Yamila
Mein Zimmer sieht aus, als hätte ich es gestern erst verlassen.
Alles ist aufgeräumt, jeder Gegenstand an seinem Platz, die Luft riecht nach frischer Bettwäsche und ein Hauch von Vanille – mein Lieblingsduft, den Yannie früher immer heimlich in mein Zimmer gesprüht hat, wenn ich gestresst war.
Meine Pflanzen, von denen ich erwartet hatte, dass sie längst eingegangen wären, stehen kräftig und gesund auf der Fensterbank. Sie neigen sich leicht zur Sonne, als wollten sie mir stumm „Willkommen zurück“ zuflüstern. Die Dekoration ist der Jahreszeit angepasst, herbstliche Farben ziehen sich wie ein roter Faden durch den Raum.
Ich atme tief ein.
Yannie steht neben mir, die Arme locker verschränkt, doch in ihrem Blick liegt eine Spur Unsicherheit – als ob sie auf eine Bestätigung wartet.
„Ich habe hier alles in Schuss gehalten, während du die Welt erkundet hast,“ sagt sie schließlich mit einem kleinen Lächeln. „Ich hoffe, es gefällt dir.“
Meine Kehle wird eng. Ich wusste, dass sie mich vermisst hat, aber so sehr? Sie hatte sich nie von sich aus gemeldet und auch nie sonderlich Lust zum telefonieren gehabt.
„Auch ein paar deiner schönsten Bilder habe ich ausgedruckt und an deine Fotowand gehängt.“ Sie deutet mit dem Kopf auf die Wand über meinem Schreibtisch. „Und ich habe dir neue Kleidung gekauft. Jetzt, wo du endlich gefunden hast, wer du bist. Natürlich genau nach deinem Geschmack.“
Ich drehe mich zu ihr um, fassungslos.
„Und …“ Sie senkt den Blick, spielt mit einer Haarsträhne. „Ich habe mich darum gekümmert, dass dein Klavier gestimmt ist. Mir war langweilig … so ganz allein.“
Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen.
Ich trete einen Schritt auf sie zu, drücke sanft ihre Hand. „Danke, Yannie. Es ist perfekt.“
Ich spüre, wie sie sich entspannt, als sich ein sanftes Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet.
Langsam gehe ich zur Fotowand, betrachte die Erinnerungen, die sie so sorgfältig arrangiert hat. Sonnenuntergänge über fremden Ländern, wilde Tiere, lachende Gesichter. Doch dann bleibt mein Blick an einem Bild hängen. Wie in Trance starre ich es an.
Es ist ein altes Foto von mir und Tim.
Ich. Neben ihm. Damals noch ein Junge mit weichen Zügen, rundlichen Wangen und einem breiten Grinsen.
Ich blinzle. Erinnerungen prasseln unaufhaltsam auf mich ein – Nächte voller Lachen, Gespräche, Geheimnisse. Doch auch die letzte Erinnerung an ihn drängt sich unbarmherzig in den Vordergrund.
„Mit so einer Schlampe wie dir will ich nicht in Verbindung gebracht werden. Ich habe Besseres zu tun.“
Mein Magen zieht sich vor Schmerz zusammen, doch meine Miene bleibt regungslos.
„Ich dachte, du willst das vielleicht behalten…“ Yannies Stimme klingt leise, fast vorsichtig.
Ich nehme das Bild von der Wand und drehe es mit der Rückseite nach oben.
„Danke, aber ich will es nicht.“
Yannie beobachtet mich einen Moment. Ich kann sehen, dass sie nach den richtigen Worten sucht.
„Was macht er jetzt so?“ frage ich scheinbar beiläufig, doch meine Stimme klingt härter, als ich es beabsichtigt hatte.
Sie zuckt mit den Schultern. „Er ist nicht mehr der, den du kanntest.“
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Love me touchless
Romansa●Wird bearbeitet. Beginn: 15.02.25● Es tutet, immer wieder. Und wieder. Und wieder. Dann kurz bevor sie es aufgeben wollte, geht jemand ans Telefon. ,,Daddy?" sagt sie fröhlich und erleichtert. ,,Ja?" seine Stimme, die mit Hass erfüllt ist, zerreißt...
