Stirnrunzelnd lief ich ins Treppenhaus. Irgendwie wusste ich nicht so ganz, was ich von der ganzen Sache halten sollte.

~~~

Egal was ich versuchte, als ich am Donnerstag von der Arbeit nach Hause fuhr, wusste ich immer noch nicht was Sherlock geplant hatte. Zwischenzeitlich hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt Mycroft zu fragen. Er wusste sicher was Sherlock vor hatte und ihm wäre es bestimmt egal ob ich es wusste oder nicht. Andererseits wollte ich mir die Überraschung doch nicht kaputt machen. Ich hatte nur ein wenig Sorge, was Sherlocks Auffassung von einem ersten Date war. Vielleicht wollte er mit mir zu einem Tatort oder in der Pathologie eine Leiche untersuchen.

Während ich die Tür zur Baker Street aufschloss, schoss jedoch ein neuer Gedanke durch meinen Kopf. Wäre es wirklich so schlimm, wenn Sherlock etwas ähnliches planen würde? Das waren Dinge, die er gerne machte und ich wollte einfach nur Zeit mit ihm verbringen. Warum also nicht an einem Ort, wo er sich wohl fühlte?

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