Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslicher Sorgen, und daß man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt
Adolph Freiherr von Knigge
***
Arya
Asya und ich packten bereits jeweils unseren Koffer, während wir nebenbei Musik hörten. In ungefähr vier Stunden würde unser Flieger starten und natürlich packten wir last minute. Wir sollten am Mittag, deutsche Uhrzeit, in Stuttgart ankommen, wo auf uns dann Celine warten würde.
»Fliege ich eigentlich wieder mit dir zurück?«, fragte Asya, während sie sich auf ihren Koffer setzte und diesen verschloss.
»Ich hoffe, das ist eine rhetorische Frage.«, sagte ich und ging nicht weiter auf ihre Frage ein.
»Arya... jetzt mal im Ernst. Überlegst du dir wirklich hier sesshaft zu werden? Deutschland komplett aufzugeben?«
Ich ließ mir ein wenig Zeit, um die richtigen Worte zu finden. Die restlichen Klamotten in meiner Hand legte ich auf mein Bett und setzte mich hin.
»Ich werde Deutschland niemals aufgeben. Es ist meine Heimat.«, fing ich leise an, während ich meine Beine an mich zog. »An sich hätte ich keinen Grund hier sesshaft zu werden, wenn es... Ümit nicht gäbe. Ich will da bleiben, wo er hingehört. Ist das... findest du das richtig?« Asya lächelte mich warm an, während sie langsam mit ihrem Kopf nickte. »Zu Hause ist da wo Familie ist. Wo Liebe ist.«, ergänzte ich. Meine Gedanken von vor paar Monaten kamen mir wieder in den Sinnen, als ich meine Erinnerung wieder hatte. Da dachte ich viel über Familie nach. Viel über Onkel und Ümit. »Und das habe ich hier.«
»Dein Herz ist bereits hier.«, sagte Asya kurz danach.
»Und... wo ist deins?«, fragte ich vorsichtig.
»Ich schätze das werde ich erst herausfinden, wenn ich in Deutschland bin.«
***
Wir verabschiedeten uns von jeden einzeln, auch wenn es nur fünf Tage waren, die uns trennten. Bis Ümit ankam, ließ ich Onkel keine Sekunde los, sondern blieb dicht an seiner Seite. Den Zwillingen hatte ich versprochen ein Geschenk mitzunehmen und genau dann als ich sie in die Arme nahm, sah ich Ümit auf uns zukommen. Er trug einen lockeren Trainingsanzug und strahlte mit seinem Auftreten sofort positive Energie aus.
»Ümit!«, schrie Melisa hysterisch und rannte auf ihn zu. Ümit kniete sich sofort hin, um sie in die Arme nehmen zu können.
»Na, Prinzessin.«, sagte er fröhlich und küsste sie mehrmals auf ihre Wange. Melisa kicherte amüsiert. Bei ihrem Anblick bekam ich ein starkes Kribbeln in meinem Bauch. Währenddessen lief er auf mich zu und nahm mich mit seinem rechten Arm in die Arme. »Hey, Baby.«, flüsterte er und küsste mich auf meinen Scheitel.
»Hi.«, begrüßte ich ihn lächelnd.
»Seid ihr bereit?«
»Ja. Wir hatten nur auf dich gewartet.«, sagte Asya und lief gerade mit dem letzten Koffer aus dem Gästezimmer.
»Gut, dann lass mich die schnell in den Kofferraum stauen.«, sagte Ümit und ließ Melisa auf den Boden.
Ein letztes Mal verabschiedete ich mich von allen und stieg stumm ins Auto ein. Es fühlte sich komisch an zu gehen. Zwar waren es wirklich nur fünf Tage, doch ich konnte es nicht realisieren. Die letzten Monate, in denen ich hier war, kamen mir vor wie Jahre. Hier hatte ich meine Erinnerungen verloren und anschließend wieder gewonnen. Es fühlte sich so an, als ob ich mein Leben lang hier gelebt habe.
Als Ümit den Motor startete und gerade aus der Einfahrt von Onkels Hof rausfuhr, hörte ich Mary meinen Namen rufen.
»Ümit, halt.«, sagte ich und drehte mich auf meinem Sitz um. Tatsächlich joggte Mary auf uns zu und hielt einen dicken Umschlag in ihrer Hand. Was war das? Ich stieg aus dem Auto aus und sah sie fraglich an.
»Arya, das... ich habe vergessen dich daran zu erinnern. Du müsstest all die Dokumente unterschreiben und dem Notar geben.«
»Was für Dokumente, Mary?«, fragte ich sie verwirrt.
»Dokumente für die Erbe, Arya.«, antwortete sie leise.
»Oh.«, sagte ich überrascht und nahm den Umschlag in meine Hand. »Danke.«, fügte ich leise hinzu. »Ich... ich werde mir das anschauen.«
»Es tut mir leid, ich hätte vorher darauf kommen sollen... ich habe es total vergessen.«
»Ist nicht schlimm, Mary.«, sagte ich sanft und drückte sie ein letztes Mal.
»Gute Reise, Arya.
»Danke, Mary.«
***
Während ich mit dem Umschlag auf meinem Schoß im Auto saß, sprachen mich Ümit und Asya nicht darüber an. Erinnerte ich mich an den Inhalt? An die Erbe? Was mir nun überlassen wurde und was nicht? Bezüglich dessen hatte ich nur Vermutungen, doch keine Erinnerung, an die ich mich festhalten konnte. Asya hatte mir all die Dokumente mitgebracht, als sie herflog. Seitdem hatte ich gar nicht mehr darüber gesprochen. Soweit ich weiß, wusste davon auch niemand darüber Bescheid, außer mein Onkel, Mary und Asya.
Die Fahrt verging stumm, der Weg dauerte nicht allzu lange. Als Ümit den von ihm reservierten Parkplatz suchte, sah ich Kelsey und David bereits vom weiten, wie sie ihre Koffer rausnahmen. Ümit fuhr direkt auf sie zu und parkte neben David's Auto.
»Sind wir bereit, Freunde?«, fragte Kelsey direkt gut gelaunt und öffnete mir meine Beifahrertür.
»Arya, gib mir den Umschlag, ich lege sie in meine Handtasche.«, flüsterte Asya mir zu, während ich noch saß.
»Danke.«, sagte ich leise und begrüßte nun Kelsey. »Die Frage ist, ob du bereit auf Deutschland bist.« Ich zwinkerte sie an und umarmte sie flüchtig.
»Die Wetterverhältnisse deprimieren mich zwar ein wenig, aber für fünf Tage überlebe ich das.«, sagte sie seufzend. »Für euch.«
»Wie nett von dir.«, sagte David, der gerade Ümit bei den Koffern half.
Ich merkte Asya an, dass sie mit ihren Blicken nach etwas suchte. Eher gesagt, nach Yasin suchte. Er hatte bisher nicht zugesagt, ob er mitfliegen würde, wobei wir — beziehungsweise ich — versucht habe ihn zu überreden. Ich hatte sogar vorgeschlagen, ihm sein Flugticket zu kaufen, woraufhin er mir einen leichten Schlag auf den Kopf gab. Natürlich war das Geld nicht sein Problem, doch ich sah keinen Sinn dahinter, nicht mit uns zu kommen.
Die Jungs sicherten ihre Autos gründlich ab, während wir bereits unsere Koffer nahmen und schon mal in Richtung Ausgang liefen.
Und nun... dann lasst uns die aufregende Heidelberg Reise beginnen.
Mit vielen Emotionen und Gefühlsausbrüchen. Mit unerwarteten Geständnissen und getrennten Wegen.
*
A/N
Hellooooo
It's meeeeee, nach drei Monaten oder so 🥺
Der Januar war hart. Klausuren haben geballert und gefühlt ist jeden Tag etwas neues auf der Welt passiert.
Wie geht's euch so?
Ich hab euch vermisst, eure Kommentare, eure Aufmerksamkeit und all diese romantische Bindung.
Ihr seid OG, wenn ihr wieder am Start seid.
Wir sehen uns SEHR BALD wieder mit einem neuen Kapitel, bis dahin bleibt gesund und produktiv ✨
Eure Saskia, bye 💜
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Eine gemeinsame Seele
Novela Juvenil🌙 Vincent van Gogh sagte mal; »Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.« Doch durch sein Feuer, wird sie wieder einen Sinn in ihrem Leben finden. Das Feuer - welches durch Leid in ihm entstand...
