Yamila
Die Nacht liegt still über der Stadt. Ein sanfter Wind streicht durch die Blätter der Bäume, trägt das entfernte Rauschen der Straßen zu uns herauf. Yannie und ich sitzen auf dem Balkon, eingehüllt in die warme Nachtluft, während unsere Blicke über den unendlichen Himmel schweifen.
Heute ist ein besonders klarer Sternenhimmel – einer von denen, die Erinnerungen wecken.
Yannie dreht ihren Kopf zu mir, ihre blauen Augen spiegeln das sanfte Licht der Sterne wider. „Weißt du noch, wie wir uns hier immer versteckt haben, wenn Mom und Dad sich gestritten haben?“
Ich nicke, ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Ja … wir haben ein Zelt aus Decken gebaut und uns die verrücktesten Geschichten ausgedacht.“
Ich erinnere mich an die Nächte, in denen wir uns hier oben eingekuschelt haben, während die Schreie unserer Eltern durch das Haus hallten. Damals war es unser sicherer Hafen. Ein Ort, an dem wir ungestört wir selbst sein konnten.
Früher war alles einfacher. Früher mussten wir uns nicht in eine Form pressen lassen, die uns nicht passte. Früher durfte Yannie noch Prinzessin sein und ich Entdeckerin.
Aber früher war vorbei.
Seit unsere Mutter gegangen ist und Ricardo – unser Vater – sich nur noch in Arbeit vergräbt, ist alles anders. Yannie, die einst so fröhlich war, scheint heute schüchterner, unsicherer, als hätte sie sich selbst irgendwo auf dem Weg verloren. Und ich? Ich bin nur noch eine Hülle. Gefühllos. Unnahbar.
Ich kann Mom nicht verzeihen.
Ich kann ihr nicht verzeihen, dass sie uns in einer Zeit verlassen hat, in der wir sie am meisten gebraucht hätten.
Aber genau in diesem Moment, unter diesem weiten Himmel, fühlt es sich fast so an, als wäre alles in Ordnung.
„Wir sind so erwachsen geworden …“ murmele ich, während mein Blick weiter in den Himmel gerichtet bleibt.
Yannie nickt langsam. Dann flüstert sie: „Versprich mir, dass du nie wieder so lange weggehst. Nicht ohne mich.“
Ich sehe zu ihr und spüre die Verletzlichkeit in ihren Worten.
Meine kleine Schwester.
Ich hebe eine Hand, streiche sanft über ihre. „Ist gut.“
Ein leises Lächeln huscht über ihr Gesicht, bevor ihr Handy aufleuchtet.
„Sieh mal.“ Sie reicht mir ihr Handy.
Ich starre auf den Bildschirm. Ein Video eines Sängers, der scheinbar in letzter Zeit angesagt ist.
„Ist das dieser neue Sänger?“ frage ich.
Yannie nickt begeistert. „Ja! Sein neuer Song. Seine Stimme ist einfach perfekt.“
Ich höre kurz hin und zucke dann mit den Schultern. „Ja, man könnte meinen, er nutzt Auto-Tune.“
Yannie lacht und stupst mich spielerisch an. „Du bist so gemein! Er ist echt gut!“
Ich lache leise mit. Es fühlt sich gut an, dass sie lacht. Dass wir für einen Moment einfach nur zwei Schwestern sein können.
Doch dann sieht sie mich mit einem seltsamen Blick an.
„Sing mir was vor.“
Ich blinzele, schaue von ihrem Handy auf. „Was?“
„So wie früher.“ Ihre Stimme ist sanft, fast bittend. „Ich habe es immer geliebt, wenn du für mich gesungen hast.“
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Love me touchless
Romance●Wird bearbeitet. Beginn: 15.02.25● Es tutet, immer wieder. Und wieder. Und wieder. Dann kurz bevor sie es aufgeben wollte, geht jemand ans Telefon. ,,Daddy?" sagt sie fröhlich und erleichtert. ,,Ja?" seine Stimme, die mit Hass erfüllt ist, zerreißt...
