Himmliches Licht

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Aufgeregt stürmte ich zurück in den Salon, wo Mary, John und Andy noch gemütlich beisammensaßen. Überrascht über mein Auftreten sahen sie mich fragend an.

„Breanna, was ist denn in dich gefahren?", fragte mein Bruder, bevor er zu Sherlock sah, der hinter mir den Raum betrat.

„Schau mich nicht an", erwiderte der Detektiv achselzuckend. „Ich weiß auch nicht, was plötzlich mit deiner Schwester los ist."

„Andy, das Geld Ihres Großvaters ist nicht verloren", eröffnete ich dem jungen Restaurator. „Ich habe das Rätsel gelöst."

„Haben wir das gestern nicht alle?", warf John irritiert ein. „Und als wir dir Büsten angeordnet haben, ist nichts passiert."

„Richtig. Weil wir die falschen Götter sortiert haben", grinste ich.

„Jetzt komme ich nicht mehr mit", meinte mein Bruder und auch Mary und Andy schienen verwirrt. Sherlock war der Einzige, der mich nachdenklich beobachtete.

„Ganz einfach. Das Rätsel hat sich nicht auf die griechischen Götter bezogen, sondern auf die Römischen."

„Okay", sagte Mary langsam. „Mal angenommen, dass du damit – und ich weiß noch nicht, wie du darauf kommst – Recht hättest, Breanna. Es gibt doch keine Skulpturen der römischen Götter hier. Wo sollen wir diese also bitte sehr anordnen?"

„Du hast Recht", stimmte ich der blonden Frau zu. „Aber es gibt sehr wohl eine Art Abbildung von ihnen."

„Venus", meinte Sherlock plötzlich neben mir und lächelnd sah ich zu ihm auf.

„Du bist darauf gekommen."

„Ja, aber auch nur weil du draußen die Venus erwähnt hast."

„Hey, ich will euch ja nicht unterbrechen, aber würdet ihr uns einweihen?", verlangte John zu wissen.

„Es ist eigentlich sehr simpel", sagte Sherlock. „Die Lösung des Rätsels ist das Planetarium."

„Unsere Planeten wurden nach römischen Göttern benannt", sagte Andy nachdenklich.

„Richtig", stimmte ich ihm zu. „Und Ihr Großvater hat hier ein exaktes Modell unseres Sonnensystems bauen lassen. Wir müssen also mit den Planeten machen, was wir mit den Skulpturen versucht haben."

„Das klingt irgendwie schlüssig und ich will eure Hoffnung ja nicht zu Nichte machen", sagte Mary. „Aber war in dem Rätsel nicht vom Olymp die Rede?"

„Stimmt schon", gab Andy zu. „Aber in einigen Texten wird auch der römische Götterhimmel als Olymp bezeichnet."

„Außerdem lautete die zweite Zeile des Gedichts: Hoch oben sitzen sie im Kreis. Sie alle blicken zum goldenen Licht, welches dein Glück enthält. Hoch oben bezieht sich auf den Himmel und das goldene Licht ist die Sonne im Zentrum", erklärte ich.

„Warum stehen wir dann hier noch?", fragte John aufgeregt. „Wir sollten ins Planetarium gehen!"

~~~

„Und wo ist jetzt der Anfang?", fragte mein Bruder und sah sich im Raum um.

Wir standen unter der großen Kuppel und in der Mitte des Raumes thronte das Modell des Sonnensystems. Die Planeten waren an langen Holzstäben befestigt, die sich um das Zentrum, die Sonne, drehen ließen.

„Sucht nach irgendwelchen Markierungen am Boden, oder in der Wand", befahl Sherlock. „Irgendwo muss es einen Anhaltspunkt geben, an dem wir den ersten Planeten ausrichten können."

Wir teilten uns auf und durchsuchten den Raum, doch die Wände in meiner Ecke schienen alle makellos zu sein, genau wie die Bodenplatten.

„Hier drüben", rief Andy plötzlich und sofort versammelten wir uns alle bei ihm. Er stand auf dem Podest mit dem Teleskop und deutete auf die Verankerung des Fernrohrs. Es war kaum sichtbar, doch darauf war ein Symbol eingraviert. Es sah aus wie eine zwei und eine vier, die ineinander übergingen.

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