Kapitel 19

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Immer noch drücke ich das kleine Kästchen an meinen Bauch. So gerne würde ich es jetzt sofort aufmachen, aber Robin hat mir inständig gesagt es erst heute Abend zu tun.
Ich schaue aus dem Fenster und hab ein wenig die Orientierung verloren, in der Stadt in der ich doch eine Weile auf der Straße gelebt habe.
"Darf ich sie mal was fragen?", höre ich den Taxifahrer fragen und ich wende mich zu ihm, sehe das er mich durch den Rückspiegel anschaut, als wir an einer roten Ampel stehen.
"Ja klar.", antworte ich und ja was soll ich sagen, da macht mich dieser Typ hinterm Steuer nicht nervös und schon muss ich nicht stottern.
"Sie und Mister Troysen, ähm was sind sie?", fragt er und die Ampel wird grün.
"Wir sind Partner.", sage ich und merke wie stolz ich bin.
"Wie Partner?", fragt er weiter und ich antworte wie selbstverständlich: "Wir leben zusammen."
"Ähm ich will ihnen ja nicht zu nahe treten, aber sie wissen schon das Mister Troysen ein sehr angesehener Mann ist und auch ab und an in den Medien vertreten ist. Mister Troysen wird am Montag vierundvierzig und sie wollen mir erzählen das sie sein Partner sind!?", spricht der Taxifahrer und lenkt das Auto weiter durch die Straßen.
"Ja haben sie ein Problem damit?", frage ich und merke das ich langsam sauer werde.
"Nein, aber sie wissen schon das er ihr Vater sein könnte.", sagt der Mann und ich antworte patzig: "Eben könnte, ist er aber nicht!"
Was bildet dieser Idiot da vorne sich eigentlich ein? Penner!
"Ich meine ja nur.", äußert er und schüttelt dann leicht seinen Kopf.
Ich spanne meinen Kiefer an um nicht völlig die Beherrschung zu verlieren und will schon aus dem Fenster schauen da sagt der Taxifahrer: "Ich finde es schon ziemlich komisch."
Okay das reicht. Auch meine Geduld hat Grenzen.
"Das ist ihr Problem. Wenn sie damit nicht klar kommen dann lassen Sie es einfach. Ich verstehe ihr Problem nicht. Liebe ist Liebe ganz egal welches Geschlecht man hat oder welcher Altersunterschied zwischen den einzelnen Personen liegt. Wichtig ist das man sich auf seinen Partner verlassen kann. Also halten sie ihre Klappe und reden sie nicht über Dingen von denen sie keine Ahnung haben.", sage ich zornig und muss innerlich über mich selbst schmunzeln. So habe ich mir doch den letzten Satz meiner Rede gerade von Robin geklaut. Denn den gleichen Satz hat er Ben vorhin an den Kopf geworfen.
Der Taxifahrer schüttelt erneut mit dem Kopf und ich schaue aus dem Fenster, denn das muss ich mir wirklich nicht geben.

Eine Weile später halten wir vor einem Gebäude und erst jetzt spricht der Taxifahrer: "Wir sind da."
Ohne ihm noch eines Blickes zu würdigen und noch ein Wort zu sagen steige ich aus, gehe zum Kofferraum, hole meine Tasche heraus und blicke auf das riesige Gebäude.
Ich höre wie das Taxi davon fährt und sehe dass das große Gebäude ein Hotel ist. Ob ich hier her muss?
An der Eingangstür steht ein ältere Portier und lächelt mich an.
Ich gehe auf den Mann zu und er mustert mich von oben bis unten, doch als ich vor ihm stehe fragt er: "Kann ich dir helfen Jungchen?"
"Ähm mein Name ist Toby Calters.", sage ich und der Blick des Portiers verändert sich und er öffnet mir die Tür.
Beim eintreten sagt er: "Willkommen Mister Calters. Haben Sie eine schöne Zeit im Four Seasons.
Ich betrete das Gebäude und schaue mich um. Ziemlich luxuriöse und die Menschen die hier sind passen so gar nicht zu meinem Jeans- und Shirtoutfit. Okay, jetzt gerade fühle ich mich ein wenig wie ein Penner.
Eine Dame spricht mich an und an ihrer Uniform kann ich erkennen das es sich um eine Angestellte handeln muss: "Ich glaube du bist hier falsch Schätzchen."
Abfällig mustert sie mich und ich sage: "Ich denke nicht. Mein Name ist Toby Calters."
Der Gesichtsausdruck dieser Frau verändert sich von abfällig zu absolut freundlich und sie stammelt: "Oh Ent-entschuldigung. Mister Calters, bitte k-komme sie mit."
Ich will der Dame gerade folgen, da dreht sie sich noch mal um und sagt: "Ich nehm ihnen ihr Gepäck ab."
Ich reiche ihr meine Tasche, behalte jedoch das Kästchen in meiner Hand und muss mir tatsächlich ein lachen verkneifen.

An der Rezeption spricht sie mit ihrem Kollegen: "Toby Calters ist jetzt da."
Ist es schlimm das ich mich gerade wie ein kleiner Star fühle? Jeder hier scheint mich zu kennen. Was hat Robin bloß gemacht?
"Alles klar.", sagt der Herr hinter dem Empfang und reicht mir eine Karte: "Ihr Schlüssel zur Penthouse Suite. Miss Hunter wird sie begleiten Mister Calters. Einen schönen Aufenthalt wünschen wir Ihnen und wenn sie wünsche haben, lassen sie es uns wissen und wir werden es für sie in die Wege leiten."
Ich nehme dem Mann die Karte ab, bedanke mich und folge Miss Hunter zum Fahrstuhl. Auch an diesem steht ein junger Mann welcher den Fahrstuhl bedient.
Miss Hunter, der junge Mann und ich steigen in den Fahrstuhl und ich sehe dass der Angestellte einen Knopf für die oberste Etage drückt.
"Mister Calters, ähm könnte ich sie um einen Gefallen bitten?", höre ich Miss Hunter einen Moment später sagen und ich schaue sie an bevor ich antworte: "Ja, was ist los?"
"Könnten sie unser Missverständnis aus der Lobby für sich behalten. Es tut mir wirklich leid und ich möchte nicht dass Mister Troysen etwas falsches von mir denkt.", sagt sie und schaut unsicher zu mir.
"Ist schon gut.", sage ich und winke ab.
"Danke. Wenn ich was für sie tun kann, dann lassen sie es mich wissen.", antwortet sie und ich nicke nur leicht.

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