075 - Daniel Svensson

84 5 0
                                        

Ein leises Klirren von Champagnergläsern und sanfter Jazz schallen durch den festlich dekorierten Saal des Dortmunder U.

Über den runden Tischen schweben warme Lichtkegel, die sich in den Kristallgläsern brechen und goldene Reflexe auf die weißen Tischdecken zeichnen.

Der Duft von gerösteten Kräutern, edlem Parfüm und frisch gebackenem Brot liegt in der Luft, vermischt mit dem gedämpften Stimmengewirr der Gäste.

Der BVB hat zum jährlichen Wohltätigkeitsbankett geladen, und die Prominenz aus Sport, Politik und Kultur drängt sich um die Stehtische.

Überall werden Hände geschüttelt, Wangen geküsst und Visitenkarten ausgetauscht. Zwischen den elegant gekleideten Gästen bewegen sich Kellner mit silbernen Tabletts, während aus einer Ecke des Saals immer wieder gedämpftes Lachen aufsteigt.

Ich zupfe nervös an der Kante meines blauen Abendkleides und hebe die Kamera. Der Stoff fühlt sich kühl unter meinen Fingern an, obwohl mir selbst viel zu warm ist. Ich überprüfe zum dritten Mal die Einstellungen, obwohl ich genau weiß, dass alles stimmt, und lasse meinen Blick über den Saal schweifen.

Als Teil des Social-Media-Teams ist es mein Job, die schönsten Momente des Abends einzufangen, Stories zu posten und Einblicke hinter die Kulissen zu liefern.

Ich fotografiere die festlich gedeckten Tische, die lachenden Gäste und die Musiker, die ihre Instrumente stimmen. Ich kenne die Abläufe, weiß, wann ich mich unauffällig zurückziehen und wann ich mich mitten ins Geschehen stellen muss.

Aber seien wir ehrlich. Es gibt einen ganz bestimmten Grund, warum meine Finger an den Auslöser-Tasten heute Abend etwas unruhiger sind als sonst.

Jedes Mal, wenn ich die Kamera senke, suche ich beinahe automatisch dieselbe Person im Raum. Und jedes Mal, wenn ich ihn entdecke, vergesse ich für einen Moment, weshalb ich die Kamera überhaupt in der Hand halte.

Und dieser Grund steht drüben an der Bar im Maßanzug und unterhält sich mit Karim Adeyemi.

Daniel Svensson.

Erst seit einigen Monaten spielt er in Dortmund, doch ich habe schon seit Tag eins diesen riesigen, unübersehbaren Crush auf ihn.

Es ist lächerlich, wie schnell mein Puls anzieht, sobald sein Blick auch nur in meine Richtung wandert.

Selbst jetzt, wo er mit Karim spricht und offensichtlich nicht einmal ahnt, dass ich ihn beobachte, reicht seine bloße Anwesenheit aus, um meine Konzentration empfindlich zu stören.

Nicht nur, weil er unfassbar gut aussieht, wenn er sich auf dem Platz in jeden Zweikampf wirft, sondern weil er abseits des Rasens so bodenständig, warmherzig und ein wenig zurückhaltend ist.

Er drängt sich nie in den Mittelpunkt.

Wenn andere laut werden, hört er meistens einfach zu. Genau diese ruhige Aufmerksamkeit macht es mir unmöglich, ihn nicht immer wieder anzusehen.

Plötzlich taucht mein Vater neben mir auf. Niko Kovac wirft einen strengen, aber liebevollen Blick auf mein Kameradisplay.

Sein Blick wandert kurz über die eben aufgenommenen Bilder und anschließend zu mir, als könnte er problemlos erkennen, dass meine Gedanken gerade ganz woanders sind.

»Nicht so viel träumen, Schatz. Wir sind zum Arbeiten hier«, raunt Papa mir schmunzelnd auf Kroatisch zu, klopft mir sanft auf die Schulter und fügt leise hinzu. »Und verlier mir den Schweden da drüben nicht aus den Augen. Er soll nachher noch zwei Sätze in die Kamera sagen für den Spendenaufruf.«

Ich verschlucke mich beinahe an meiner eigenen Luft und riskiere einen schnellen Blick zur Bar. Daniel lacht gerade über etwas, das Karim gesagt hat. Das warme Licht streift sein Gesicht und lässt seine Augen hell aufleuchten.

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: 4 days ago ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

universeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt