Ich blicke zwischen Pedro und Chris hin und her. Der eine hat gerade einen Mann getötet, der andere spricht von einem Anfang, als wüsste er längst, wie der Rest aussieht.
Meine Gedanken überschlagen sich. Ich fühle mich, als hätte jemand den Boden unter meinen Füßen weggerissen. Und trotzdem ich will nicht weglaufen.
Vielleicht sogar zum ersten Mal in meinem Leben. Dieses Gefühl, dass die beiden Männer mir geben, das kann ich nicht beschreiben.
Ich fühle mich schwerelos, was komisch ist, denn dieser Tag war actionreicher als jeder andere Tag meines bisherigen Lebens und dennoch... fühle ich mich gut, obwohl ich mich vermutlich schlecht fühlen sollte.
Pedro sieht mich immer noch an, als könnte er jeden Gedanken in mir lesen. Sein Blick ist scharf, aber da ist etwas dahinter, etwas, das mehr sagt als Worte es könnten.
Chris tritt langsam näher, sein Gesicht ernst, aber seine Augen voller Hitze.
»Du hast das gut gemacht«, sagt er leise, fast schon stolz.
Ich schlucke. »Ich habe nichts getan.«
Pedro lacht leise, dunkel. »Du hast entschieden. Das reicht manchmal schon.«
Ich will etwas sagen, irgendein banales Wort, das diese Spannung auflöst, doch da ist keine Sprache für das, was gerade zwischen uns herrscht. Nur ein Gefühl. Gefährlich nah an Verlangen.
Chris steht jetzt direkt neben mir. Ich spüre seine Wärme, seinen Atem. Mein Herz rast wieder, aber diesmal anders. Er steht mir so nah, wie Pedro es zuvor war und auch jetzt schreit mein Herz nach ihm.
Nach beiden Männern.
»Wem folgst du, wenn du wählen musst?«, fragt er. Seine Stimme ist ruhig, aber sie trifft mich wie ein Schlag.
Ich wende den Blick nicht ab, verliere mich in den Tiefen seiner hellen Augen, zwei Kristalle, die mich in den Bann ziehen »Ich weiß es nicht...«
Pedro tritt zu uns, seine Augen dunkler als zuvor.
»Dann solltest du es bald herausfinden«, sagt er ruhig. »Denn wir werden nicht immer auf derselben Seite stehen.«
Für einen Moment sind wir zu dritt, und es fühlt sich an wie ein stilles Versprechen und ich will daran festhalten. Hier, im Safe House sind nur wie – ausgenommen der ausgenknockte Mann. Doch dieser ist mir egal, ich verschwende keinen Gedanken mehr an ihn.
Chris ist der Erste, der sich wieder bewegt. Er schultert den bewusstlosen Gegner, als wäre er nur eine Last, die es abzuwerfen gilt, und geht ein paar Schritte voraus, ohne sich umzudrehen. Pedro folgt ihm mit seinem gewohnt lautlosen Gang, das blutige Messer noch immer in der Hand.
Ich bleibe für einen Moment stehen. Meine Finger kribbeln, mein Atem ist flach. Es ist nicht nur das Adrenalin. Es ist das Gefühl, dass sich etwas zwischen uns verändert hat.
»Du kommst?«, fragt Pedro, ohne sich umzudrehen, als hätte er gespürt, dass ich stehen geblieben bin.
Ich setze mich in Bewegung und folge den beiden Männern in eine Art Bunkerzimmer, der eigentlich dafür gedacht war, mich zu schützen. Nun liegen dort die Leichen und der Gefangene. Ich starre stumm auf die blutschmierten Männer. In mir rumort es, doch als Chris die Tür hinter sich fallen lässt, werden dort auch meine Gefühle eingesperrt – alle, bis auf die die Männer in mir auslösen.
»Das reicht für heute«, knurrt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Pedro lehnt sich gegen die helle Wand. »Wir sollten ihn bald befragen, bevor seine Freunde ihn vermissen.«
