H.O.U.N.D.

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„Breanna", rief John hinter mir entsetzt aus und Dr. Stapleton schnappte hörbar nach Luft, während ich von mir selbst überrascht die Augen aufriss. Ich hatte Sherlock tatsächlich geschlagen.

Der Einzige, der völlig ruhig blieb und aussah als hätte er mit all dem gerechnet, war natürlich Sherlock. Eine leise Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass er es vermutlich wirklich gewusst hatte. Sherlock hatte gewusst, dass ich ihm eine verpassen würde, und er hätte mich mühelos aufhalten können, aber er hatte darauf verzichtet.

„Geht es Ihnen jetzt besser?", fragte er mit einer Ruhe, die mich erneut zur Weißglut trieb.

„Nicht wirklich. Vielleicht sollte ich einfach nochmal zuschlagen."

Blitzschnell umklammerte der Consulting Detective meine Handgelenke und drückte sie bestimmt nach unten. „Ich denke, dass einmal reicht."

„Warum hast du das überhaupt getan?", fragte mein Bruder und kam zu uns herüber.

„Sag bloß du hast es noch nicht verstanden", meinte ich bissig und funkelte Sherlock weiter böse an. „Sherlock ist dafür verantwortlich, dass wir in diesem verdammten Labor eingeschlossen waren und uns zu Tode geängstigt haben! Er hat diese verdammten Geräusche des Hundes über die Lautsprecher simuliert, um zu testen, wie du unter Drogeneinfluss reagierst."

John klappte der Mund auf, als er das hörte, doch ich war noch lange nicht fertig.

„Sie dachten die Droge wäre im Zucker, deswegen haben Sie John heute Mittag den Kaffee gekocht, Sherlock. Sie wollten ihm nur den Zucker von Henry Knight verabreichen!"

„Ist das wahr, Sherlock?", hakte John nach und unser Mitbewohner nickte seufzend.

„Seht es doch mal so. Es war ein Experiment unter Laborbedingungen. Sobald ich sicher war, dass nur Sie den Hund sehen, John, habe ich Sie beide rausgeholt", erklärte er. „Und Sie habe ich vorher gewarnt, Breanna. Ich habe Ihnen gleich gesagt, dass Sie besser mit mir kommen."

Wütend verschränkte ich die Arme und wollte schon eine bissige Antwort geben, als mir plötzlich ein anderer Gedanke kam und ich anfing zu grinsen. „Sie haben sich aber geirrt!"

„Wie bitte?" Offensichtlich hatte ich Sherlock mit meinem Stimmungsumschwung überrumpelt.

„Sie haben sich geirrt, Sherlock", wiederholte ich mit Genugtuung in der Stimme. „Die Droge war offensichtlich nicht im Zucker."

„Schön, dass Sie es so amüsant finden, wenn unsere einzige Spur kalt wird", erwiderte der Consulting Detective angefressen. Ihn wurmte sein Irrtum offensichtlich.

„,Vielleicht war es doch keine Droge'", warf John ein und erntete nur ein Kopfschütteln.

„,Nein, es ist die einzige mögliche Erklärung'", erwiderte Sherlock sofort. „,Die Frage ist nur wie sie in unsere Körper gelangt ist.'"

Nachdenklich ließ sich der Detektiv auf einem der Hocker fallen und schloss die Augen.

„,Gehen Sie raus.'"

„,Was? Wieso?'", kam es von Dr. Stapleton, die ich schon fast vergessen hatte.

„,Ich gehe jetzt in meinen Gedächtnispalast und dazu brauche ich Ruhe.'"

„Wir sind noch nicht fertig, Sherlock", protestierte ich, doch der Detektiv sah mich einfach nur eindringlich an. Irgendwann seufzte ich doch ergeben.

„Von mir aus, aber warten Sie ab, bis dieser dämliche Fall gelöst ist", drohte ich ihm und nickte der Wissenschaftlerin zu. „,Er wird jetzt eine ganze Weile nicht ansprechbar sein, also können wir tatsächlich gehen.'"

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