Der Kaffee in Paris zergeht mir auf der Zunge, wie flüssige Zartbitterschokolade. Von außen mag ich den Anschein machen, als wäre ich eine der vielen Touristen, die sich in der Mittagshitze einen Kaffee gönnen, in meinem Inneren aber herrscht eine gewisse Unruhe.
Ich hasse diese Ungewissheit.
Ich sitze auf der kleinen Terrasse eines Straßencafés, tippe auf meinem Handy und ignoriere die beiden Männer, die sich auf der anderen Straßenseite gegenseitig anstarren wie zwei streitlustige Löwen in einer viel zu engen Arena.
»Er sieht aus, als würde er gleich jemanden schlagen,« murmle ich in mein Headset.
»Und der andere, als würde er es genießen,« kommt es trocken zurück.
Ich rolle mit meinen Augen und seufze – ich ahne Böses. »Sagt mir bitte, dass das nicht meine Begleitung ist.«
»Das sind sie. Beide, tatsächlich. Überraschung.«
Marques. Danke. Für. Nichts.
Ich senke den Blick. Zwei Bodyguards, hat man mir gesagt. Unauffällig. Professionell. Unverzichtbar. Stattdessen bekam ich: Chris Evans in einem zu engen Hemd, das jede Muskelspannung betont und Pedro Pascal in einem Mantel, den nur jemand tragen kann, der sich für unwiderstehlich hält.
Spoiler: Er ist es.
Chris ist der Erste, der sich bewegt. Geradewegs auf mich zu und für einen Moment bin ich überlegt, schnell hier zu verschwinden, doch bevor ich meinen Plan weiter ausreifen kann, steht er vor mir.
»Sie müssen Miss Y/N sein,« sagte er ohne jede Begrüßung.
Hallo. Schön, Sie kennenzulernen, denke ich sarkastisch und versuche dabei nicht zu sehr mein Blick über sein Gesicht schweifen zu lassen. Aber zu meiner Verteidigung – er ist wunderschön und ich schaue mir gerne schöne Männer an.
»Kommt drauf an, wer fragt,« antwortete ich, ebenfalls ohne Begrüßung, denn scheinbar läuft es so.
Pedro tauchte hinter ihm auf, lehnt sich an den Tisch und ein unwiderstehliches Grinsen entsteht auf seinem Gesicht. »Wir fragen beide. Aber nur ich meine es charmant.«
»Großartig.«
Ich trinke den letzten Schluck Kaffee, stehe auf und sehe abwechselnd in zwei viel zu hübsche Gesichter. Sie wissen, dass ich sie kenne, denn eigentlich so gut wie jeder kennt sie oder hat sie schon einmal auf Bildern gesehen – zumindest in meiner Branche. Aber nie habe ich damit gerechnet, sie persönlich kennenzulernen. Oder noch schlimmer, dass sie meine Babysitter spielen müssen. »Wenn ich sterbe, dann wenigstens nicht aus Langeweile.«
Bevor einer der Männer antworten kann, kracht etwas hinter uns ins Fenster.
»Deckung!«, ruft Chris sofort in seinem Element. Von dem frechen Grinsen auf seinem Gesicht ist nichts mehr zu erkennen.
»Wohin denn?«, fragt Pedro sarkastisch. Aber zieht mich sofort beschützend an seine Seite.
Scheinbar fängt es früher an als gedacht.
Ich greife mit meiner Hand zu meinem Ohr. »Ich habe gesagt unauffällig!«, brumme ich und nehme das unscheinbare Headset raus und kappe somit die Verbindung zu Marques.
Der zweite Schuss trifft die Espressomaschine hinter der Theke. Metall splittert, ein Barista schreit laut auf und stößt ein Gebet gen Himmel. Ich ducke mich fast automatisch, um nicht doch getroffen zu werden, doch Chris packt mich am Arm und reißt mich in Deckung – keine Sekunde zu spät, denn ein Schuss trifft unmittelbar die Stelle, auf der ich zuvor gestanden habe.
