61| Einfach weil ich's kann

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𝙻 𝙸 𝚈 𝙰

Mein lauter iPhone Wecker, welcher klang wie ein verdammter Feueralarm, riss mich aus meinen tiefen Gedanken, die gerade noch so schön auf den Feldern der Sinnlichkeit und Empfindsamkeit tanzten. Wecken brauchte der mich nicht mehr. Ich hatte sowieso kein Auge mehr zubekommen und saß die ganze Nacht auf meinem Bett mit meinem derzeitigen Lieblingsbuch und las.

Immer wieder spielte ich mit dem Gedanken, den heutigen Schultag zu schwänzen, da heute ein Referat anstand, was seit beginn des Schulsemesters geplant war. Referate oder andere Prüfungen machten mir keine Bauchschmerzen. Es war die Tatsache, dass  mein Referatspartner Enes war.

Es kostete mich viel Überwindung, das Buch letztendlich bei Seite zu legen und mich selber zu überreden, diesen Tag zu überstehen.

Manchmal wünschte ich, dass ich von Anfang an jedem Menschen mein wahres Ich und meine echten Gefühle und Unsicherheiten gezeigt hätte. So müsste ich nicht an solchen Tagen, wie heute einer ist, in der Öffentlichkeit so tun, als wäre mir alles egal und als wäre ich vollkommen glücklich mit allem. Ich konnte nie präsent machen, wenn ich mich um etwas sorgte oder mir etwas zu schaffen machte oder mich etwas verunsicherte.. einfach nur, weil ich mir von Anfang an diese Mauer aufgebaut hab', die ein falsches, vollkommen unmenschliches Bild von etwas nach außen projiziert, was mich darstellen sollte.

Frustriert von meinem eigenen Kopf, der sich bald selber auffressen würde, wenn ich nicht aufhören würde zu versuchen, alles Denkbare zu denken, lief ich raus aus der dusche und stand vor meinem Kleiderschrank.

Reflexartig zog es mich zur Schublade oben rechts, doch bevor ich sie komplett öffnen konnte und mir wieder eine Jogginghose raussuchte, stoppte ich mich selbst. Ich entschied mich für etwas anderes heute. Etwas schöneres.
Vielleicht sollte ich mich auch mal öfter schminken.. das tat ich so selten.. und wenn, dann nicht mit besonders viel Mühe...

Ich stand einige Minuten vor dem Spiegel und betrachtete mich. Ich hatte nie wirklich drüber nachgedacht.. aber, ob wohl etwas nicht mit mir stimmte? Ob meine Beine wohl zu kurz waren? Ob ich zu dünn war...Ließ es mich unweiblich wirken?

Mit einem Kopfschütteln, von dem ich mir erhofft hatte, alle Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen, entfernte ich mich vom Spiegel und machte mich dann auch bald auf den Weg zur Schule, bevor ich noch zu spät kam.

Zu meinem Glück lief auch Enes gerade raus. Der muss doch erst viel später los, wenn er mit dem Auto fährt?!

Einfach nicht hinsehen. Einfach nicht hinsehen.

,,Hey, Partnerin! Wollen wir nicht zusammen fahren?", rief er rüber zu mir, als hätte er nur darauf gewartet, bis ich aus dem Haus kam.
Ich reagierte nicht und lief einfach weiter.

Einige Minuten später, hörte ich ein lautes Hupen neben mir.
Er fuhr mit seinem Auto im Schritttempo neben mir her.
,,Steig ein!", rief er mir zu.
Ich reagierte noch immer nicht.
,,Steig ein jetzt !"
Ich sah ihn grinsend an, während ich mir meine Kopfhörer in die Ohren steckte und meine Musik laut auf drehte.

So ein Idiot.

-

,,Noch irgendwelche Fragen?", beendete ich unsere Präsentation im Deutschunterricht, welche ich mir schlimmer Vorgestellt hatte, als sie im Endeffekt war.
Ich musste ihn noch nicht einmal angucken oder ansprechen.

,,Ich hab' eine Frage! Ich hab nicht so ganz verstanden, was der Unterschied zwischen einem Signifikat und Signifikant ist."

Ich hasse Schüler, die Fragen stellen. Klatsch doch einfach und sag am ende, dass du es ganz gut fandest, weil wir frei gesprochen haben. Meine Fresse.

Ego vs. EgoGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt