Aus Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter.
Ralph Waldo Emerson
***
Arya
Wie lange sahen wir uns schon in die Augen? Sekunden? Minuten? Vielleicht sogar eine Stunde? Mein Zeitgefühl war wie verschollen, wenn ich mit Ümit Zeit verbrachte. Ich dachte an gar nichts mehr und vergaß alles, was mich generell im Alltag beschäftigte. Er hatte mich komplett in seinen Bann gezogen. Komplett in seine Welt eingetaucht.
»Eigentlich wollte ich dich mit nach Mexiko nehmen und dir alles Vorort zeigen.«, unerwartet unterbrach Ümit die Ruhe.
»Wieso hast du das nicht getan?«
»Weil das weder für meine, noch für deine Psyche gesund wäre.«
Allein nur seine Denkweise ließ mich unkontrolliert Grinsen. Ich war es nicht gewohnt von anderen Menschen so behandelt zu werden. Von den Menschen aus meinem nahen Umfeld war ich das gewohnt, aber von einem Mann — wie Ümit — gar nicht. Das gab mir ein besonderes Gefühl. Es ließ mich für mich besonders wirken. Von einem Menschen bedacht zu werden, ohne eine jegliche Verbindung zu dieser Person zu haben, ist wirklich etwas wertvolles. Was steckte aber hinter diesem Gefühl? Würde ich bei jeder anderen Person, genau dasselbe fühlen? Oder lag es speziell an Ümit? Nach jedem Moment, die ich mit ihm erlebte, vermehrten sich meine Fragen. Ich brauchte Antworten, um zu wissen wie ich mich verhalten sollte. Bisher hast du keine Antworten gebraucht, um nah an ihm zu sein. Stimmt auch irgendwie wieder. Trotzdem brachte mir das auch nichts.
»Ümit.«, sagte ich ungewollt.
»Arya.«
Toll gemacht, Arya. Los, jetzt sag ihm schon das was du sagen wolltest. Ich hörte Boss sich eifrig in die Hände klatschen.
»W—was ist jetzt eigentlich? Ich meine... das alles. Du verwirrst mich. Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll. Wie gehen wir miteinander um? Ich meine, wie werden wir uns verhalten? Ändert sich etwas? Ich kann weder denken, noch meine Gefühle zeigen, ich weiß nicht mal, ob das was ich gerade sage einen Sinn ergibt oder ob du überhaupt verstehst worauf ich hinaus will. Wobei, nicht mal ich weiß worauf ich hinaus will, aber glaub mir, all das was ich gerade versuche zu sagen ist das, was durch meinen Kopf geht. Und auch von meinem Herzen...«
Ümit hatte unseren Lippen den Kontakt gewährt, weshalb ich verstummte. Automatisch schloss ich meine Augen und versuchte mich nur auf das einzulassen, was gerade vor sich ging. Ich fühlte mich wehrlos, aber dennoch so stark, weil er bei mir war.
Er gab mir dieses Gefühl, was ich mir eingestehen wollte, aber mein Kopf immer verneinte. Das ist die Antwort auf mein sinnloses Gelaber von eben.
Eine Hand hatte er in meinen Haaren vergruben, die andere hatte er an meinem Rücken. Langsam zog er mich hoch, sodass ich diesmal auf seinem Schoß saß und nicht lag. Kurz trennte er sich von mir. Ich öffnete meine Augen und sah wie er seine Blicke nicht von meinen Lippen nehmen konnte. Das war zwar nicht unser erster Kuss, aber dafür der emotionalste. Meine Hände hatte ich um seinen Hals geschlossen und ging mit meinen Daumen mehrmals durch sein Kiefer, bis hin zu seinen Wangen.
»Du glaubst mir nicht wie erleichtert ich bin, Arya.«, raunte er mit einem Hauch von Atem gegen meine Lippen. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht so genau in was er erleichtert war. »Mein Warten hat ein Ende. Jahrelang habe ich nach dem gesucht, was mich verfolgt hat. Anscheinend habe ich immer auf dich gewartet, denn irgendwie habe ich jetzt aufgehört zu warten. Ich habe aufgehört zu suchen, Arya. Und dann bittest du mich, dich nicht zu verlassen? Denkst du wirklich, dass ich dich aufgeben würde? Für keinen Cent würde ich dich hergeben. Solange du mir keinen Grund dafür gibst.«, er sah mir sehensüchtig, voller Liebe in die Augen. »Du hast mir einen Grund gegeben für diese verlogene Welt zu leben, Arya Umut.«
DU LIEST GERADE
Eine gemeinsame Seele
Novela Juvenil🌙 Vincent van Gogh sagte mal; »Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.« Doch durch sein Feuer, wird sie wieder einen Sinn in ihrem Leben finden. Das Feuer - welches durch Leid in ihm entstand...
