62 | Finis coronat opum

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Ab diesem Zeitpunkt ging alles sehr schnell.

Die Gruppe um die Schulleiterin herum war größer als erwartet. Zu den vier, die ich auf Anhieb gesehen hatte, kamen noch einige Lehrer, ältere Schüler und vermutliche Ratsmitglieder und Sicherheitsleute dazu. Und damit war der Kampf eröffnet.

Ich nutzte die Ablenkung, um meine Kräfte zu bündeln und auf den Ring zu schießen. Immer aufs Neue ließ ich meine Magie sich auffüllen, wiederholte den Vorgang. Manchmal musste ich ausweichen, um nicht von vorbeifliegenden Gegenständen getroffen zu werden.

Doch nach einiger Zeit passierte endlich etwas. Es knackte, beinahe unhörbar in dem Lärm um mich herum. Und dann war ich frei. Ich nahm den Ring, schleuderte ihn die Treppe hinunter und griff dann nach meiner Magie. Das Gefühl, wie sie sich von meinem Blut löste und die Wunden schloss, war unglaublich. Es funktionierte wieder.

Nachdem die größten Schäden beseitigt waren, schlängelte ich mich durch die Menge. Ich brauchte kaum mehr darauf zu achten, ob mich irgendetwas traf, wich nur den Menschen aus. Als ein Feuerstrahl meine Hüfte streifte, ließ ich einen Teil der Magie dorthin fließen. Als sich ein winziger Eissplitter in meine Wade bohrte, zog ich ihn schnell raus und heilte das ebenfalls. Ich fühlte mich wie unsterblich.

Unsterblich. Mein Blick zuckte durch die Menge, suchte sie nach vertrauten Gesichtern ab. Matthias war damit beschäftigt, einen Luftbändiger fertigzumachen, Herr Emerson hatte sich ebenfalls ein Mitglied der Geheimgesellschaft gekrallt und Lorenzo befand sich am anderen Ende der Halle.

Direkt an der Amphore jedoch befand sich der Großteil meiner Bekanntschaften. Leonie stand wie erstarrt daneben, sah verschreckt durch die Halle. Nicholas hielt noch immer den Inhalt der Amphore in den Händen, Fräulein Schneider stand verteidigend vor den beiden. Um ihre Hände wanden sich schmale Wasserfäden, die schlagartig zu Eis erfroren und auf alle Personen losschossen, die auch nur in die Nähe kamen.

Und schließlich war da Frau Schwab. Sie hatte ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Hausmeisterin, oder besser gesagt die mächtige Wasserbändigerin, fokussiert. Andersherum war es beinahe genauso. Die Schulleiterin versuchte, näherzukommen, Fräulein Schneider, sie fernzuhalten. Ein Angriff folgte auf den nächsten, es schien ausgeglichen.

Ich näherte mich dem Kampf immer weiter. Irgendwie musste ich Leonie da rauskriegen. Und zu zweit hatten wir mehr Chancen als alleine.

Doch dann sah ich aus dem Augenwinkel eine bekannte, dunkelhaarige Gestalt sich durch die Menge schieben. Felicia. Ich riss meinen Blick von dem Spektakel um mich herum los und setzte ihr nach. Sie hatte erst mich, dann Thea gequält, als wir völlig wehrlos waren. Dafür würde sie büßen.

Ich rannte durch die Menge, schob Leute unsanft zur Seite, folgte dem Strom an Flüchtenden. Und schließlich hatte ich sie. Ich tippte sie sanft an. Sie drehte sich um. Doch für ihre Hand war es zu spät. Ich brach jeden einzelnen Knochen, genau wie sie es bei mir getan hatte. Sie schrie auf.

Eine Eiswand schob sich zwischen uns, drängte mich nach hinten. Ich ließ den sechsten Sinn über die Halle schweifen. Es gab nicht viel, das sich verwerten ließ, aber auch nicht nichts. Ich hob einen der Türtrümmer an und schickte ihn zur Eiswand. Dann ließ ich ihn hineinschießen, die Wand zerbrach.

Ich machte einen Satz durch die entstehende Lücke, nutzte Felicias Erstaunen aus und startete einen neuen Angriff. Diesmal traf es ein paar Sehnen, die rissen.

Schneller als gehofft hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Sie schickte einen Schwall Wasser auf mich zu, der mich lediglich ein paar Zentimeter zurückwarf.

Gerade als ich mich fragte, was das werden sollte, spürte ich eine Eiseskälte über meinen Körper kriechen. Meine Glieder erstarrten, wurden unbeweglich. Ich versuchte mich, aus der Eisschicht zu befreien, scheiterte. Sie war bereits zu fest, zu stabil. Die einzige Möglichkeit, mich zu befreien, war, mich selber mit Felsbrocken abzuschießen und aufs Beste zu hoffen.

Der Ruf der ErdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt