𝙴 𝙽 𝙴 𝚂
,,Wir sehen uns Arda!"
,,Tschüssi Enes Abi!", Winkend lief er mit seiner Schwester ins Haus, während ich draussen im Auto noch auf Liya wartete. ,,Abla er ist so cool", hörte ich ihn flüstern.
Ein komischer Tag. So dachte ich bisher über jeden, seit dem ich sie kennengelernt hatte.
Ich war mir noch nicht sicher, ob sie mir ein vollkommenes Rätsel war oder ob es sich so anfühlte, als würden wir uns schon seit zehn Jahren kennen. Sie hatte so eine mysteriöse Aura, die mich immer wieder reizte ihre Nähe aufzusuchen.
Das dumpfe Geräusch der zuknallenden Tür, als sie wieder ins Auto stieg, holte mich aus meinen Gedanken wieder zurück in die Realität. ,,Wohin fahren wir ?", fragte sie mich leise. Weniger der Antwort wegen.. wohl eher, weil sie eine unangenehme Stille umgehen wollte. Kommentarlos fuhr ich los. Mehr als ein Schulterzucken fiel mir nicht ein. Ich wusste selber noch nicht, wohin wir fahren würden.
,,Dein Handy vibriert übrigens die ganze Zeit", teilte sie mir mit, während sie mal wieder die Musik aussuchte.
,,Unwichtig", gab ich von mir. ,,Woher willst du das wissen?" Sie schüttelte ungläubig ihren Kopf. ,,Du bist doch neben mir" Ich versuchte mir mein Lachen zu verkneifen, konnte es aber nicht mehr zurück halten als sie anfing.
,,Halt die Klappe, Enes" Sie gab mir lachend einen Schlag gegen den Arm und konzentrierte sich wieder auf Spotify.
,,Wow! Wo sind wir ? Es ist echt schön hier", staunend lief sie über eine grüne Wiese, welche sich direkt an einem See befand.
,,Ehm... ich hab keine Ahnung um ehrlich zu sein", gab ich zu. Ich wäre zu gerne mit ihr jetzt auf dem Dach gewesen aber leider war bei beiden von uns die ganze Familie zu Hause.
Wir saßen auf der Wiese, angelehnt an einen Baum. Sie zupfte am Gras. Ich sah ihr dabei zu.
Ich wusste, dass ich den Anfang machen musste, wenn wir nicht bis in die Nacht hier sitzen wollten ohne ein einziges Wort miteinander zu tauschen, wusste aber nicht so recht wo ich anfangen sollte.
,,Voll unnötig, dass wir hier her gekommen sind", platzte es mehr als unerwartet aus ihr heraus. ,,Es gibt gar nichts zu Reden", Noch immer waren ihre Blicke auf die Wiese gerichtet.
,,Du hast Stimmungsschwankungen wie eine Schwangere! Meine Güte!", gab ich genervt von mir. ,,Du bist in einem Moment ein Engel, im Nächsten wieder die größte Zicke!"
Sie warf ihre gezupften Grashalme empört auf mich. ,,Ist doch so! Ich versteh dich gar nicht. Heute warst du den ganzen Tag eine Hexe.. als hätten wir uns gestern nicht gek-"
,,Halt die Klappe!", fauchte sie mir dazwischen und unterbrach mich. ,,Nur weil du es mich nicht aussprechen lässt, machst du es nicht ungeschehen."
,,Ich wünschte ich könnte es ungeschehen machen", nuschelte sie und verdrehte dabei ihre Augen.
Für einen Moment zischte etwas in meinem Inneren.
,,Also willst du mir sagen es hat dir nichts bedeutet?", Ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Endlich drehte sie ihren Kopf auch in meine Richtung und würdigte ihren Blick auch mal mir, anstatt nur dem Unkraut auf dem Boden.
,,Ja. Der Kuss hat mir nichts bedeutet! Ok? Bist du zufrieden? Dieser Abend hatte keine Bedeutung. Das war... einfach nur so" Sie schien wütend zu sein. Wütend auf sich selbst, Gefühle zugelassen zu haben. Sie konnte es abstreiten wie sie wollte, ich nahm ihr kein einziges Wort ab.
,,Plural", verbesserte ich sie. ,,Was?"
,,Plural. Es waren zwei Küsse .. nicht Kuss. Du hast mich auch geküsst" Grinsend zuckte ich mit den Schultern. Sie sah mich empört an und fing langsam an mit dem Kopf zu schütteln. Ihr kleines, sich aufbauendes Lächeln war das schönste kleine, sich aufbauende Lächeln, was ich je gesehen hatte.
Die Proportionen ihres Gesichtes waren so perfekt, dass es sich beinahe beruhigend anfühlte sie anzusehen. Ich wusste nicht, wo ich als erstes hinsehen sollte, wo ich am längsten hinsehen sollte. Ich versuchte jedesmal ihre Schönheit zu verinnerlichen, Bilder mit meinen Blicken zu machen. Wie ein mit meinen Augen gemaltes Gemälde, verankert in meinen Gedanken.
,,Ich weiß, dass du lügst", konfrontierte ich sie, während ich ihr noch immer in die Augen sah.
,,Ich weiß, dass es dir nicht egal war, dass es nicht Bedeutungslos war. Du bist rot angelaufen wie eine Tomate, als deine Lippen meine Wange berührten. Du bist nicht der Typ für so etwas. Du bist nicht der Typ dafür, der so etwas ,einfach nur so' macht. Außerdem, war ich dein erster Kuss. Sowas ist nie Bedeutungslos und ich will mich zwar nicht selbst loben... aber ich find ich hab dir einen echt tollen ersten Kuss geliefert" Meinen letzten Satz brachte ich mit einer übertrieben selbstüberzeugten Betonung raus und tat so, als würde ich mir imaginären Staub von der Schulter wischen.
Ich wusste, dass sie lachen musste. Ich sah ihr Grübchen, schon wieder.. aber sie zwang sich es nicht zu tun. Sie zwang sich so unamüsiert wie möglich über diese Situation zu wirken.
,,Was willst du eigentlich von mir hören?", brach es aus ihr nach einer langen Pause heraus. ,,Dass ich selber nicht weiß was ich denke? Dass ich dich eigentlich jeden Tag erwürgen könnte, weil du so eine Nervensäge bist, aber gleichzeitig eigentlich immer will, dass du neben mir bist?
Dass ich gestern Abend... ganz.. ganz ok fand aber gleichzeitig wünschte es wäre nie passiert ? Dass du einfach ein Idiot bist, der mir das Leben gerettet hat? Ich bin einfach verwirrt und du... du bist einfach so ein Penner!" Nach hektischem rumfuchteln mit ihren Armen, schlug sie mir mit ihrer letzen Bemerkung gegen die Brust.
Ich fing ihre Hand ab und hielt sie fest. ,,Du hast mich zwar nur beleidigt.. aber das war das süßeste, was du je gesagt hast" Ich musste leicht lachen. Ich wusste nicht einmal wieso genau. Ich legte meinen Arm um sie und zog sie an mich ran.
,, Ich weiß nicht, wovor du so angst hast aber was auch immer es ist, du musst keine haben. Ich kann immer noch ein Penner für dich bleiben.. damit hab ich kein Problem"
Ihr leichtes kichern unterbrach mich und brachte mich selbst zum lächeln.
,,Es muss sich nichts ändern. Kein Druck. Kein Zwang. Keine Labels. Wir müssen nichts tun, weil es der normale Gang ist. Wir müssen uns nicht in eine Kategorie einordnen oder versuchen einen logischen Schluss zu ziehen.
Es muss nicht immer alles einen Sinn ergeben .
Du kannst nicht immer versuchen, in allem eine Logik zu finden. Eine Verbindung zwischen zwei Menschen ist keine Matheformel. Wir müssen nicht auf einmal Schatz und Askim sagen, weil ,man das so macht'. Wir müssen uns nicht sofort als ,Pärchen' bezeichnen oder ein Schloß ins Instagram Profil einfügen. Du kannst nicht immer alles linear betrachten und versuchen irgendeinen rationalen Sinn zu finden, der dir einen Weg vorgibt.
Alles so wie es kommt und so, wie es kommen soll. So wie es sich gut anfühlt. Du sollst einfach das tun, wobei du dich wohl fühlst, das, was du tun möchtest, das was sich gut anfühlt... und dann werden wir schon sehen, wohin uns das führt... nicht andersherum. Nicht erst ein Label aufsetzen und dann nach dieser uns aufgesetzten Bezeichnung entsprechend handeln und verhalten. Nur weil das alle anderen so machen, ist das keine Regel des Lebens.. Ich will nicht dass wir etwas tun, weil man es einfach so tut. Ich will nicht, dass du dich deswegen verrückt machst, weil du versuchst uns genau so einem Sinn zuzuordnen, wenn es genau dieser so vermeidlicher ,Sinn' ist, welcher vollkommen Sinnlos ist.
Das einzige was ich will, ist dass du aufhörst gegen irgendwelche Gefühle anzukämpfen und einfach das tust, was du möchtest und das tust, was dich gut fühlen lässt... und dann sehen wir weiter.. Ok? Du kleiner Professor. Wenn du mich umarmen willst, dann umarmst du mich. Wenn du mich hauen willst, dann haust du mich.. man spürt dich sowieso nicht und wenn du mich Penner nennen willst, dann nenn mich Penner aber sag mir nicht, es hätte nichts eine Bedeutung, wenn ich ganz genau weiß, dass es dich auffrisst, Popel."
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Ego vs. Ego
Novela Juvenil☾𝐸𝑛𝑒𝑠 & 𝐿𝑖𝑦𝑎☽ 𝑊𝑒𝑛𝑛 𝑧𝑤𝑒𝑖 𝑀𝑒𝑛𝑠𝑐ℎ𝑒𝑛 𝑚𝑖𝑡 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑧𝑢 𝑔𝑟𝑜𝑠𝑠𝑒𝑚 𝐸𝑔𝑜 𝑢𝑛𝑑 𝑒𝑖𝑛𝑒𝑟 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑧𝑢 𝑘𝑎𝑙𝑡𝑒𝑛 𝐹𝑎𝑠𝑠𝑎𝑑𝑒 𝑎𝑢𝑓𝑒𝑖𝑛𝑎𝑛𝑑𝑒𝑟 𝑡𝑟𝑒𝑓𝑓𝑒𝑛. 𝐸𝑖𝑛𝑒 𝑠𝑖𝑐ℎ 𝑙𝑎𝑛𝑔𝑠𝑎𝑚 𝑎𝑢𝑓𝑏𝑎𝑢𝑒𝑛𝑑�...
