𝙴 𝙽 𝙴 𝚂
,,Du musst es ihr sagen, Enes!", redeten Mert und Tolga auf mich ein. ,,Nein! Punk. Jetzt nervt mich nicht mehr damit.", genervt setzte ich mich auf mein Bett und die zwei standen vor mir, als würden sie mich gerade belehren.
,,Das würde ihr doch endlich mal innere Ruhe geben, wenn sie weiß, dass dieser kranke Psychopath ihr nicht mehr zu Nahe kommen kann."
Tolga war nun schon seit 9 Uhr Morgens bei mir. Mert kam gestern Nacht, nachdem er Damla nach Hause gebracht hatte und übernachtete hier.
Jedes Jahr genau an diesem Tag wollen sie mich nicht alleine lassen, was ich sehr zu schätzen weiß... doch gleichzeitig möchte und brauche ich kein Mitleid von jemandem. Abgesehen davon, möchte ich niemandem zur Last fallen.
,,Ich hab' einfach kein Bock, dass sie am Ende denkt, ich hätte den nur verprügelt, um bei ihr zu schleimen oder so." Ich kannte sie besser als die Beiden das taten und das wäre genau ihr Gedanke. ,,Du bist so ein Egoist, Enes", kopfschüttelnd setze sich Tolga auf meinen Schreibtischstuhl. ,,Wie hast du ihn überhaupt erkannt ?", fragte er mich. ,,Er hat hier in den Büschen rumgeschnüffelt und versucht durch ihre Fenster zu fotografieren.", erzählte ich, wie ich heute ,um 5 Uhr Morgens , vor Liya's Haus Momo erblickte.
,,Und ihr seid sicher, dass er das war?", hakte Tolga nach. ,,Ja, Junge er hat uns doch irgendwann seinen Namen gesagt.", versicherte ihm Mert, der heute früh dabei gewesen war. ,,Und der macht auch keine Faxen mehr?", erneut hakte er nach. ,,Enes hat sein Gesicht so verunstaltet, seine eigene Mutter würde den nichtmal wiederkennen. Danach hat der geheult wie ein Mädchen und sich fast in die Hose gepisst. Der macht definitiv gar nichts mehr.", lachte Mert. ,,Ich kann immer noch nicht glauben, was er ihr anget-"
Ein lauter Knall unterbrach Tolga und wir zuckten alle auf, als irgendetwas durch das Zimmer flog. Es war ein Radiergummi, der direkt neben Mert landete. Um ihn herum, mit einem Haargummi, eine kleine Notiz angebunden. Ich faltete das kleine Stück Papier auseinander
,,Guten Morgen, Popel"
Das war die Notiz, die ich gestern bei Liya hinterlassen hatte. Ich drehte sie um und musste leicht auflachen ,,Danke."
Ein einfaches Danke mit einem Punkt dahinter, wirft sie angebunden an einem Radiergummi durch mein Zimmer.
,,Bin ich der Einzige, der gerade leicht verwirrt darüber ist, dass wir bombardiert wurden?", sprach Tolga in den stillen Raum und erst jetzt bemerkte ich die verwirrten Blicke der Beiden Jungs. ,,Ich hatte ihr mal diesen Radiergummi ausgeliehen, den hat sie mir jetzt zurückgegeben", log ich. Wieso auch immer ich das tat. Ihre Gesichter nahmen eine noch verwirrtere Gestalt an, doch ich merkte, dass sie gar nicht erst weiter nachfragen wollten.
,,Was ist eigentlich mit Leyla?", fragte Mert nach einer Weile.
,,Was soll sein? Sie kam und jetzt ist sie weg", gab ich trocken wieder. Sofort schoss mir gestern Abend wieder durch den Kopf, doch ich ließ mir natürlich nichts anmerken.
,,Ich mochte die noch nie. Sie mag einfach Katzen mehr als Hunde. Solche Menschen sind mir so unsympathisch", beschwerte sich Tolga über sie.
,,Junge, du hast panische Angst vor Hunden!", warf ihm Mert vor und ich musste anfangen laut zu lachen.
Sie blieben noch einige Stunden, doch ich wusste, wieso sie hier waren und wollte sie nicht unnötig aufhalten. ,,Ihr müsst nicht den ganzen Tag mit mir verbringen. Es ist alles ok.", teilte ich ihnen mit, als ich bemerkte, dass Tolga mehrere Nachrichten seiner Mutter ignorierte. Er sah mich etwas schuldvoll an, bevor er sich bei mir entschuldigte, dass er gehen musste. Ich weiß, dass sie nur für mich da sein wollten, aber ich brauchte niemanden. Es ist ein ganz normaler Tag für mich.
,,Ich bleib noch bisschen", versicherte mir Mert. Für ihn war das aber auch schon so etwas wie sein zweites Zuhause.
Da niemand anderes im Haus war, setzte er sich unten mit Cornflakes ins Wohnzimmer und schaute fern, während ich noch in meinem Zimmer war.
Gerade als ich mir ein neues Shirt aus dem Schrank suchen wollte, sah ich im Augenwinkel ungewöhnliche Bewegung durchs Fenster. Ich wurde stutzig, schaute nochmal genauer raus und konnte nicht glauben, was ich sah. Das konnte nicht ihr Ernst sein.
𝙻 𝙸 𝚈 𝙰
,,Kizim (Meine Tochter), mach du die Tür auf, ich kann gerade nicht!", schrie meine Mutter von oben, als es gerade an der Tür klingelte.
,,Anne, och potz mör görade dö Zöhne"
Ich denke nicht, dass sie mich gehört hatte.
Genervt stampfte ich zur Tür und öffnete sie mit meiner Zahnbürste im Mund.
,,Oh..", kam nur aus mir heraus, als unerwartet Amir vor mir stand. Er hatte Tränen im ganzen Gesicht und Augen, so rot wie Tomaten. ,,Störe ich? Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte", schluchzte er und wischte sich mit seinem Ärmel über das feuchte Gesicht. Ich schüttelte besorgt den Kopf und bat ihn rein. ,,Och bön gleich wieder da", versuchte ich ihm noch mit Zahnpasta im Mund irgendwie zu vermitteln. Schnell wusch ich mir den Mund aus und gab meiner Mutter bescheid. Ich hatte ihr bereits von Amir erzählt gehabt. Sie ist wie meine Beste Freundin und wusste so gut wie alles von mir.
,,Was ist los?", besorgt legte ich meine Hand auf seine Schulter und schon fiel er mir weinend in die Arme. Etwas überfordert mit der Situation brauchte mein Geist einige Sekunden um die Umarmung realisieren und dann erwidern zu können. ,,Ich habs ihnen erzählt", wimmerte er in die Umarmung. ,,Wen? Was?"
Aufgewühlt suchte ich nach klaren Antworten. ,,Meinen Eltern. Ich habs ihnen Erzählt"
Jetzt verstand ich. Ich drückte ihn ein wenig fester. So aufgelöst wie er war, kann das Gespräch kein gutes Ende genommen haben.
,,Er", schluchzte er ,,Er hag gesagt, dass er mich nicht mehr sehen möchte", er brach noch viel mehr in Tränen aus und ich wusste nicht, was ich tun könnte um ihn zu beruhigen.
Meine Mutter kam von hinten und streichelte Amirs Rücken, als sie ihn Schluchzend erzählen hörte. Wir tauschten einen kurzen mitfühlenden, besorgten Blick aus.
,,Tut- Tut mir leid!", entschuldigte er sich, nachdem er sich aufgerichtet und meine Mutter bemerkt hatte. ,,Komm mal her!", befahl sie ihm und zog ihn in eine Umarmung.
,,Du musst dich für nichts entschuldigen ok? Ich weiß zwar nicht was los ist, aber ihr beide könnt erstmal aufs Dach gehen und so lange quatschen wie ihr wollte und ich bringe euch Kakao und ein paar Snacks hoch. Abgemacht ?"
Ich hab echt die beste Mutter, realisierte ich gerade. Wie kann man so viel Liebe und Empathie für jemandem haben, den man gerade das erste mal getroffen hat?
Auf dem Dach angekommen, machten wir es uns gemütlich und meine Mutter kam schnell hinterher mit unserem warmen Kakao und Snacks. ,,Ich geh los Schatz, ja? Ich muss später auch noch Arda abholen, also dauert das etwas", teilte sie mir mit.
,,Erzähl", vorderte ich ihn auf. Ich muss echt lernen, einfühlsamer zu werden.
,,Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber nachdem ich es dir gesagt habe, hab' ich mich so befreit gefühlt.. also hab' ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und es meinen Eltern erzählt.. Sie haben mir erst nicht geglaubt.. doch dann, als sie realisiert haben, dass ich keinen Spaß mache, ist eine Welt vor ihren Augen zusammen gebrochen. Ich hatte sie noch nie zuvor so enttäuscht gesehen.. Ich kanns verstehen, dass sie mit so einem Thema nie in Berührung kamen aber...." Erneut bildeten sich Tränen in seinen Augen und ich rutschte etwas näher an ihn ran, um meinen Kopf auf seiner Schulter abzulegen. ,,Ich werde dich nicht den ganzen Tag nerven, keine Sorge. Mein Bester Freund ist in 2 Stunden zu Hause.. dann kann ich zu ihm aber ich wusste nicht, wohin ich bis dahin sonst gehen sollte.."
,,Du kannst kommen, wann immer du willst, ich hoffe, das weisst du", versicherte ich ihm und griff nach seiner Hand. ,,Wir kennen uns erst seit Kurzem und ich hab einfach noch nie jemandem so sehr vertraut, wie dir. Du hast irgendwas an dir, was einem so ein Wohlgefühl gibt.. auch wenn du nicht viel redest", nach seiner letzten Aussage fing er etwas an zu lachen.
,,Deine Eltern werden sich wieder einkriegen, da bin ich mir sicher. Das ist alles noch so neu für sie und da du es vor ihnen immer geheim gehalten hast, war es wahrscheinlich sehr unerwartet. Ich hoffe aber, dass du weißt, dass das überhaupt nichts an dir ändert. Du bist immer noch der selbe Mensch. Du hast die selben Arme und Beine. Den selben Kopf. Die selbe Seele. Es gibt Dinge, die können wir nicht kontrollieren und das ist eines davon. Und daran gibt es nichts, was man überhaupt ändern bräuchte, wenn man es könnte. Das ist vollkommen ok und kein Grund um enttäuscht von dir zu sein... definitiv kein Grund dafür.
Das werden deine Eltern auch noch erkennen können.. lass ihnen etwas Zeit"
Warm lächelte er mich an, als er auch nach meiner Hand griff und seinen anderen Arm um meine Schulter legte.
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Ego vs. Ego
Teen Fiction☾𝐸𝑛𝑒𝑠 & 𝐿𝑖𝑦𝑎☽ 𝑊𝑒𝑛𝑛 𝑧𝑤𝑒𝑖 𝑀𝑒𝑛𝑠𝑐ℎ𝑒𝑛 𝑚𝑖𝑡 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑧𝑢 𝑔𝑟𝑜𝑠𝑠𝑒𝑚 𝐸𝑔𝑜 𝑢𝑛𝑑 𝑒𝑖𝑛𝑒𝑟 𝑣𝑖𝑒𝑙 𝑧𝑢 𝑘𝑎𝑙𝑡𝑒𝑛 𝐹𝑎𝑠𝑠𝑎𝑑𝑒 𝑎𝑢𝑓𝑒𝑖𝑛𝑎𝑛𝑑𝑒𝑟 𝑡𝑟𝑒𝑓𝑓𝑒𝑛. 𝐸𝑖𝑛𝑒 𝑠𝑖𝑐ℎ 𝑙𝑎𝑛𝑔𝑠𝑎𝑚 𝑎𝑢𝑓𝑏𝑎𝑢𝑒𝑛𝑑�...
