53 | scary thoughts

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JULIA

Mir gefiel die Atmosphäre im Indora's schon immer besonders gut

Die leise Musik, die aus den Lautsprechern schalte. Der Geruch von frischen Pancakes, das Lachen der Besucher und das Klirren des Porzellans, wenn es über einander gestapelt wurde. Auch Zoes Summen zu der Melodie und die Geräusche des Besens, wie er über den Boden scharrte. Das Indora's war schon seit Kindheitstagen ein Ort, in dem ich mich ausruhen konnte.

Indora sprach nicht viel über sich. Sie war mehr Zuhörerin als Sprecherin. Dafür war sie bekannt. Jedem begegnete sie mit einem verständnisvollen Lächeln. Ihr Talent war es, für jeden jedes Problem eine Lösung zu finden. Außerdem konnte sie total verspielt sein.

Sie war in etwa so alt wie meine Mutter und ging damals mit ihr auf die selbe Schule. Als Grace und ich klein waren, passte sie oft auf uns auf. Diese Tage waren meistens sehr schön. Indora brachte uns das Backen bei. Für mich erwies es sich als einfach und spannend, hingegen für Grace, glich es einer Farce.

Grace' Stärken lagen dafür aber in anderen Bereichen. Insbesondere wenn es um soziale Kontakte ging.

Sie hatte ein Herz aus Gold. Wirklich. Genauso wie Indora, hatte sie sowas wie eine extreme Verbindung zu den Gefühlen anderer Menschen. Empathie hatte bei ihnen oberste Priorität, gefolgt von Loyalität und Ehrlichkeit.

Wenn ich oder sonst wer Probleme hatte, konnten wir ohne Zögern mit Grace darüber sprechen. Sie war von vielen der Anker. Ich glaubte, dass Grace so emphatisch wegen Indora wurde. Sie war eine gute Lehrerin für meine Schwester und manchmal auch für mich.

Heute hielt sich meine gute Laune in Grenzen. Ich saß einfach nur rum und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

Wenig später bimmelte die Glocke über dem Eingang des Diners. Savannah. Heute zehn Minuten eher da, als letzte Woche, jedoch trotzdem zu spät.

Sie trug unter ihrer schwarzen Winterjacke einen dunkelblauen Hoodie mit aufgesetzter Kapuze. In ihrer schwarzen, weiten Jeans, waren ausgefranste Löcher, aber dadrunter trug sie eine dunkle, zerrissene Strumpfhose.

Ich machte mir nicht die Mühe, sie herbeizurufen, da sie mich sowieso von sich aus entdeckte. Während sie vorsichtigen Schrittes auf mich zu kam, inspizierte sie die Umgebung weiterhin. Fast schon so, als dürfte sie keiner erkennen. War sie vielleicht einer von den Spy-Kids?

Bei mir angekommen, setzte sie sich in die blaue Nische mir gegenüber. »Wow, du siehst ja wirklich noch beschissener aus, als beim letzten Mal.« Ihre Begrüßungen wurden echt von mal zu mal direkter.

Na toll, sogar dieser fremden, vorlauten vierzehnjährigen Göre fiel auf, wie sehr mich das alles mitnahm.

»Kannst du zur Abwechslung mal deinen vorlauten Mund halten?«, keifte ich. »Willst du was trinken oder essen?«

Sie beäugte meine Tasse Kaffee. »Nein, passt schon.«

Ich seufzte. »Fangen wir direkt mit dem Wichtigsten an. Hast du deine Mathe Klausur Note?«

Sie vermied Blickkontakt mit mir.

»Das heißt dann also ja. Welche Note?«

Das was draußen geschah, war anscheinend um einiges wichtiger für sie, denn sie starrte aus dem Fenster. »Fünf Minus.«

Frustriert stöhnte ich und massierte mir die pochenden Schläfen. »Wozu haben wir so lange gelernt? Hast du dir zu Hause nichts mehr selbst angesehen?«

»Das war echt ein anstrengender Tag, okay? Und die Klausur war verdammt schwer. Nicht nur ich habe eine schlechte Note, die anderen auch!«

»Bist du etwa andere?«, fragte ich sie verächtlich.

Fears Between UsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt