Alles wie damals

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Langsam bremste ich am Straßenrand ab und parkte mein Auto einige Häuser von der 221B entfernt. Durch die Windschutzscheibe betrachtete ich die Paparazzi, die sich bereits vor der Haustür versammelt hatten. Kopfschüttelnd stieg ich aus. Kaum war Sherlock wieder da und hatte einen großen Fall gelöst, stürzten sich die Journalisten auf ihn. Manche Dinge änderten sich wohl nie.

Da ich keine Lust hatte auf ein Blitzlichtgewitter, nahm ich wie früher den Weg an der Rückseite des Gebäudes und klopfte an die Hintertür. Kaum wurde diese geöffnet, wurde ich auch schon in eine kräftige Umarmung gezogen.

„Breanna! Es ist so schön Sie endlich wiederzusehen", schluchzte Mrs. Hudson an meiner Schulter und ließ mich nur langsam wieder los. Etwas überrascht von der Kraft, die in ihrem schmächtigen Körper steckte, rieb ich mir die Arme.

„Ich freue mich auch Sie wieder zu sehen. Tut mir leid, dass ich mich nicht schon gestern gemeldet habe." Oder irgendwann in den letzten zwei Jahren.

„Das verstehe ich doch, Kind", winkte Mrs. Hudson ab und zog mich ins Innere des Hauses. „Sherlock hat mir schon erzählt, dass sie die letzten achtundvierzig Stunden einiges mitgemacht haben."

So konnte man eine Entführung und eine Bombenentschärfung natürlich auch zusammenfassen. Allerdings bezweifelte ich, dass Sherlock auch den Rest erzählt hatte. Dass er zum Beispiel meinen Bruder und mich in dem U-Bahn Abteil aufs Glatteis geführt hat oder dass er mich danach gegen eine Wand gedrückt und mir die Luft abgeschnürt hatte.

„Mir geht es gut", versicherte ich Mrs. Hudson trotzdem und lächelte zaghaft.

Ich wollte unbedingt mit Sherlock über den vergangenen Abend reden. Nachdem das Bombenräumkommando da gewesen war, hatte ich mich von John heimfahren lassen. Ich war einfach nur k.o. und emotional nicht in der Lage gewesen Sherlock hinterher zu rennen, um ihn zur Rede zu stellen. Da hatte es gut gepasst, dass Sherlock mich am Morgen gebeten hatte in die Baker Street zu kommen.

„Warum kommen Sie eigentlich durch die Hintertür?", fragte die Vermieterin mich neugierig.

„Ich wollte den Paparazzi aus dem Weg gehen", erklärte ich achselzuckend. „Ist Sherlock denn da?"

„Ja", meinte Mrs. Hudson. „Und Mycroft auch."

„Tatsächlich?" Ich grinste. Die Begegnung würde sehr lustig werden.

Ich verabschiedete mich von Mrs. Hudson und erklomm die Stufen in den ersten Stock. Bereits durch die geschlossene Wohnzimmertür hörte ich die Stimmen der beiden Brüder.

„Du hast die Karten gekauft, Mycroft. Jetzt geh auch mit ihnen hin! Ich habe hier zu tun und außerdem schuldest du mir so oder so etwas. Immerhin habe ich dafür gesorgt, dass das Parlament noch steht."

„In letzter Sekunde! Und was bitte sehr hast du hier zu tun?"

„Interviews führen zum Beispiel. Die Welt darf doch langsam mal darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass ich lebe."

„Das kannst du auch noch morgen machen."

„Hallo Mycroft", sagte ich laut. Inzwischen hatte ich die Tür geöffnet und stand hinter dem älteren Holmes, der beim Klang meiner Stimme zusammenzuckte und mich säuerlich über die Schulter ansah.

„Breanna. Wie nett dich zu sehen."

„Ich nenne es einen glücklichen Zufall. Ich wollte dich die Tage aufsuchen", grinste ich. „Und mit dir darüber sprechen, dass du mich zwei Jahre lang hast trauern lassen."

Sherlock beobachtete das Gespräch zwischen seinem Bruder und mir mit zunehmender Verwirrtheit, doch noch war ich nicht bereit ihn einzubeziehen.

„Dann sollte ich dich darauf hinweisen, dass mein Regenschirm hier eine Spezialanfertigung ist", erwiderte Mycroft bemüht beherrscht und hob den genannten Gegenstand hoch. „Außerdem willst du dich doch sicher nicht so gewalttätig vor meinem Bruder zeigen."

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