Kapitel 12

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Anna

Seitdem Dad letzte Woche aufgewacht ist, ging es ihm viel besser. Der Arzt sagte, dass er riesige Fortschritte machte. Jeden Morgen pünktlich zum Frühstück erhielt ich einen Brief von ihm. Darin stand, dass es ihm gut ging und dass er stolz auf mich sei und anschließend erzählte er noch ein bisschen über das Krankenhausgeschehen.
Als ich ihm erzählte, wie es mir nach dem Krieg ging, sagte er, er wäre unglaublich stolz auf mich. Und er war auch froh, dass es Harry langsam wieder besser ging. Dad fand auch, dass es totaler Quatsch war, dass er sich die ganze Zeit nur Vorwürfe machte. Zumindest gab er Harry keine Schuld....

Ich war gerade auf dem Weg zum Ravenclaw-Gemeinschaftsraum, als Harry mich auf den Treppen abfing.
„Hey Anna. Hast du gerade schon was vor?", fragte er mich plötzlich. Ich hatte nicht gemerkt, dass er mir nachgelaufen war.
„Ehem nein. Was ist ist los?", fragte ich verwundert. Er war irgendwie anders. Man konnte sofort sehen, dass etwas nicht stimmte.
„Ich möchte mal mit dir reden."
Anscheinend stand ich mit einem besorgtem Gesichtsausdruck vor ihm, weshalb er schnell beifügte: „Nichts schlimmes, keine Sorge!"
„Ja okay. Klar.", antworte ich ihm lächelnd. Er freute sich, nahm meine Hand und zog mich wieder mit nach unten. Irgendwann nahm er mir meine Schultasche ab, da ich keine Gelegenheit hatte sie abzulegen. Dann gab er mir seinen Mantel und zog mich mit nach draußen. Es musste ihm wohl sehr wichtig sein, wenn ich nicht mal meinen eigenen Mantel holen durfte. Sofort füllte sich die Lunge mit der kühlen Herbstluft. Die Sonne war fast komplett hinter dem Hügel verschwunden, weshalb es bereits ziemlich dunkel war. Harry ging einfach weiter in Richtung der Hütte von Hagrid.
„Wir gehen doch nicht jetzt noch runter zu Hagrid, oder?"
„Nein. Ich möchte nur ein wenig weiter weg von der Schule sein.", gab er leise zurück.
„Okay. Also was gibts?", fragte ich lächelnd.
„Ehem also es geht um mich. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll...."
„Du weißt, dass ich die Liebe egal was es ist.", sagte ich fast ein bisschen vorwurfsvoll. Ruckartig hob er den Kopf und schaute mich verwirrt an.
„Du liebst mich?", sagte er verwundert.
„Ja. Wie ein Bruder Harry! Du bist mein Bruder. So wie wir die letzten Jahre miteinander verbracht haben. Und gerade erst diesen Sommer. Alleine bei dir zu Hause.", erklärte ich. Er schien den Schock zu verarbeiteten und atmete schließlich erleichtert aus.
„Für einen Moment habe ich gedacht...."
„Du hättest es besser wissen können.",gab ich schnell und lachend zurück.
„Man weiß ja nie.", grinste er.
„Na los. Jetzt erzähl mal.", ermunterte ich ihn.
„Also du weißt ja, dass ich mit Ginny zusammen war. Und es hat sich aber nie so richtig Richtig angefühlt."
Er ließ eine kleine Pause, aber ich sagte nichts. Er schien gerade darüber nachzudenken, was er als Nächstes sagen sollte. Ich sah im Augenwinkel wie er die Augen zusammenkniff und tief Luft holte.
„Ich glaube ich steh auf Männer.", sagte er so schnell, dass ich Mühe hatte es zu verstehen. Er sah unsicher zu Boden. Also blieb ich stehen, packte ihn bei den Schultern und drehte ihn zu mir.
„Harry.", sagte ich ruhig und hob sein Kopf an damit er mich ansah.
„Aber das ist doch eine gute Neuigkeit. Warum bist du so unsicher?", ich lächelte ihm aufmunternd zu.
„Ich war mir nur nicht sicher, wie du reagieren würdest."
„Hör mal. 1. Ich finde toll, dass du herausgefunden hast, was dich glücklich macht und 2. brauch es dich nicht zu interessieren was andere denken, solange es dich glücklich macht.", er fing jetzt auch an zu lächeln.
„Ich habe gestern schon gemerkt, dass irgendetwas anders ist. Du warst irgendwie fröhlicher als sonst. Positiver. So habe ich dich schon lange nicht mehr gesehen und bin einfach nur froh darüber."
Harry nahm mich fest in den Arm.
„Danke!", nuschelte er in meine Haare. Dann löste er sich wieder von mir.
„Du brauchst dich nicht zu bedanken."
„Okay. Wenn wir jetzt schon so dabei sind will ich dir auch sagen, in wen ich mich glaube ich verliebt habe.". Ich lächelte ihn erwartungsvoll an.
„Es ist Draco."
Er hätte mich nicht mehr überraschen können.
„Draco?"
„Ja...", sagte er und schaute wieder zu Boden.
„Hey Hey.", er hob schnell wieder den Kopf. „Wenn du mir erzählst in wen du dich verliebt hast, sagst du das gefälligst mit Stolz!", sagte ich mit Nachdruck. „Du hast mich nur überrascht."
Er sah augenblicklich erleichtert aus. Ich war wirklich überrascht wie es wohl dazu kam, aber Draco hatte sich komplett verändert. Er war nett. Und Hilfsbereit. Und erkundigte sich oft nach Dad. Und er schien sich aufrichtig zu freuen, dass er wieder wach war und es ihm gut ging.
„Aber Harry?"
„Ja?"
„Erzählst du mir auch wie es dazu gekommen ist?", fragte ich neugierig?
„Ja.". Er schien überglücklich.
„Also. Vorgestern hatten wir Unterricht bei Slughorn. Da haben wir ja wie du weißt eine Partnerarbeit. Draco und ich haben uns dann in der Bibliothek verabredet. Als ich ankam, war er schon da und hatte bereits ein paar Bücher rausgesucht. Also fingen wir an zu arbeiten. Ich spürte aber ständig seinen Blick auf mir, also fragte ich ihn was los sei. Er sagte nur, dass er mit mir nicht darüber reden konnte und verschwand zwischen den Regalen. Also lief ich hinterher. Ich hab versucht ihn zu überredet, dass er mir sagt was los ist. Irgendwann ist er einfach auf mich zugekommen, hat mich gegen die Wand gedrückt und geküsst. Ich war so perplex und konnte mich gar nicht mehr bewegen. Dass Draco mich küsste, überraschte mich. Aber dieses Gefühl, dieses Kribbeln überall. Es setzte sofort ein, als er mich berührte. Das verwirrte mich noch mehr. Als Draco sich dann von mir löste, konnte ich mich nicht bewegen. Mein Kopf war damit beschäftigt diese Gefühl zuzuordnen. Sowas hatte ich noch nie...." er machte eine kurze Pause.
„Draco sah mich nur traurig an. Er dachte wohl, er hätte einen Fehler damit gemacht. Langsam lief er rückwärts, bis er irgendwann ganz weg ging. Ich rief ihm hinterher und dann konnte ich mich auch endlich wieder bewegen. Er stand an einem Tisch mit dem Rücken zu mir. Also drehte ich ihn um und küsste ihn. Es war so ein unbeschreibliches Gefühl, als er es erwiderte. Selbst jetzt kribbelt mein ganzer Körper."
„Ach Harry. Das ist so schön."
Er sah mich überglücklich an. Mit einem Blick, den ich so lange nicht bei ihm sah.
„Wissen es Ron und Hermine schon?", fragte ich.
„Nein. Ich wollte es ihnen bald sagen. Würdest du mitkommen?"
„Klar."
Ich nahm Harry bei der Hand und zog ihn mit rein, weil es ziemlich kalt war. Ich gab ihm seinen Umhang zurück und er mir meine Tasche. Er sollte auf mich warten während ich meine Sachen in mein Zimmer brachte und die anderen holte.

After war of WizardsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt