Etwa zehn Minuten später steigen Sammy und ich vor einem großen Hotel aus.
Das Hotel ist direkt an einer gut befahrenen Straße, momentan fahren zwar wegen des vielen Schneefalls kaum Autos, aber sobald es etwas weniger schneien und stürmen wird, kann ich mir vorstellen dass es ziemlich laut sein wird, wenn wir ein Zimmer in Richtung Straße haben werden. Das Hotel ist von außen, abgesehen von seiner Größe, sehr unauffällig, es ist weiß angestrichen, hat viele Fenster, etwa 10 Stockwerke und der Eingangsbereich ist eher unscheinbar.
In den wenigen Sekunden, in denen ich das Hotel von außen betrachte, läuft Sammy bereits zielstrebig auf die Eingangstür zu, schnell haste ich ihm hinterher. Mit meinem Koffer im Schlepptau betrete ich das Hotel. Wie auch schon von außen, sieht das Hotel von innen sehr unspektakulär aus. Würde ich nicht wissen, dass ich hier in einem Hotel stehe, hätte man die kleine Rezeption, auch mit dem Eingangsbereich einer Arztpraxis vergleichen können. Aus den Augenwinkeln sehen ich rechts einen Essensbereich, links geht es direkt zu den Aufzügen.
Da ich so schnell wie möglich aufs Hotelzimmer möchte lenke ich mich nicht mit Umschauen ab, sondern kläre direkt an der Rezeption mit einer Hotelangestellten in weißer Bluse und schwarzem Rock ab, dass Sammy und ich unsere Zimmerschlüssel bekommen. Sie drückt Sammy einen mit 196 und mir einen mit 204 in die Hand. Erleichtert laufe ich voraus zum Aufzug und ziehe meinen Koffer hinter mir her. Im Spiegel im Aufzug starrt mich ein müde aussehendes Mädchen an. Zum Glück reißt Sammy mich aus meinen Gedanken.
"Also ich wäre für 204?"
Ich nicke nur.
Wir steigen im siebten Stockwerk aus und Sammy läuft voraus den Flur entlang. Relativ in der Mitte des Flures sehe ich an einer Tür ein Schild mit der Nummer 204 und wir bleiben stehen. Sammy steckt den Schlüssel in das Schloss und dreht in herum.
Sammy öffnet die Tür und ich blicke in ein kleines Zimmer mit Holzboden. Als erstes fällt mir das große Fenster gegenüber ins Auge. Die Wände sind weiß gestrichen und gegenüber von einem Bett steht ein kleiner Schrank, neben dem noch eine Tür ist. Abgesehen von einem kleinen Nachtkästchen neben dem Bett und einer Uhr neben der Tür, durch die wir eben hereingekommen sind, ist das Zimmer unmöbliert.
Wir betreten das Zimmer und Sammy öffnet eine andere Tür, es ist das Badezimmer. Es ist gerade einmal groß genug um sich mit angewinkelten Armen einmal darin im Kreis zu drehen ohne irgendwo anzustoßen.
Abgesehen von der Toilette und dem Waschbecken gibt es nur noch eine Dusche im Badezimmer.
Die Diele zwischen den beiden Zimmern knarzt als Sammy darüber läuft.
"Was glaubst du wie lange wir noch hier bleiben müssen?"
"Ich denke nicht dass es nur bei einer Nacht bleiben wird."
Sammy deutet aus dem Fenster und ich nicke nur stumm. Draußen ist alles weiß und es schneit immer weiter. Ich stelle mich ans Fenster und beobachte wie die Schneeflocken langsam zu Boden fallen, dabei suche ich mir immer eine Schneeflocke aus, so habe ich das früher schon immer mit meinem Vater gemacht. Wieder bildet sich ein Kloß in meinem Hals, doch Sammy unterbricht meine Gedanken.
"Wo sollen wir eigentlich heute Essen gehen?"
Ich zucke nur wortlos mit den Schultern und wende mich vom Fenster ab. Sammy hat schon angefangen unsere Sachen auszupacken und ich beginne nun auch.
Etwa eine viertel Stunde später sind wir fertig. Der Schneesturm hat sich verschlimmert, obwohl ich mir vor einer halben Stunde nicht hätte vorstellen können, dass das noch möglich wäre.
Ich setze mich auf unser Bett und Sammy lässt sich neben mich fallen. Wortlos starre ich aus dem Fenster und mein Blick schweift in Richtung Himmel ab, oder zumindest in die Höhe, in die ich den Himmel vermute. Mittlerweile sieht man kaum noch die Umrisse der Straße unter uns.
"Wir hatten wirklich Glück dass gestern besseres Wetter war."
Und wieder spüre ich den Kloß in meinem Hals. Sammy scheint mir anzumerken wie es mir geht.
"Findest du es wirklich so schlimm hier noch länger bleiben zu müssen?"
"Ja. Bei den ganzen bekannten Orten kommen wieder all die Erinnerungen hoch, an die ich seit Tagen versuche nicht zu denken."
Sammy stützt sich auf seine Ellbogen und schaut mich an.
"Du solltest aber nicht versuchen deine Gedanken zu verdrängen, das hilft dir nichts..."
Er unterbricht sich und setzt neu an. Er wartet einige Sekunden bevor er leise fortfährt.
"...und deinen Eltern übrigens auch nichts."
"Und was sollte es meinen Eltern nützen? Sammy, meine Eltern sind tot, sie sind nicht mehr hier und hören mich auch nicht mehr."
Sammy schaut mich so durchdringlich an wie noch nie.
"Mia, die sind irgendwo da oben..."
Er verlagert sein Gewicht auf einer Hand und macht mit der anderen Hand eine leichte Bewegung in Richtung Himmel.
"...und von da oben schauen sie auf dich runter und sind stolz darauf so eine tolle Tochter zu haben."
Aus Sammys Mund hört sich das alles so wahr und ehrlich gemeint an. Und ich suche nach Worten um ihm zu Antworten. Eine Träne kullert über meine Wange und ich versuche krampfhaft an irgendetwas anderes zu denken um mich abzulenken. Sammy setzt sich auf und nimmt mich in die Arme.
"Mia lass bitte einmal deine Gefühle raus, mir ist egal ob mein T-Shirt danach nassgeweint ist, aber glaub mir, danach geht's dir besser."
Das sind die ausschlaggebenden Worte von Sammy, dass ich nicht mehr versuche meine Gefühle zu unterdrücken, sondern dass ich einfach drauf los heule. Sammy ist keiner von denen, der versucht einen zu trösten, indem er unbeholfen den Rücken tätschelt oder versucht einen irgendwie sonst mit Worten zu trösten. Sammy sitzt einfach nur still da und hält mich fest umarmt. Ich weiß nicht wie lange wir so da sitzen, aber irgendwann wird es besser und ich löse mich von Sammy. Sein T-Shirt ist wirklich nass von Tränen, doch es scheint ihn nicht zu kümmern. Sammy hatte recht, es geht mir jetzt tatsächlich besser. Er reicht mir eine Packung mit Taschentüchern und ich trocken damit die Tränen in meinem Gesicht.
Mittlerweile ist es schon dunkel und ich merke wie viel Hunger ich habe, unsere letzte Mahlzeit war immerhin heute Morgen das Frühstück. Ein Blick auf die Uhr neben der Tür verrät mir dass es bereits 19 Uhr ist. Auch Sammy blickt auf die Uhr.
"Hast du Hunger?"
Er blickt mich fragend an und ich nicke.
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Forbidden Love
Novela JuvenilIch, Mia wechsle auf ein Internat nach Deutschland, da meine Eltern für ein Jahr auf Geschäftsreise gehen. Ursprünglich komme ich aus England. Jedoch ist hier nichts so, wie ich es mir vorgestellt habe, ich verliebe mich das erste Mal, und dann auch...
