Die Tür knallte hinter ihr zu. Niemand sagte ein Wort, selbst Tinas leises Weinen war verstummt. Die einzigen Geräusche, die noch immer herumgeisterten, waren gedämpfte Unterhaltungen auf dem Flur.
Jeden Moment erwartete ich, dass Leonie zurückkam und sich der ganze Streit in Nichts auflösen würde. So langsam realisierte ich aber, dass das hier nicht die üblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Tina und Leonie waren. Es würde sich nicht so einfach klären lassen. Und die Tür blieb geschlossen.
Vielleicht hätte ich mich nicht einmischen sollen. Vielleicht wäre es besser gewesen, es die beiden alleine austragen zu lassen. Und sehr wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die Kette gar nicht erst gefunden zu haben.
Doch jetzt hatten wir den Salat. Es gab nicht nur den Streit mit Lorenzo, sondern nun auch einen direkt in unserem Zimmer. Wenn ich jemandem erzählen würde, was heute alles schiefgelaufen war, würde derjenige mir vermutlich nicht einmal mehr glauben.
Leider war aber keine einfache Lösung in Sicht. Ein weiteres Gespräch mit Lorenzo würde ein Akt der Überwindung werden, für den ich bei weitem nicht bereit war. Und wie wir wieder Frieden im Zimmer stiften konnten, stand ebenfalls in den Sternen.
Ich bereute es nämlich insgeheim nicht, Tina verteidigt zu haben. Sie konnte wirklich wenig für die Situation, und es schien, dass sie wirklich sehr viel Angst davor gehabt hatte, dass ihr Geheimnis herauskommen würde. Ja, sie hätte früher damit herausrücken können, aber solange sie sich selber vormachen konnte, sie hätte alles im Griff – warum sollte sie? Das kannte ich nur allzu gut von mir selber. Bis es dann eskalierte.
Außerdem waren Leonies Anschuldigungen ab einem gewissen Punkt wirklich unfair gewesen. Wie konnte sie nur selber nicht sehen, dass ihr viel zu voller Terminplan sie zerstörte? Sie war schon einmal zusammengebrochen, was musste noch passieren, damit sie das bemerkte?
Ich sah noch einmal zur Tür, die sich immer noch kein Stückchen bewegt hatte. Dann zu Tina, die zusammengesunken auf dem Bett hockte und mit leerem Blick ins Nichts starrte. Und schließlich zu Thea. Sie blickte hilflos zurück.
Genau in dem Moment meldete sich mein Magen mit einem lauten Knurren zu Wort. Ich hatte ganz vergessen, dass wir eigentlich noch hatten essen wollen. Bis die Sache mit der Kette aufgekommen war.
Ich schaute erneut zu Tina. Alleine lassen wollte ich sie in dem Zustand nicht. Aber andererseits hatte ich mittlerweile wirklich enormen Hunger.
„Hast du schon gegessen?", fragte ich Tina vorsichtig.
Sie nickte. Also wandte ich mich an Thea. „Glaubst du, du könntest uns was aus dem Speisesaal besorgen?"
Unsere Blicke trafen sich erneut und diesmal konnte ich einen Funken Erleichterung und Dankbarkeit in ihrem sehen. „Klar, ich bin sofort wieder zurück."
Dann verließ auch sie den Raum und ließ mich und Tina alleine. Einen Moment lang blieb ich noch bei ihr sitzen. Irgendwann aber stand ich auf und öffnete die Fenster. Eine frische Brise fuhr durch den Raum, während die letzten Strahlen der Sonne durch das Fenster fielen.
Ich betrachtete die Landschaft draußen. Zwischen den kunstvoll gepflanzten Büschen und Sträuchern des Gartens liefen ab und an Leute hindurch, die meisten kamen zum Schloss hin. Sie kamen von den Wiesen etwas weiter weg, vermutlich am Üben für die Maispiele. Wie ich da überhaupt eine Chance haben würde, musste ich mir auch noch ausdenken. Frau Schwabs illegale Taktiken konnte ich dort immerhin schlecht anwenden, sollte ich sie tatsächlich bis dahin zu beherrschen lernen.
Mein Handy vibrierte und ich warf einen kurzen Blick darauf. Es war die Gruppe, in die mich Matthias hinzugefügt hatte. Morgen um zehn war ein Treffen, damit sie mich irgendwie in die Koordination einbringen konnten. Weil Kathi ja jetzt ausgefallen war und ich der nächstbeste Ersatz war.
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Der Ruf der Erde
FantasyNie im Leben wäre Annalena auf die Idee gekommen, dass Magie tatsächlich existiert. Doch dann klopft genau diese zusammen mit einem Brief einer gewissen Grimm Akademie der Elemente an die Tür. Und als wäre das nicht schon unerwartet genug, findet si...
