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10. August


"Brrummmm", mache ich und führe mit einigen Schwankungen den Löffel mit Kartoffelbrei zu Bennis Mund. "Mund auf", sage ich grinsend, woraufhin sich sein kleiner Mund öffnet und ich ihm zufrieden lächelnd den Brei geben kann.
Sobald er den ersten Löffel gegessen hat ist es wie fast jedes mal beim Essen und er nimmt mir den Löffel weg, um sich selbst etwas von seinem Teller nehmen zu können. Sobald er beginnt sich selbst mit seinem Essen zu beschäftigen und ein Stück des kleingeschnittenen Hackbratens, welchen Maria gemacht hat, in seinen Mund steckt, widme auch ich mich meinem Essen.
Gemeinsam mit Alisons Eltern, Sophia, Sarah und Zayn sitzen wir im Haus der Matthews an dem erstaunlich großen Esstisch und essen nach einem weiteren langen Tag in der Klinik zu Abend.

Solangsam merkt man insbesondere Benni an, dass er Alison vermisst. Sobald man ihn nicht mehr aktiv versucht abzulenken beginnt er nach ihr zu rufen und zu weinen. Seine Augen sind daher fast andauernd gerötet und glänzen gefährlich, was mir umso mehr Sorgen bereitet.
Sobald ich dieses Haus verlasse, um meine Frau zu besuchen, muss ich meinen Sohn gezwungenermaßen in der Obhut von einem der hier Anwesenden lassen, da er nicht mit auf die Intensivstation darf, auf welcher Alison und Jacob nun Mal liegen.
Die Gefahr, dass er irgendwelche gefährlichen Keime mit sich bringt ist den Ärzten zu hoch und auch mir behagt es noch immer nicht ihn dem Anblick von seiner schlafenden Mutter auszusetzen.

Sein Schmatzen lässt mich wieder zu ihm sehen und ich beobachte ihn dabei, wie er ein Stück Blumenkohl versucht zu essen, was ihm nicht so wirklich gelingt. Kurzerhand legt er seinen Löffel daher beiseite und nimmt das Gemüse in seine Hand, um besser abbeißen zu können. Schmunzelnd kann ich nicht anders, als den Kopf zu schütteln. Benni ist definitiv ein ziemlich eigener kleiner Junge.
Alle am Tisch sitzenden schweigen, während sie essen und auch ich widme mich ruhig meinem Essen. Hin und wieder wandert meine Aufmerksamkeit zu meinem Sohn, der definitiv interessante Geräusche von sich gibt. Immer wieder vermischen seine Worte sich mit Brabbeln und Schmatzen.
Als wir schliesslich nach einer Weile fertig mit dem Essen sind, helfen wir alle beim Abräumen des Tisches mit, während Benni bereits wieder mit seinem Geburtstagsgeschenk, der Holzeisenbahn, spielt, welche er abgöttisch liebt.
"Brauchst du noch Hilfe?", frage ich Maria und bleibe im Türrahmen zur Küche stehen. Lächelnd schüttelt sie den Kopf. "Nein nein. Sarah reicht als Unterstützung. Du kannst solange mit Benni spielen."
Ich nicke und wende mich wieder ab, steuere geradewegs meinen Sohn an, der sich auf dem flauschigen Wohnzimmerteppich ausgebreitet hat und einen langen Zug über die Schienen schiebt. Als er einen Hügel rauffahren will und sich die hinteren Waggons lösen stutzt er kurz, ehe er sie wieder aneinander hängt und einen weiteren Versuch unternimmt. Jedoch gelingt es ihm wieder nicht.
Hilfesuchend sieht er zu mir, weshalb ich mich im Schneidersitz zu ihm auf den Teppich setze. Indem ich den hintersten Wagen schiebe und er vorne zieht schaffen wir es schließlich gemeinsam über den kleinen Hügel und Benni beginnt zu strahlen.
Während er den langen Zug weiter zieht greife ich nach der letzten Lock, die noch nicht auf den Schienen ist und schiebe sie hinter Bennis her. "Tschu Tschu!", sage ich und Benni sieht kurz mich an, ehe er die Lock in meiner Hand mustert und lacht. Schnell schiebt er seinen Zug weiter, während ich ihm folge und dabei kurz mit dem Finger die Glocke anstupse, welche an einer der Schienen befestigt ist, bevor der kleine Spielbahnhof kommt. Dort halte ich an. "Alles einsteigen!", sage ich und lasse eine kleine Figur über den Bahnsteig gehen. Benni hält seinen Zug ebenfalls an. "All einsteig!", ruft er, was mich lächeln lässt. "Bereit?", frage ich ihn und er nickt. Er lässt seinen Zug aus dem Bahnhof fahren und ich folge ihm, gebe dabei leise Bahngeräusche von mir.

Als das Haustelefon der Matthews jedoch klingelt halte ich inne und sehe mich kurz um. Da alle von uns beschäftigt sind stehe ich auf, um ranzugehen.
"Bei Matthews, Logan Black hier", sage ich und sehe zu Benni, der sich nun auch noch meine Lock gekrallt hat und damit spielt. "Hallo Mr. Black! Ich bins Schwester Clarice", begrüßt mich die Krankenschwester, welche für Jacob und Alison zuständig ist. Sofort werde ich hellhörig und merke, wie sich mein gesamter Körper anspannt. "Ist etwas passiert?", frage ich.
Im Augenwinkel sehe ich, dass Maria und James mich beobachten. "Nein, nichts schlimmes Mr. Black. Machen Sie sich keine Sorgen", sagt sie. "Ich rufe an, um Ihnen und ihrer Familie mitzuteilen, dass Jacob aufgewacht ist und nun auf Station verlegt wird. Ihm geht es gut."
"Er ist aufgewacht?", frage ich und ich höre Maria schluchzen. Als ich zu ihr sehe, sehe ich, dass sie die Hand vor den Mund geschlagen hat und angefangen hat zu weinen. James zieht sie in seinen Arm.
"Ja genau. Wenn Sie möchten können sie ihn besuchen. Also seine Eltern, sie und auch ihr Sohn darf zu ihm. Seine Wunden sind nur noch oberflächlich, aber es besteht keine Gefahr mehr, dass er sich an irgendetwas infizieren könnte."
Ich nicke. "Ja! Sehr gerne sogar. Wir machen uns sofort auf den Weg."
"Schön." Ich kann mir vorstellen, dass sie lächelt. "Dann sehen wir uns gleich Mr. Black."
"Ja, bis gleich!" Ich lege auf und sehe zu Alisons Familie, die mich gespannt mustern. "Wir können ihn besuchen. Er ist wach und wurde auf die normale Station verlegt." Ohne zu zögern beginnt Maria zu nicken. Sie sammelt bereits alles zusammen und sieht dann zu Sarah die uns mit Zayn mustert. "Ist es für euch in Ordnung, bis morgen zu warten?", fragt sie ihre Nichte. Lächelnd nickt Sarah. "Natürlich. Fahrt ihr nur, wir bleiben hier und räumen zu Ende auf."
Dankbar lächelnd sehen sowohl Maria als auch James zu Sarah, ehe sie mich ansehen. "Können wir?", fragt sie mich und ich nicke.
"Ja. Benni darf uns begleiten. Ich denke wir sollten ihm sein Kuscheltier mitnehmen. Er wird höchstwahrscheinlich im Auto, oder spätestens in Jacobs Zimmer einschlafen. Ich würde ihm nur noch schnell eine neue Windel verpassen und ihn umziehen. Dann muss ich ihn später nicht mehr wecken."

Sobald dies getan ist haben wir keine Zeit mehr verloren und uns ins Auto gesetzt.
Mit Benni auf dem Arm stehe ich im Anmeldebereich der Kinderstation und mustere die Krankenschwester. Diese sagt uns, dass Jacob auf Zimmer 4.11 liegt, woraufhin wir ohne zu zögern dort hin gehen.
Maria klopft vorsichtig an, ehe sie die Türe einen Spalt breit öffnet und uns das Flimmern eines Fernsehers entgegen kommt. Als sie die Türe schließlich ganz öffnet, sodass wir eintreten können reckt Benni sich neugierig und sieht sich in dem Zimmer mit den bunten Wänden um. "Mama! Papa!", höre ich Jacobs Stimme. Überrascht stelle ich fest, dass dieser Junge hellwach ist, obwohl er erst vor kurzem aufgewacht ist. Wie ist das möglich?!

Maria stürmt förmlich auf ihn zu, achtet jedoch drauf weder seinen eingegibsten Arm, noch das Knie zu berühren, als sie ihn umarmt. "Ich habe mir so Sorgen gemacht", schluchzt sie und drückt ihm daraufhin einen Kuss auf die Stirn. Jacob lächelt sie matt an, ehe er sich von James umarmen lässt.
Als sein Blick schliesslich auf mich und Benni fällt, beginnt er zu grinsen. "Ihr seid ja auch da!", sagt er, woraufhin ich grinsend nicke. "Ja. Wir wollten uns dich nicht entgehen lassen. Besonders dein Neffe nicht."
Ich umrunde das Bett, da auf der Seite von Jacobs gesundem Arm ein Stuhl steht und keine Gerätschaften in Reichweite für Benni sind. Mit Benni auf dem Schoß setze ich mich, woraufhin dieser sofort aufsteht und sich am Bett abstützt, um Jacob zu begutachten. Jacob lacht. "Hey du", begrüßt er seinen Neffen und stupst ihm auf die Nasenspitze.
Benni kräuselt seine Nase daraufhin kurz, beginnt dann jedoch zu lachen. Vorsichtig stupst auch er Jacob daraufhin an der Nase. Jacob tut so als hätte es ihn gekitzelt, woraufhin nicht nur Benni, sondern auch James, Maria und ich lachen müssen.

"Wie geht es dir Schatz?", fragt Maria ihn. Vorsichtig setzt sie sich auf die Bettkante und mustert den Blauen Gips um seinen Arm. "Es geht schon. Mein Bein und mein Hintern tun ein wenig weh vom liegen, aber sonst habe ich keine Schmerzen." Er zuckt mit den Schultern.
"Da!", Benni zeigt auf Jacobs Gips weshalb Jacob wieder zu ihm sieht und lächelt. "Der ist cool was?", fragt er und Benni mustert ihn aus riesigen Augen. "Möchtest du ihn mal anfassen? Der ist steinhart." Jacob hält Benni seinen Arm hin, woraufhin mein Sohn mich ansieht. "Vorsichtig", sage ich leise und mache ihm vor, wie er an der eingegipsten Stelle drüber streichen kann, ohne Jacob wehzutun. So gut es geht macht Benni mir nach. Darauf bedacht, dass er nicht das Gleichgewicht verliert und auf Jacob fällt halte ich ihn fest, muss jedoch feststellen, dass mein Sohn äusserst behutsam vorgeht.
Zufrieden lächelnd sehe ich zu Jacob, der ebenfalls lächelt. Als er sich sicher ist, dass Benni nur seinem Forscherdrang nachgeht, ohne ihm wehzutun, sieht er wieder zu seinen Eltern. "Was ist überhaupt passiert? Ich kann mich an kaum was erinnern, nur dass ich mit Alison im Auto saß und dann wurde alles schwarz." Er sieht sich um. "Wo ist Ally überhaupt?" Bei Alisons Namen wird Benni sofort hellhörig und sieht erst mich an, dann sieht er durch den Raum.

Maria schluckt und scheint nach den richtigen Worten zu suchen, weshalb James schließlich das Wort ergreift. "Ihr hattet einen Unfall auf dem Nachhauseweg. Ein LKW ist mit voller Geschwindigkeit auf deiner Seite in euch reingerast. Es ist bei euch beiden ein Wunder, dass ihr noch bei uns seid, aber deine Schwester liegt noch im Koma."
Als ich merke, dass Benni merkt, dass seine Mom fehlt stehe ich schnell auf und gehe mit ihm zum Fenster. Mit seinem Kuschelelefanten spiele ich am Fensterbrett und versuche ihn so gut es geht abzulenken, damit er nicht anfängt zu weinen. Dass ich dabei das Gespräch zwischen Jacob und seinen Eltern verpasse ist mir in diesem Moment egal, denn viel wichtiger ist, dass mein Sohn zur Ruhe kommen kann.
Ich hoffe nur, dass Alison bald wieder aufwacht.

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