Anna
Ich konnte gar nicht anders, als ihn anzugrinsen.
„Na... habt ihr gut gelernt?", fragte ich provozierend. Sofort wurden seine Wangen wieder so rot wie in der Bibliothek. Er sah nur nachdenklich zu Boden.
„Was ist los? An was denkst du?"
Es dauerte einen Moment bis er antwortete.
„Es ist nichts. Alles gut."
„Na, wenn du das so sagst, stimmt es wohl.", gab ich sarkastisch zurück. Auf meine Bemerkung reagierte er nicht.
„Sag mal, was wollte eigentlich Professor Connor von dir?", fragte er schließlich.
„Was?". Wie kam er denn jetzt da drauf? Hat er gesehen, wie ich ihn immer anstarrte?
„Letztens solltest du doch nach der Stunde noch bleiben... Was wollte er von dir?"
Erleichterung.
„Ach so. Er wollte nur wissen, ob es mir gut geht. Weil Harry mich ja so angebrüllt hat.", gab ich zurück.
„Ah okay. Aber du kommst damit klar, oder?"
„Ja... es war schon ziemlich....", kurz musste ich nach dem richtigen Wort suchen, welches ich trotzdem nicht fand. „Ach keine Ahnung... Er hat mich vorher nie angeschrien.". Es versetzte mir erneut einen Stich.
„Aber du weißt ja warum er so reagiert hat. Es lag ja nicht an dir."
Mir kamen wieder die Zeiten in den Kopf, als ich abends alleine aß, weil Harry mich mal wieder ignorierte.
„Ja... Da versuche ich auch immer dran zu denken...", im gehen, legte ich den Kopf in den Nacken und versuchte meine Tränen zu unterdrücken.
„Es ist trotzdem nicht leicht, so von jemandem angebrüllt zu werden, der einem so viel bedeutet.", sprach ich weiter.
„Er bedeutet dir wirklich viel", stellte Draco leise fest.
„Ja klar. Schau mal. Harry hatte niemanden mehr, seit Sirius Tod. Nach dem Krieg sind wir dann zusammen in sein Haus gezogen. Als die Weasleys dann irgendwann auszogen, hatten wir nur noch uns. Und dann fing Harry ja an sich zurück zu ziehen. Aber das habe ich dir ja schonmal erzählt.", ich machte eine kurze Pause. „Ich war alleine. Ich hatte niemanden mehr. Harry ignorierte mich. Tag für Tag tat es mehr weh ihn so zu sehen. Er war dennoch der einzige Halt, der mir blieb...."
„Wow... Dir muss es ja richtig mies ergangen sein.". Er blieb stehen und sah mir in die Augen. Noch immer kämpfte ich mit den Tränen. Als er es bemerkte, ging er einen Schritt auf mich zu und nahm mich in den Arm. Es war das erste Mal, dass er so etwas tat. Aber in diesem Moment war es genau das Richtige. Ich legte meine Stirn an seine Schulter und weinte. Dracos Nähe beruhigte mich und mir war egal, ob mich die anderen weinen sahen oder nicht. Es tat gut, nicht stark sein zu müssen.
Nach einigen Minuten, die wir so dastanden, konnte ich endlich aufhören zu weinen.
„Danke", flüsterte ich in den nassen Stoff seiner Schulter.
„Nicht dafür."
Er löste sich von mir und sah in mein verweintes Gesicht.
„Wenn du mit jemandem reden möchtest, habe ich auch immer ein offenes Ohr, okay?"
Von dem alten Draco war keine Spur mehr zu erkennen. Er hatte sich in einen anderen Menschen verwandelt. Ich fragte mich, was genau ihn dazu bewegt hatte, sich so sehr zu verändern.Eine Gruppe von Schülern, die an uns vorbei lief, erinnerte mich daran, dass ich noch etwas erledigen musste. Schnell wischte ich mir die letzten Tränen aus dem Gesicht und richtete Dracos Hemd, welches an der rechten Schulter komplett nass war. Zum Glück war ich nicht der Typ für Make-Up, sonst wäre sein Hemd nicht nur Nass, sondern auch noch bunt.
„Tut mir leid.", sagte ich leise während ich den Umhang über seine Schulter hob.
„Alles gut, Anna.", sagte er ernst.
„Jetzt sieh mich doch nicht so an, Draco. Das zieht mich ja noch mehr runter."
In seinem Blick konnte ich das Mitleid deutlich erkennen. Als er meine Worte hörte, veränderte er seine Miene, die ich aber nicht mehr deuten konnte. Er versuchte wohl irgendwie auszusehen, nur eben nicht mitleidig.
„Verdammt!". Mir fiel plötzlich ein, dass ich bei Professor Connor noch ein Buch abholen musste, welches er mir leihen wollte. Darin ging es um verschiedene Tierwesen und sollte mir bei meinem Aufsatz helfen.
„Was ist los?", fragte Draco.
„Ich muss nochmal zu Professor Connor. Kannst du mitkommen?"
„Eh klar. Aber warum brauchst du dabei Hilfe?", fragte er verwirrt.
„Ich brauche keine Hilfe. Ich möchte nur nicht alleine hin.", gab ich zu.
„Oooookaaaay.....", er schien verwirrt zu sein. Aber bevor er nachfragen konnte, warum ich nicht alleine zum Professor wollte, ging ich schnell los. Den ganzen Weg über, hatte Draco Mühe überhaupt mit mir mitzuhalten. Das brachte ihn davon ab, mir Fragen zu stellen auf die ich keine Antworten hatte.
Der große, dunkelhaarige Mann saß an seinem Pult, als wir den Saal erreichten. Ich ging gerade durch die große Holztür, als er aufsah. Sein Gesichtsausdruck hellte sich augenblicklich auf... Bis er Draco hinter mir sah. Leicht verwirrt sah er zwischen uns hin und her. Kopfschüttelnd fasste er sich und begrüßte uns beide.
„Sie sind bestimmt wegen des Buches hier, Miss Lupin?"
„Ja genau.". Langsam ging ich auf ihn zu. Seine braunen Augen waren immer noch auf mich gerichtet, während er in die Schublade seines Pultes griff und ein großes, dunkelblaues Buch herauszog. Mit einem Blick zu Draco, deutete ich ihm an, dass er mit mir nach vorne gehen sollte, was er zum Glück sofort verstand.
„Bringen Sie es einfach zurück, wenn sie Ihren Aufsatz über den Hornschwanz fertig haben."
Er streckte mir leicht lächelnd das Buch entgegen.
„Und was kann ich für sie tun Mr. Malfoy?", fragte er Draco, ließ jedoch den Blick nicht von mir ab.
„Ich..", begann er, bis ich ihn unterbrach.
„Er begleitet mich heute.",, sagte ich schnell, während ich das Buch in meiner Tasche verstaute.
„Also gut.", antwortete der Mann schließlich und sah erneut prüfend zwischen uns hin und her.
„Danke Professor. Ich bringe es dann das nächste Mal wieder mit. Wir müssen dann wieder los.", sagte ich schnell. Ohne lange darüber nachgedacht zu haben, nahm ich Dracos Hand.
„Wir wollten doch noch etwas holen, bevor wir zum See gehen."
Bevor der Professor Dracos verwirrten Blick sehen konnte, zog ich ihn eilig aus dem Raum. Erst als wir im nächsten Korridor ankam, ließ ich ihn los.
„Was war das denn bitte?", fragte er ernst.
„Sorry...", gab ich leise zurück.
„Anna. Ich wollte keine Entschuldigung hören, sondern eine Erklärung...", drängte er.
„Ist Ja okay. Aber lass uns weiter gehen, bevor er noch hier lang kommt."
Augenblicklich ging ich wieder los und Draco mir hinterher.
„Also?"
„Ja... Also... Ich glaube, dass er auf mich steht.", sagte ich schnell.
„Was? Wie kommst du denn darauf?"
Ich verwirrte ihn nur noch mehr.
„Hast du es nicht gesehen? Er hat mich nicht aus den Augen gelassen. Als er gesehen hat, dass du hinter mir bist, hat sich sein Gesichtsausdruck sofort verändert. Und ich glaube, dass er das Buch gestern schon im Pult hatte und mir nur gesagt hat, dass er es holen müsste, damit ich es alleine bei ihm abholen sollte.", erklärte ich. Ihm schien es einzuleuchten.
„Oh mein Gott. Die Nachfrage wie es dir geht... Lehrer-Schüler Beziehung sind verboten!", sagte er schließlich. Ich sah zu Boden.
„Ich weiß.", gab ich leise von mir.
„Oh Anna. Bitte nicht.". Er hob meinen Kopf an, um mir in die Augen zu sehen. „Sag jetzt bitte, dass das was ich gerade denke nur Schwachsinn ist."
Er wusste es. Er wusste, dass ich mich in meinen Professor verliebt hatte.

DU LIEST GERADE
After war of Wizards
FanfictionNach der Schlacht, kehren einige Hexen und Zauberer zurück, um das 7. Jahr in Hogwarts zu beenden. Doch die Folgen des Krieges sind nicht zu leugnen. Wie geht man als 18-jähriger mit den Folgen um? Und was passiert, wenn mal nicht viel passiert? Sin...