Yamila
Ich sehe ihn nicht an. Ich kann es nicht. Schon der bloße Gedanke an diesen Abend, an das, was damals passiert ist, schnürt mir die Kehle zu. Ich spüre, wie sich meine Fingernägel in meine Handflächen graben, um das Zittern zu unterdrücken. Die Stadt glitzert vor uns, doch in mir fühlt sich alles nur grau an.
„Du hast mir damals so wehgetan, Ryan.“ Meine Stimme klingt ruhig, viel zu ruhig für das Chaos, das in mir tobt. Ich sehe nicht zu ihm, weil ich weiß, dass ich in seinen Augen all das sehen würde, was ich nicht mehr fühlen darf. „Und ich komme nicht über dich hinweg, wenn du wieder in meinem Leben bist. Ich habe momentan größere Probleme, als mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen.“
Ein tiefer Atemzug. Seine Kiefermuskeln arbeiten. Ich kenne ihn zu gut, um nicht zu merken, dass meine Worte ihn treffen. Aber er würde es niemals zugeben. „Du musst Abstand halten. Wenn schon nicht für dich, dann wenigstens für mich.“
Schweigen.
Wir beide sehen hinab auf das Lichtermeer von New York, als würden wir hoffen, darin Antworten zu finden. Doch dort unten gibt es keine.
„Ich sollte gehen.“ Seine Stimme ist rau, fast widerwillig. Er dreht sich langsam zur Tür, doch bevor er geht, murmelt er leise: „Schlaf gut, Sunny.“
Und dann ist er weg.
Keine Widerrede. Keine dummen Sprüche. Keine Versuche, mich umzustimmen.
Ich weiß genau, was das bedeutet.
Ryan gibt niemals auf. Wenn er etwas will, dann nimmt er es sich. Und er will mich.
Wieder.
Wie damals.
Ich kann ihm nicht glauben. Nicht noch einmal. Das erste Mal, als ich ihm glaubte, als ich mich ganz ihm hingab, hat er mir mein Herz aus der Brust gerissen. Zerstört, zertreten, weggeworfen.
Und jetzt soll ich ihm glauben, wenn er sagt, dass er mich immer noch will? Dass er mich liebt?
Er wird nicht aufgeben.
Ich weiß es. Er wird mir nicht von der Seite weichen, immer in meiner Nähe sein, immer ein Auge auf mich haben, alle anderen von mir fernhalten. Das tat er schon früher.
Ich erinnere mich an all die Partys, auf denen er plötzlich auftauchte. Jedes Mal, wenn ein Typ mich nur ansah, reichte ein Blick von Ryan, um ihn dazu zu bringen, sich von mir fernzuhalten. Jeder kannte ihn. Jeder wusste, wer er war.
Ryan Orlando.
Der Mann, vor dem die Mütter ihre Töchter warnten. Der Mann, den jedes Mädchen wollte, obwohl sie genau wussten, dass er sie zerstören würde. Heiß. Geheimnisvoll. Dominant. Ein einziger Blick von ihm und du konntest spüren, dass er dich in den Wahnsinn treiben würde.
Und dann kam heraus, dass ich etwas mit ihm hatte.
Die Blicke der anderen Mädchen. Der Hass. Die Verachtung.
Und dann?
Dann haben sie gelacht.
Weil er mich benutzt hatte. Weil es von Anfang an nur ein Spiel für ihn war. Weil er nur meinen Körper wollte. Weil er nur mein erster sein wollte.
Weil ich so naiv war, zu glauben, dass ich ihm etwas bedeuten könnte.
Scheiße.
Ich spüre, wie meine Hände anfangen zu zittern.
Und dann dieser letzte Abend, bevor ich ins Internat geschickt wurde…
Dieser Abend, der mich komplett zerstört hat.
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Love me touchless
Romance●Wird bearbeitet. Beginn: 15.02.25● Es tutet, immer wieder. Und wieder. Und wieder. Dann kurz bevor sie es aufgeben wollte, geht jemand ans Telefon. ,,Daddy?" sagt sie fröhlich und erleichtert. ,,Ja?" seine Stimme, die mit Hass erfüllt ist, zerreißt...
