Anna
Nachdem Harry und Draco ihren großen Auftritt hatten, ging ich an die frische Luft. Es dauerte einen Moment, aber dann war plötzlich die ganze Tanzfläche voll mit tanzenden Paaren. Sie haben wohl Mut geschöpft.
Ich suchte mir einen Platz, etwas abseits auf einer Bank, der einen perfekten Ausblick auf den Wald bot. Bei dieser Aussicht wurde mir immer bewusst, dass es noch so viel zu entdecken gab in dieser Welt.
Ich genoss einige Zeit die frische Luft und ging meinen Gedanken nach. Zwischendrin nahm ich immer mal wieder einen Schluck aus meinem Flachmann. Plötzlich spürte ich, wie sich eine warme Jacke über meine Schultern legte. Erschrocken sah ich mich um. Es war Professor Connor.
„Hier draußen ist es ziemlich kalt. Finden Sie nicht?", fragte er. Ich wandte mich wieder dem Wald zu. Er kam um die Bank herum und ging vor mir in die Hocke. Langsam griff er nach dem Flachmann, den ich noch immer in der Hand hielt.
„Hm. Pfirsich-Likör.", stellte er fest, nachdem er an ihm gerochen hatte. Ich drehte meinen Kopf etwas nach rechts, um ihn nicht mehr ansehen zu müssen. Er saß noch immer vor mir.
„Sie wissen sicher selbst, dass hier ein Alkohol-Verbot herrscht?"
Ich reagierte nicht.
„Anna?"
Er hatte meinen Vornamen gesagt. Oder nicht? Achtsam stellte er das kleine, silberne Fläschchen neben mich auf die Bank und legte seine rechte Hand auf meine linke, die sich auf der Bank abstützte. Ruckartig drehte ich den Kopf und schaute direkt in diese Karamellfarbenen Augen.
Was macht er da bloß?
Dass er es nicht durfte, änderte nichts an der Tatsache, dass ich es wollte. Er musterte mein Gesicht, wobei ich noch immer meine Maske trug. Es raubte mir den Verstand zu sehen, wie seine Augen so über mich wanderten. Schließlich richtete er sich auf und zog mich mit hoch.
Er stand wenige Zentimeter vor mir und hielt noch immer meine Hand. Seine braunen Augen schauten direkt in meine. Mein Herz hämmerte gegen die Brust. Der Verstand schrie. Aber der Bauch wollte es. Bevor ich noch weiter darüber nachdenken konnte, küsste er mich. Langsam. Abwartend. Meine freie Hand legte sich wie von selbst auf seine Brust. Der Kuss wurde immer intensiver. Mittlerweile hatte seine Hand meinen Hinterkopf gefunden, welche den Druck auf den Lippen nochmals verstärkte. Ich konnte nicht anders.
Es fühlte sich so gut an, obwohl es so falsch war. Ruckartig löste ich mich von ihm, griff nach meinem Flachmann und stürmte in die Halle.
Mein Blick suchte Harry, der mit Draco, Hermine und Ron an einem der Tische saß. Ohne etwas zu sagen, ließ ich mich auf den freien Stuhl zwischen Harry und Ron fallen. Hermine, die mir gegenüber saß, musterte mich. Ich konnte beobachten wie sich ihre Augen weiteten, als sie schließlich an mir vorbei sah.
„Anna...", sagte sie ungläubig. „Hast du?..."
Obwohl wir nie darüber gesprochen hatten, wusste ich genau was sie meinte. Ich nickte ganz leicht. Die Männer am Tisch verstanden nichts, aber verfolgten uns mit ihren Blicken.
Mir war nicht klar, dass ich noch immer sein Jackett trug. Erst als ich Hermines Reaktion sah, wurde ich mir meiner Schuld so richtig bewusst. Was verdammt nochmal hatte ich getan? Langsam strich ich mir die Jacke von den Schultern und sah mich um. Er stand wieder neben dem Eingang. Natürlich ohne Jackett. Draco sah zwischen Hermine und mir hin und her, bis es ihm auffiel. Er drehte sich ebenfalls zu dem Mann um.
„Oh verdammt...", hörte ich ihn flüstern. Harry und Ron verstanden es noch immer nicht. Die vier Augen von Hermine und Draco lagen jedoch auf mir. So gut es ging, versuchte ich die Wand hinter ihr anzustarren. Ich hob meine Hand, in der das kleine Fläschchen lag und nahm einige Schlücke, bis er mir ruckartig aus der Hand gerissen wurde. Mein Rachen brannte und spürte, wie sich die Wärme durch den Hals schlängelte und sich augenblicklich in mir ausbreitete.
„Was ist da drin?", fragte Harry entsetzt und roch an der Öffnung.
„Pfirsich-Likör", gab ich emotionslos zurück.
„Ist das dein Ernst. Willst du von der Schule fliegen?", fragte er wütend, aber ich reagierte nicht.
„Anna!". Er drehte ruckartig meinen Kopf in seine Richtung. Er zog mir meine Maske aus und versuchte etwas in meinem Gesicht zu erkennen, blieb jedoch unwissend.
„Verdammt. Wie viel hast du getrunken? Hallo? Bekommst du überhaupt noch was mit?"
Ich hörte ihn sprechen, aber konnte mich nicht darauf konzentrieren, um ihm zu antworten. Mein Blick blieb an der Wand hinter Hermine hängen, die sich langsam aber sicher anfing zu bewegen.
„Das kann doch nicht ihr verdammter ernst sein.", hörte ich erneut seine Stimme.
„Harry... beruhige dich..."
„Wieso sollte ich? Was soll ich denn jetzt mit ihr machen? Remus wird mir die Hölle heiß machen, wenn er davon erfährt."
„Dad?" fragte ich verwirrt.
„Ja dein Dad."
„Ich liebe meinen Dad.", lallte ich daher.***
Ich wurde von lauter Musik wach. Für einen Moment hatte ich Probleme mich zu orientieren. Mit meinem Kopf lag ich auf einer Schulter. Es war Rons. Langsam richtete ich mich auf.
„Was ist passiert?", fragte ich leise.
„Du hast ein bisschen zu viel getrunken. Erst hast du eine Dreiviertel Stunde auf Harrys Schulter geschlafen, aber ich hab ihn dann abgelöst vor ein paar Minuten. Hermine holt gerade etwas Wasser.", sagte er merkwürdig amüsiert.
„Ach und Professor McGonagall kam vorbei und hat sich nach dir erkundigt. Harry konnte sie aber überzeugen, dass du nur extrem erschöpft warst."
„Oh man..."
Langsam wurden meine Gedanken wieder klar. Mein Kreislauf musste auch erstmal wieder in Schwung kommen.
„Hier.", sagte Hermine und stellte ein Glas Wasser vor mich. Durstig trank ich es auf einmal leer.
„Wie gehts dir?"
„Ich denke ganz gut. Wo ist Harry? Ich muss mit ihm sprechen."
„Er ist da drüben und tanzt gerade mit Draco. Es hat ein Moment gedauert, bis er sich beruhigt hat.", erklärte Hermine.
„Okay. Ich gehe zu ihm."
Entschlossen stand ich auf. Wartete kurz, bis der anfängliche Schwindel verschwunden war und steuerte auf die beiden tanzenden Männer zu.
„Darf ich?", bat ich Draco, der lächelnd nickte. Er überließ mir Harrys Hand und verschwand zu den anderen an den Tisch.
„Harry..", begann ich.
„Was ist in dich gefahren?", fragte er ruhig, jedoch spürte ich, dass es ihm viel Kraft kostete nicht wütend zu werden.
„Es tut mir leid...."
„Ich hoffe es doch. Du hättest von der Schule fliegen können, wenn du erwischt worden wärst."
„Ich weiß..."
„Und warum machst du es dann?", fragte er aufgebracht.
„Professor Connor weiß es.", gab ich mit gesenktem Blick zu.
„Was?"
Er verharrte in seiner Bewegung.
„Er wird nichts sagen."
„Sicher?"
„Ziemlich..."
„Warum sollte er es für sich behalten?", langsam fing er wieder an zu tanzen.
„Weil ich dann sagen könnte, dass er mich geküsst hat...", ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Er hob meinen Kopf an und schaute mich intensiv an.
„Er hat was?", fragte er ruhig.
„Er hat mich geküsst", flüsterte ich mit Tränen in den Augen.
„Hat er dir was getan? Warum weinst du? Du musst es McGonaggal sagen! Anna. Er wird von der Schule verwiesen."
„Nein! Harry...."
Er sah mich verwirrt an.
„Warum nicht?", fragte er langsam. Ich war mir sicher, dass er die Antwort längst wusste.
„Weil ich ihn liebe...", sagte ich so leise, dass ich es selbst kaum hören konnte. Harry verstand aber jedes Wort. Mir liefen unkontrolliert die Tränen. Zum Teil wegen meiner aussichtslosen Situation. Zum anderen war der Alkohol daran schuld.
„Oh Anna....", sagte er ruhig und nahm mich in den Arm.
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After war of Wizards
Hayran KurguNach der Schlacht, kehren einige Hexen und Zauberer zurück, um das 7. Jahr in Hogwarts zu beenden. Doch die Folgen des Krieges sind nicht zu leugnen. Wie geht man als 18-jähriger mit den Folgen um? Und was passiert, wenn mal nicht viel passiert? Sin...