Das Piepen der Herzmonitore auf dem Flur verblasst in dem Moment, als Jack die Tür von Behandlungsraum 3 hinter sich ins Schloss drückt. Für ein paar Sekunden herrscht vollkommene Stille.
Nur das gedämpfte Geräusch des Regens, der gegen die matten Fensterscheiben der Notaufnahme peitscht, ist zu hören.
Er atmet tief durch, fährt sich mit der Hand über das müde Gesicht und dreht sich langsam um.
Ich sitze auf der Kante der Untersuchungsliege, die Beine baumeln leicht im Takt meines schnellen Atems. Die nasse Kleidung klebt an meinen Schultern, eine kleine Platzwunde an meiner Schläfe sickert dunkelrot.
Trotz der Schrammen und des Schocks aus dem Autounfall draußen auf der Chaussee spüre ich diesen vertrauten, herausfordernden Blick in seinen Augen. Denselben Blick, der mich schon vor drei Jahren um den Verstand gebracht hat.
»Dr. Abbott«, sage ich leise. Meine Stimme ist rau, ein leichtes Zittern liegt darin. »Du bist also immer noch hier gefangen.«
»Und du gerätst immer noch im denkbar ungünstigsten Moment in Schwierigkeiten«, erwidert er.
Seine Stimme klingt ruhiger, als er sich vermutlich fühlt. Er greift nach einem Paar Einweghandschuhe, zieht sie spannend über seine Hände und tritt an die Liege heran.
Er nimmt ein antiseptisches Tuch, tritt zwischen meine Beine, die sich wie selbstverständlich für ihn teilen, und legt zwei Finger sanft unter mein Kinn.
Er hebt meinen Kopf leicht an, um die Wunde an meiner Schläfe zu begutachten.
Unsere Blicke treffen sich. Die Distanz zwischen uns beträgt kaum zehn Zentimeter. Er riecht nach der kalten Luft von draußen, gemischt mit dem scharfen Geräusch des Klinikalltags, doch der vertraute Funke zwischen uns ist sofort wieder da.
»Das wird kurz brennen«, murmelt er, den Blick fest auf meine Lippen gerichtet, bevor er das Tuch ansetzt.
Ich zische leise aus, halte mich aber nicht an dem Schmerz fest, sondern greife nach dem Revers seines weißen Arztkittels.
Meine Finger krallen sich in den Stoff. »Du fasst mich immer noch so verdammt vorsichtig an, Jack.«
Er hält in der Bewegung inne. Der Desinfektionsgeruch weicht der plötzlichen Hitze, die zwischen uns aufsteigt. Er legt das Tuch zur Seite, streift die Handschuhe mit einer einzigen Bewegung ab und wirft sie in den Eimer.
»Ich bin dein behandelnder Arzt«, sagt er, doch seine Stimme ist eine Oktave tiefer geworden.
Seine Hand wandert von meinem Kinn abwärts, streicht über meinen Hals, wo mein Puls rasend schnell gegen seine Fingerspitzen schlägt.
»Ich sollte professionell bleiben.«
»Du warst noch nie gut darin, dich an deine eigenen Regeln zu halten, wenn ich im Raum bin«, flüstere ich und ziehe ihn am Kittel ein Stück näher.
Seine Selbstbeherrschung bröckelt.
Jack schiebt seine Hände unter meine Oberschenkel, hebt mich ein Stück an und drückt mich gegen die Kante der Untersuchungsliege, bis er lückenlos an mir anliegt.
Ein leises Keuchen entweicht meinen Lippen, als seine Lippen meinen Hals streifen, direkt unter dem Kieferknochen, wo mein Puls hämmert.
»Du hättest nicht zurückkommen sollen«, raunt er gegen meine Haut, während seine Hände fest an meinen Hüften zupacken und mich noch enger an sich ziehen.
»Versuch doch, mich rauszuschmeißen«, raune ich zurück und schlinge die Beine um seine Hüfte.
Er küsst mich. Verlangend, rau und mit der ganzen aufgestauten Frustration der vergangenen Jahre.
