073 - Daniel Svensson

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Ich streiche den Stoff von Daniels Trainingshose glatt und übe mit den Daumen etwas mehr Druck auf seine Oberschenkelvorderseite aus.

Unter meinen Fingern zeichnen sich die festen Konturen seiner Muskeln ab, jeder einzelne Strang angespannt von der Belastung des vergangenen Trainings.

Daniel liegt auf der Behandlungsbank im Kabinentrakt des BVB, die Augen leicht geschlossen, die Hände locker über dem Bauch verschränkt.

Das gedämpfte Licht lässt den Raum ruhig wirken, obwohl von draußen gedämpfte Stimmen, Schritte und das gelegentliche Quietschen von Turnschuhen über den Boden dringen.

Jeden einzelnen Muskelstrang spüre ich unter meinen Fingern und mit jeder Sekunde fällt es mir schwerer, mich ausschließlich auf den professionellen Teil meiner Arbeit zu konzentrieren.

Der vertraute Geruch von dem Öl liegt in der Luft, vermischt mit dem herben Duft seines Duschgels und der warmen, leicht elektrisierten Atmosphäre, die sich zwischen uns ausbreitet.

Ich zwinge mich, den Blick auf meine Hände zu richten, doch immer wieder wandern meine Augen zu seinem Gesicht.

»Tut das weh?«, frage ich leise.

Daniel öffnet die Augen, seine dunklen Pupillen fixieren mich sofort. Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, er hätte nur darauf gewartet, dass ich ihn ansehe.

Ein kurzes, etwas schiefes Lächeln schleicht sich auf seine Lippen. »Nein, gar nicht. Fühlt sich ziemlich gut an.«

Seine Stimme klingt tief, fast ein wenig rau. Ein leichtes Kribbeln wandert meine Wirbelsäule hinab.

Erst seit zwei Monaten ist Daniel hier in Dortmund unter Vertrag, frisch gewechselt, und trotzdem fühlt es sich bei jeder seiner Einheiten auf meiner Behandlungsbank so an, als gäbe es diesen spürbaren Funken zwischen uns schon ewig.

Vielleicht liegt es an der Art, wie er mich ansieht. Vielleicht an den kleinen Gesten, die sich unmöglich als Zufall abtun lassen. An seinem längeren Verweilen nach der Behandlung, an den Fragen, die längst nichts mehr mit seinen Muskeln zu tun haben, oder an der Wärme seiner Hand, wenn sie meine zufällig streift.

Aber natürlich verrenne ich mich da in etwas.

Er ist ein professioneller Neuzugang, der sich voll auf den Verein fokussiert, und ich bin einfach die Physiotherapeutin, die seinen Muskelkater therapiert.

Mehr ist da nicht.

Kann gar nicht.

Der Gedanke sollte beruhigend wirken. Stattdessen fühlt er sich an wie eine Lüge, die ich mir selbst erzähle, weil die Wahrheit viel zu gefährlich wäre.

Plötzlich fliegt die Tür zum Behandlungsraum auf. Kobel bleibt im Rahmen stehen, ein breites Grinsen auf dem Gesicht, während er einen Handtuchstapel auf dem Arm balanciert. Die Bewegung ist so unvermittelt, dass ich beinahe das Ölfläschchen umstoße.

»Ah, Daniel. Schon wieder auf der Bank bei ihr?«, fragt Gregor und sieht von ihm zu mir und wieder zurück.

Sein Blick ist so demonstrativ ahnungslos gespielt, dass es wehtun muss. »Du bist in den letzten drei Wochen öfter bei der Physio gewesen als in deiner gesamten Karriere davor, Svensson. Hast du dir 'ne Dauerkarte gebucht?«

»Sehr witzig«, murmelt Daniel, doch das Lächeln, das dabei über sein Gesicht huscht, verrät ihn. Er macht nicht einmal den Versuch, empört zu klingen.

Ich spüre, wie mir die Hitze in die Wangen steigt, und lockere sofort meinen Griff an Daniels Bein. »Er hat eine verhärtete Muskulatur im Oberschenkel, Gregor. Ganz normal nach dem Intensivtraining gestern.«

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