Heute hatten die Maispiele offiziell begonnen. Die Abiklausuren waren bis auf Ausnahmen vorbei, das Wetter war fantastisch, die Stimmung ausgelassen. Die gesamte Schule hatte sich auf der größten der Trainingswiese versammelt und beobachtete gespannt die Duelle der Erstklässler. Ich hatte mir mit Thea und Max einen Platz relativ weit vorne auf der provisorischen Tribüne ergattert, von dem man eine sehr gute Sicht auf gleich beide Duellringe hatte.
Zuerst kamen jede Menge Leute, die ich aus meinen Kursen kannte. Wie erwartet schlug sich Emilie sehr gut, während beispielsweise Jannis einen Kampf nach dem anderen verlor. Viel interessanter waren aber die Duelle unserer Mitbewohnerinnen. Sowohl Tina als auch Leonie hatten bisher den Großteil ihrer Wettbewerbe gewonnen. Doch nun wurde es kritisch: Es war zwar nur die Vorrunde, die die sechzehn Teilnehmer des Finales herausfiltern sollte, aber schon jetzt mussten die beiden gegeneinander antreten.
„Die sehen ja nicht besonders erfreut aus", bemerkte Max scharfsinnig.
„Dieses eine Duell war in der letzten Woche auch ein ziemliches Streitthema", sagte ich. Unter anderem jedenfalls. Leonie nahm es Tina immer noch übel, dass sie nicht früher mit der Wahrheit über die verschwindenden Gegenstände herausgerückt war. Deshalb ignorierte sie auch jeden von Tinas Versuchen, die Stimmung irgendwie wieder aufzulockern. Und das wiederum führte zu einigen Auseinandersetzungen. Einigen vielen Auseinandersetzungen.
„Wer glaubt ihr wird gewinnen?", fragte Max.
Thea zuckte die Schultern. Ich seufzte tief. Am besten wäre es, sie würden dieses Duell gar nicht erst anfangen. Das würde doch ohnehin nur zu noch mehr Streit führen, den ich mittlerweile ziemlich leid war.
„Okay, ich sehe, kein gutes Thema. Wann hast du eigentlich deine ersten Wettkämpfe, Anna?" Max sah interessiert zu mir. Ich schaute jedoch weiterhin auf die Wiese, beobachtete, wie der goldene Ring um das Feld erschien.
„Irgendwann am Nachmittag, ist noch was hin."
Der Ring blitzte einmal auf. Das Zeichen, dass es losging. Schon in den ersten Sekunden zeichnete sich ein gewisses Gleichgewicht ab: Leonie ging direkt in die Vollen und versuchte, Tina mit ihrer Magie aus dem Konzept zu bringen. Tina hingegen parierte jeden der Angriffe mit einer ziemlichen Leichtigkeit. Zum Gegenangriff kam sie nicht, obwohl sie eine deutlich bessere Technik und mehr Kontrolle hatte.
Das war tatsächlich oft so bei klassischen Feuerkämpfen. Der Feuerbändiger musste den Gegner beschäftigt halten, denn Verteidigung mit Feuer war gerade gegen Erde und Luft schwierig. Wenn Tina genug Freiraum bekommen würde, um Leonie von den Füßen zu reißen, war es vorbei. Aber soweit waren sie noch nicht. Im Moment war Tina eher damit beschäftigt, nicht bei lebendigem Leib geröstet zu werden.
Das Ziel dabei war klar: Tina an den Rand des Duellrings zu drängen. Anders als bei kompetitiven Duellen war die goldene Begrenzung bei komparativen Duellen durchlässig. Wenn einer der Kämpfer damit in Berührung kam, war es zu Ende und derjenige, der den Ring gebrochen hatte, bekam einen Abzug in der Gesamtwertung. Manchmal bedeutete das einen verpassten Sieg, manchmal auch nicht.
Letzteres würde wohl hier der Fall sein. Obwohl es ganz danach aussah, dass Leonie Tina aus dem Ring drängen würde, sie wurde müde. Ihre Angriffe wurden weniger präzise und einmal ließ sie Tina sogar einen kleinen Gegenangriff starten. Diese kam aufgrund ihrer eigenen Erschöpfung nicht dazu, ihn bestmöglich auszunutzen, doch das spielte kaum eine Rolle. Die Richter legten Wert auf Kontrolle sowie Potentialausnutzung. Und es war ja nicht so, als würde sie es nicht versuchen.
Dann war es soweit. Als Tina einen weiteren Feuerschwall wegwehte, berührte sie mit dem Arm den goldenen Ring. Sofort fiel er in sich zusammen und Applaus brach aus, wie nach jeder Runde. Tina und Leonie verließen die Kampfzone, einander nicht einmal eines Blickes würdigend. Das würden ein paar spaßige nächste Tage in unserem Zimmer werden.
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Der Ruf der Erde
FantasiNie im Leben wäre Annalena auf die Idee gekommen, dass Magie tatsächlich existiert. Doch dann klopft genau diese zusammen mit einem Brief einer gewissen Grimm Akademie der Elemente an die Tür. Und als wäre das nicht schon unerwartet genug, findet si...
