»Schau mich nicht so an.«
Seine Stimme berührt meine Seele, ich kann seinen Schmerz spüren. Aber ich kann sie ihm nicht nehmen. So sehr ich es auch versuche. So sehr es mir selbst schmerzt.
»Aber-«, noch bevor ich meinen Satz beenden kann, legt Hwang seinen Zeigefinger auf meine vollen Lippen und bringt mich somit zum Schweigen.
Sanft blicken seine braunen Augen in meine. Sie sind voller Schmerz getränkt, aber ich erkenne in ihnen auch einen kleinen Funken Hoffnung.
»Nicht«, flüstert er sanft. Ein Lächeln legt sich auf seine Lippen und zeichnet Grübchen in seine Wangen. Selbst wenn ich es wollen würde, dann könnte ich meine Augen nicht von ihm abwenden.
Langsam wandert sein Finger über meine glatte Haut, streicht über meine erhitzte Wange, ehe er sie in meine Haare gräbt, um mein Gesicht an seines zu führen.
»Vergiss uns nicht«, haucht er, ehe er unsere Lippen zu einem Kuss verbindet und mir jegliche Antwort einfach wegküsst.
Ich lasse mich fallen. Gebe mich ihm und seinen Küssen hin und während wir einander den Atem rauben, wird mir klar, dass ich hoffnungslos verloren bin.
☾
Menschen treffen circa 20.000 Entscheidungen pro Tag. Aber es reicht eine einzige Entscheidung aus, um sein gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen - wobei das noch gelinde gesagt ist.
Mir ist warm unter der Maske, ich vermisse die Sonne auf meiner Haut. Ich vermisse sogar das grässlich grelle gelbe Oberteil meiner halmeoni, denn dieser pinke Anzug, der ebenso als rot durchgehen kann, ist nicht gerade stylisch.
Wobei das, angesichts der Tatsache wirklich makaber ist - während ich die Entscheidung getroffen habe, mich in diesen Anzug zu zwängen, haben andere die Entscheidung getroffen, absolut unmenschlich zu handeln und dabei der menschlichen Gier nachzueifern.
Geld.
Ich hasse es und dennoch bin ich auch aus demselben Grund hier. Dabei kann ich nicht sagen, was schlimmer ist.
Die dunkle Maske mit dem Rechteck liegt neben mir auf meiner lieblosen Pritsche. Mein gesamtes Zimmer scheint trist und traurig zu sein. So wie der Ort, an dem wir uns alle befinden - freiwillig oder unfreiwillig.
Wenn ich draußen bin, dann sperre ich meine Gefühle ganz weit weg - das muss ich, ansonsten würde ich die Waffe gegen mich selbst richten. Aber sobald die Tür hinter mir zufällt, ich alleine in diesem kleinen Raum bin, dann prasseln sie voller Intensität auf mich herein.
Am liebsten würde ich weinen und schreien. Aber ich bin seltsamerweise still, während jeden Tag ein Stück meiner selbst stirbt. Dabei dachte ich, dass es Hwang selbst war, der mich getötet hat.
Die Wahrheit ist die, auch wenn man glaubt, dass man stirbt, wenn die Liebe des Lebens einen verlässt, dann nimmt sie vielleicht einen Teil deines Herzens, ein Stück deiner Seele. Aber man stirbt nicht, auch wenn es sich beinahe so anfühlt und ich weiß nicht, was besser ist. Zu sterben oder mit dem Wissen, nie wieder so eine Person zu finden, weil man nie wieder diese Person ist, weil ein Stück seiner selbst fehlt.
Eine Durchsage hallt durch mein Zimmer und mechanisch ziehe ich zuerst das schwarze Stück Stoff über mein Gesicht, sodass man nur noch meine Augen sehen kann, danach die Maske, die meine Identität verschleiert.
Ich weiß, wer ich bin. Dass ich einst eine Frau mit einem offenen Herzen war, die über jeden Witz gelacht hat - so schlecht er auch war. Nun bin ich eine einfache Figur, eine Marionette, die einfachen, wenn auch schlimmen Befehlen folgt.
