Ich trank einen Schluck Tee und genoss einen Moment meine Ruhe. An sich war der Speisesaal überfüllt und laut, was man selbst bis in meine Ecke hörte. Doch immerhin hatte ich einen Tisch für mich alleine. Und ich hatte ein bisschen Zeit ohne soziale Interaktion dringend nötig. Das war auch der Grund, weshalb ich Tinas Angebot, mich fürs Abendessen zu ihr und den anderen zu setzen, dankend abgelehnt hatte.
Leider währte diese Ruhe nicht allzu lange. Ich war nicht mal mit meinen beiden Broten fertig, als jemand den Stuhl mir gegenüber zurückzog. Einerseits war ich mir sicher, dass ich diesen Jungen noch nie gesehen hatte, aber andererseits kam mir einiges an ihm doch ganz bekannt vor.
„Na, Miss Moralapostel?", begrüßte er mich. Dann ging mir auch ein Licht auf. Er war derjenige, mit dem Thea gekommen war. Der einzige Unterschied zu heute Mittag war, dass er diesmal keine Brille aufhatte.
„Du hast keinen anderen Tisch, an den du dich setzen kannst?"
„Ich könnte, aber meine Mitbewohner sind mir gerade zu anstrengend. Ich wette, du musst dein Zimmer nicht mit einer wandelnden Bombe teilen."
Ich hielt inne, das Stück Schwarzbrot noch in meiner Hand. Ich hatte schon eine Ahnung, mit wem er da in einem Zimmer gelandet war. „Lukas?"
Er nickte gequält. „Anscheinend hast du ihn schon kennengelernt. Er mag zwar ein Genie sein, aber sein Feuer hat er absolut nicht unter Kontrolle."
Das konnte ich allerdings bestätigen. Eine winzige Hoffnung begann jedoch, in mir aufzukeimen.
„Du bist nicht zufällig Wasserbändiger, oder?"
„Bin ich. Und du bist nicht zufällig das griesgrämige, nicht hilfsbereite Wesen aus Theas Zimmer?"
Dieses Mädchen verfolgte mich aber auch überall hin. „Um es klarzustellen, sie hat es nicht einmal geschafft, mich zu begrüßen. Und sie hat auch erst mit mir geredet, als sie etwas von mir wollte. Klar hatte ich dann keine Lust, ihr blödes Bild aufzuhängen. Soll sie doch warten, bis Leonie oder Tina Zeit für sie haben."
Er gluckste, wurde aber schnell wieder ernst. „Sei nicht so streng mit ihr. Sie ist schüchtern und braucht ihre Zeit, um aufzuwärmen."
„Und hör du auf, sie die ganze Zeit in Schutz zu nehmen", entgegnete ich. „Sie ist nicht deine Tochter."
Eine Weile lang saßen wir uns schweigend gegenüber und aßen unser Essen. Währenddessen beobachtete ich den Raum. Die Schüler hier befanden sich in einem regelrechten Fluss. Manche waren schon mit dem Essen fertig, manche kamen gerade erst. Wie es sich herausgestellt hatte, war es aber von Vorteil, früh zu kommen. Dann hatte man noch eine größere Auswahl am Buffet.
„Hast du morgen Mittag eigentlich schon was vor?", fragte ich irgendwann. „Lukas hat mich quasi gezwungen, ihm bei seinen Experimenten zu helfen. Ich würde mich bedeutend sicherer fühlen, wenn jemand da wäre, der seine Feuer auch wieder löschen könnte."
„So sehr ich das verstehen kann, ich habe leider schon was vor." Er schenkte mir einen mitleidigen Blick.
Mit meiner letzten Hoffnung enttäuscht räumte ich mein Geschirr zusammen. „Was ist denn wichtiger, als freiwillige Feuerwehr zu spielen?", hakte ich nach.
„Die Schule ansehen, ein paar neue Leute treffen... Außerdem hat Thea noch irgendwas geplant, was sie mir nicht erzählen wollte."
Aha, das war also der Grund. Ich hob eine Augenbraue, nahm dann kurzerhand mein Geschirr und drehte mich auf dem Absatz um. „Ein bisschen mehr Durchsetzungsvermögen würde dir auch nicht schaden", murmelte ich im Weggehen.
Erst als ich das Geschirr bereits weggebracht und den Speisesaal verlassen hatte, bemerkte ich, dass ich wieder vergessen hatte, nach seinem Namen zu fragen. Immerhin wusste ich nun, wo ich den auf jeden Fall herausfinden konnte.
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Der Ruf der Erde
FantasyNie im Leben wäre Annalena auf die Idee gekommen, dass Magie tatsächlich existiert. Doch dann klopft genau diese zusammen mit einem Brief einer gewissen Grimm Akademie der Elemente an die Tür. Und als wäre das nicht schon unerwartet genug, findet si...
