Während das Taxi uns in Richtung Themse brachte, hüllten Sherlock und ich uns in Schweigen. Ich vermutete, dass der Consulting Detective den Fall bereits aus allen Blickwinkeln analysierte und auch meine Gedanken kreisten um Moriarty, während ich gleichzeitig versuchte meine aufgewühlten Gefühle auszublenden. Jetzt war wirklich nicht die Zeit über private Fragen nachzugrübeln.
Konzentriert rieb ich mir über die Stirn, als eine ganz andere Frage in meinem Kopf auftauchte.
„Sherlock?", sprach ich den Detektiv neben mir an und wartete bis er aus seinem Gedächtnispalast aufgetaucht war.
„Was ist?", wollte er wissen und sah mich konzentriert an.
„Ich habe mich nur etwas gefragt", antwortete ich. „Moriarty hat es geschafft an die Kronjuwelen zu kommen, während er die Zellen im Gefängnis geöffnet und die Bank von England ausgeraubt hat, richtig? Warum lässt er sich dann verhaften? Nichts gegen die Polizei, aber Moriarty hätte damit doch sicher leicht davonkommen können. Wäre schließlich nicht das erste Mal."
„Das habe ich mich auch schon gefragt", erwiderte Sherlock nachdenklich. „Warum auch immer wollte er wohl verhaftet werden. Wir müssen bei ihm auf alles gefasst sein."
„Das gefällt mir nicht", seufzte ich und sah wieder aus dem Fenster.
„Mir auch nicht, Breanna", stimmte Sherlock zu, während der Taxifahrer an der Polizeisperre hielt und gemeinsam stiegen wir aus.
Während wir auf das große Eingangsportal des Towers zu liefen, bemerkte ich einige Polizisten in der Nähe eines Streifenwagens und ich machte Sherlock auf die Szene aufmerksam. Die Polizisten schoben in diesem Moment Moriarty in das Auto und warfen hinter ihm die Tür zu. Selbst auf die Entfernung konnte ich sehen, dass Moriarty langsam den Kopf drehte und in unsere Richtung starrte. Ein unheimliches Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, als er Sherlock und mir zuzwinkerte. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter.
„Sherlock, Breanna", riss mich die Stimme von Greg Lestrade aus meiner Starre und ich drehte mich wieder zum Eingang um. „Gut, dass Sie so schnell hergekommen sind. Da ist einiges was Sie sehen sollten."
„Warum sind Sie eigentlich hier?", wagte ich zu fragen, während wir ihm ins Innere des Towers folgten. Die Gänge im Inneren waren düster und ich rückte unwillkürlich etwas näher zu Sherlock. „Sie sind doch eigentlich bei der Mordkommission. Diebstahl fällt da nicht gerade in ihren Bereich, oder?"
„Nein, aber da wir schon einmal mit Moriarty zu tun hatten, hat man mein Team benachrichtigt."
„Haben Sie mit ihm gesprochen?", wollte Sherlock wissen, doch der Inspector schüttelte den Kopf.
„Nein, das Sicherheitspersonal des Towers hat ihn festgesetzt und uns übergeben, während man mir die Aufnahmen der Überwachungskamera gezeigt hat. Ich habe ehrlich gesagt lange gezögert, ob ich Sie benachrichtigen soll, Sherlock."
„Wieso?"
„Wegen der Nachricht, die Moriarty hinterlassen hat, aber das sehen Sie gleich."
Lestrade führte uns in einen kleinen Raum voller Monitore und ich blieb überrascht im Türrahmen stehen. „Mr. Brooks?"
Mein Chef drehte sich zu uns um und als er mich sah, lächelte er mir freundlich entgegen. „Breanna, das ist ja eine Überraschung. Ich dachte Sie wären im Urlaub."
„Ich bin gestern wieder gekommen", erklärte ich nach wie vor irritiert. „Was machen Sie hier?"
„Ich wurde gebeten die Kronjuwelen einer gründlichen Expertise zu unterziehen, um sicher zu stellen, dass der Einbrecher nicht doch etwas weggeschafft oder beschädigt hat. Und Sie?"
