Er/Sie
Tim lehnte sich gegen den Türrahmen, während er Yamila beobachtete, wie sie ihre Tasche aufhob. Die Stille zwischen ihnen war schwer, fast greifbar, gefüllt mit unausgesprochenen Worten, mit Erinnerungen, die beide nicht mehr losließen.
„Willst du was trinken?“ Seine Stimme war ruhig, aber sie klang… vorsichtig.
Yamila schüttelte den Kopf. „Danke, nein. Ich gehe wieder.“ Sie hielt kurz inne, dann fügte sie hinzu: „Falls es Probleme gibt, dann komm vorbei. Oder ruf an, wenn du meine Nummer noch hast.“
Tim nickte nur. Natürlich hatte er ihre Nummer noch. Er hatte sie nie gelöscht – auch wenn er es hätte tun sollen.
Er hatte es lange allein versucht, hatte sich geschworen, sie nicht mehr in seine Probleme hineinzuziehen. Doch jetzt war sie hier. Wieder einmal. Genau wie früher.
Früher hatte sie ihn immer aus der Scheiße geholt. Und er hatte geschworen, dass es dieses Mal nicht wieder so laufen würde.
Yamila nahm einen tiefen Atemzug, ihre Finger umschlossen die Türklinke. Doch anstatt direkt zu gehen, verharrte sie noch einen Moment.
Sie hätte es nicht zugegeben, nicht einmal vor sich selbst, aber jetzt, wo sie hier stand – so nah bei ihm –, spürte sie, wie sehr sie ihn eigentlich vermisst hatte.
Wie sehr er ihr immer noch etwas bedeutete.
Seine tiefen braunen Augen, die sie früher so oft durchschaut hatten, sein vertrauter Duft, eine Mischung aus Zedernholz und etwas, das sie nicht ganz greifen konnte – es weckte Erinnerungen. Erinnerungen an eine Zeit, in der sie sich sicher gefühlt hatte, selbst wenn alles um sie herum in Flammen stand.
Sie hatte ihn damals geliebt.
Nicht so, wie andere es erwartet hätten. Nicht romantisch. Aber sie hatte ihn geliebt, trotz allem, was er war. Trotz seiner Fehler.
Trotz der Art, wie er sie manchmal behandelt hatte.
Er war ihr bester Freund gewesen. Ihr Bruder im Geiste. Ihr Zuhause in einer Welt, die sie nie wirklich verstanden hatte.
Oder zumindest hatte sie das geglaubt.
Yamila blinzelte die aufkommenden Gedanken weg und hob leicht den Kopf. „Es tut mir leid wegen deiner Mom…“
Tim nickte nur. Kein weiteres Wort.
Vor sechs Jahren hatte seine Mutter ihn verlassen. Und nun hatte er die Nachricht erhalten, dass sie gestorben war.
Er zeigte keine Reaktion, aber Yamila kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass es ihn mehr traf, als er sich eingestehen wollte.
Gefühle zeigen – das war noch nie ihre Stärke gewesen. Weder seine, noch ihre.
Sie öffnete schließlich die Tür, trat hinaus.
Tim überlegte, noch etwas zu sagen. Irgendetwas.
Doch er ließ es bleiben.
Vielleicht, weil er wusste, dass es sinnlos war. Oder vielleicht, weil er Angst hatte, dass es nicht das wäre, was sie hören wollte.
Insgeheim hatte sie sich gewünscht, dass sie noch ein letztes Gespräch führen würden, ein ehrliches. Dass er ihr vielleicht zeigte, dass sie ihm doch noch etwas bedeutete.
Doch selbst wenn er es getan hätte – sie wäre trotzdem gegangen.
Ihr Stolz hätte es nicht anders zugelassen.
Sie musste ihn vergessen. Seine Familie. Seine Fehler. Und vor allem musste sie endlich aufhören, ihn unterbewusst zu entschuldigen.
Sie musste aufhören, ihn gutzumachen, wenn er es selbst nicht einmal versuchte.
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Love me touchless
Romance●Wird bearbeitet. Beginn: 15.02.25● Es tutet, immer wieder. Und wieder. Und wieder. Dann kurz bevor sie es aufgeben wollte, geht jemand ans Telefon. ,,Daddy?" sagt sie fröhlich und erleichtert. ,,Ja?" seine Stimme, die mit Hass erfüllt ist, zerreißt...
