Ein Schluchzen steckt in meiner Kehle fest und schnell presse ich mir meine Hand auf dem Mund, in der Hoffnung, dass mir kein Laut entweicht.
Ich fühle mich verraten, betrogen und noch nie so beschissen wie in diesem Moment.
Ich hasse Jungs.
»Y/N?«, ertönt Pedros Stimme aus dem Lautsprecher meines Handys.
Nicht Männer.
»Es tut mir leid, aber ich kann nicht meinen Vater anrufen«, wispere ich leise.
Stimmen werden lauter, sie kommen, aber sie sehen mich nicht zusammengekauert auf dem Boden sitzen.
»Ich wüsste nicht, was ich sagen soll«, rede ich leise weiter. Ein leiser Schluchzer verlässt meinen Mund, ich kann ihn nicht aufhalten.
Ich mag zwar schon seit einigen Jahren volljährig sein, aber ich bin immer noch Papas kleine Prinzessin und kein Typ ist je gut genug für mich – mein Vater würde Max hassen.
Vermutlich mehr als ich und auch aus diesem Grund kann ich ihn einfach nicht anrufen.
»Hey, Prinzessin. Was ist passiert?« Pedros tiefe Stimme holt mich zurück ins hier und jetzt und auf eine paradoxe Weise, beruhigt sie mich.
»Jungs sind beschissen«, weine ich leise.
Pedro lacht nicht, ich spüre seine Anspannung auch durch das Handy.
»Wo bist du?« Seine Stimme ist jetzt noch tiefer, voller Sorge, und ich fühle mich zum ersten Mal heute Abend nicht mehr ganz allein.
Nicht mehr, nicht weniger.
»Vor Bunnys Pub«, flüstere ich leise.
Ein Paar geht an mir vorbei, doch beachtet mich nicht, als wäre ich unsichtbar.
»Ich bin in zehn Minuten da, Prinzessin.«
Dann legt er auf und ich warte, auf den besten Freund meines Vaters.
Es vergehen Minuten, die sich wie Stunden anfühlen. Die Straßenlaternen werfen trübe Lichter auf den nassen Asphalt, und ich höre das entfernte Lachen aus dem Pub. Mein Herz rast, doch ich bin wie gelähmt, fixiere den schmutzigen Boden unter meinen Füßen, während der kalte Wind an meinen Haaren zerrt. Plötzlich fällt ein Schatten auf mich, lang und dunkel, und ich spüre, dass ich nicht mehr allein bin.
Zögernd und mit schwerem Kopf hebe ich meinen Blick. Vor mir steht Pedro, größer und bedrohlicher denn je, doch seine Anwesenheit ist mein einziger Trost.
Sein Gesicht bleibt undurchdringlich, keine Spur von Lächeln, keine Regung, als würde er all seine Gefühle für sich behalten, um mir Halt zu geben.
Dann geht er vor mir in die Hocke, sodass wir auf Augenhöhe sind, und legt seine großen, warmen Hände behutsam um mein Gesicht.
Seine Berührung ist fest und sanft zugleich, sie zwingt mich, mich ihm zu öffnen, obwohl ich mich am liebsten verkriechen würde.
»Wo ist der Wichser?«, fragt er mit rauer Stimme, die in der Dunkelheit beinahe beängstigend tief klingt.
Sein Blick bohrt sich in meinen, durchdringt meine Fassade, sucht nach einer Antwort, nach dem, was ich nicht sagen kann. Ich sehe, wie seine Kiefermuskeln angespannt sind, bereit, mich zu beschützen, egal was kommt.
Ich muss ihm gar nichts erzählen, denn Pedro versteht mich auch ohne Worte. Die Enttäuschung, der Verrat, all das steht mir ins Gesicht geschrieben und er liest es, als wäre ich ein offenes Buch. Das flaue Gefühl in meinem Magen wird ein wenig leichter, einfach weil er da ist.
