23.12.2015
Ich beobachte die lachenden Kinder im Park. Sehe zu, wie sie riesige Schneebälle formen, um sich gegenseitig abzuwerfen, wie sie sich in den hellen Schnee werfen und mit dem breitesten Grinsen auf den Lippen Schneemänner machen.
Als ich noch jünger war, habe ich mir vorgestellt, wie es ist, eine eigene Familie zu haben. Meine eigenen Kinder in meiner liebsten Jahreszeit zu beobachten, aber oftmals kommt das Leben anders, als man es plant.
Mein Herz zieht sich sehnsüchtig zusammen, ich habe schon Angst, dass sie meine neidischen Blicke bemerken, die ich jedem Pärchen zuwerfe, das sich an diesem kalten Tag rausgetraut hat.
In Sachen Liebe hat es bei mir einfach noch nie gepasst und mit einem lachenden und einem weinenden Auge, blicke ich auf meine Ex-Partner zurück. Doch schnell verdränge ich die Gedanken an die beiden Männer, bei denen ich glaubte, sie wären die einzigen für mich.
Tja, falsch gedacht.
Ich hänge weiter meinen Gedanken hinterher, lasse sie einfach treiben, als ich im Augenwinkel bemerke, wie sich jemand neben mich auf die Bank niederlässt. Wir beide sagen nichts, blicken einfach nur auf das Treiben im Park.
»Auf die Gefahr hin, dass ich wie ein Verrückter klinge, aber irgendwie kann ich abschalten, wenn ich den ganzen Familien zusehe. Gerade in dieser stressigen Zeit, holt es mich einfach immer wieder zurück ins Hier und Jetzt.«
Ich drehe mich zu der Person neben mir. Ein Mann, der in meinem Alter sein muss, hat sich neben mich gesetzt. Sein freundlicher Blick ruht auf mir, sodass ich nicht anders kann, als zu lächeln. »Auf die Gefahr hin, dass wir beide verrückt sind, muss ich Ihnen zustimmen.«
Er erwidert mein Lächeln, Grübchen entstehen auf seinen Wangen und auf einmal ist mir gar nicht mehr so kalt. Ich mustere den jungen Mann vor mir. Er trägt eine graue Mütze, trotzdem lugen braune, leichte Locken heraus. Seine Augen sind warm und strahlen in einem wunderschönen grau-blau.
»Ich bin Y/N«, stelle ich mich vor und halte ihm meine Hand hin. Verwunderung blitzt in seinen Augen auf, aber schnell ist sie wieder verschwunden.
»Edward«, sagt er nach wenigen Sekunden, während er meine Hand schüttelt.
Wow, ich glaube, noch nie habe ich jemanden die Hand geschüttelt, der so eine weiche Haut hatte.
Ich hebe fragend eine Augenbraue. »Wie Edward Cullen?«, will ich wissen, was ihn wieder lachen lässt.
»Ja, deswegen komme ich nur im Winter raus - Sie wissen sicherlich, was sonst passiert.« Er macht eine kurze dramatische Pause, bevor er Edward Cullen zitiert: »Das ist die Haut eines Killers, Y/N.«
Anders, als ich gedacht habe, wird der heutige Tag doch noch interessant.
23.12.2016
Ein ganzes Jahr ist vergangen, seitdem ich Edward im Park getroffen habe. Seine Augen haben mich in meinen Träumen verfolgt, genauso wie seine melancholische Stimme, die ich mir immer öfter einbilde zu hören. Egal wo ich bin, ob im Supermarkt, in meinem eigenen Auto oder bei meinen Eltern, jedes Mal, wenn das Radio läuft, fühlt es sich an, als würde Edward nur für mich singen.
Oft war ich im Park, habe nach dem brünetten Mann Ausschau gehalten und jedes Mal wurde ich enttäuscht. Mittlerweile glaube ich nicht daran, ihn jemals wiederzusehen und dennoch bin ich genau ein Jahr später wieder im Park, betrachte voller Sehnsucht die Familien mit ihren Kindern.
»Hoa, Hoa, Hoa, Hoa«, ertönt eine mir nur allzu bekannte Stimme.
»Edward!«, keuche ich und halte mir meine Brust, wo mein Herz vor Schreck einen riesigen Sprung gemacht hat.
